Aktien oder Anleihen – worauf sollen Anleger jetzt setzen?

Aktien mit überdurchschnittlich hohen Dividenden bieten immer noch einen attraktiven Einkommensfluss. (Bild: Shutterstock.com/Costello77)
Aktien mit überdurchschnittlich hohen Dividenden bieten immer noch einen attraktiven Einkommensfluss. (Bild: Shutterstock.com/Costello77)

Allein durch Investitionen in Anleihen wird es auf absehbare Zeit schwierig sein, genügend Rendite zu erzielen. Wenn Anleger jedoch kurzfristig Liquidität benötigen, sind Aktien von Unternehmen, die hohe Dividenden zahlen, die naheliegende Alternative. Eine teilweise Absicherung des Aktienportfolios ist dabei empfehlenswert.

01.07.2020, 08:58 Uhr

Autor: José Antonio Blanco, Head Investment Management für das Drittkundengeschäft,
Swiss Life Asset Managers

Aufgrund der aktuellen Lage werden Obligationenrenditen für Kreditnehmer guter Bonität auf absehbare Zeit wohl weiterhin negativ bleiben oder sich um die Nulllinie bewegen. Das Wirtschaftswachstum bleibt nach der anfänglichen Erholung von den Folgen der Pandemie wahrscheinlich gedämpft, auch die Inflation fällt sehr moderat aus und die Zentralbanken werden weiterhin dafür sorgen, dass die Zinssätze nicht signifikant steigen.

Anleger, die auf der Suche nach Einkommen sind, werden es daher schwer haben, allein durch Investitionen in Anleihen genügend Rendite zu erzielen. Zudem geht die Flucht in schlechtere Qualitäten mit erhöhten Ausfallraten einher, insbesondere zum Ende eines Wirtschaftszyklus.

Dividenden mit begrenztem Marktrisiko

Es ist daher sinnvoll, sein Portfolio zu diversifizieren und auch andere Anlageklassen zu integrieren. Immobilien sind ein gutes Beispiel für eine Anlageklasse, die immer noch gute Renditen erzielt. Wenn Anleger jedoch kurzfristig Liquidität benötigen, sind Aktien von Unternehmen, die hohe Dividenden zahlen, die naheliegendere Alternative.

Auch wenn die Dividendenrenditen nicht schnell wieder auf das Niveau vor der Krise zurückgehen werden, können wir davon ausgehen, dass Aktien mit überdurchschnittlich hohen Dividenden immer noch einen attraktiven Einkommensfluss bieten.

Sicherlich gibt es auch hier gewisse Effekte zu bedenken, etwa dass Unternehmen, die Staatshilfe beantragt haben, in den Jahren 2020 und 2021 auf Dividendenzahlungen verzichten. Allerdings ist der Kreis dieser Unternehmen klein und zweitens ist dies im Aktienpreis bereits reflektiert. Die Erwartungen der Finanzmärkte bzgl. Dividenden haben sich langsam normalisiert, wie zum Beispiel an der Kursentwicklung der Dividenden-Futures in den letzten Monaten zu erkennen ist.

Nicht wegzudiskutieren ist die Tatsache, dass dividendenstarke Aktien deutlich volatiler sind als Anleihen. Wenn der Anleger also das mit Aktien verbundene höhere Risiko nicht eingehen kann oder will, gibt es dann eine Möglichkeit, zumindest einen Teil der Dividende zu erhalten?

Die Antwortet lautet «Ja». Anleger können allerdings nicht beides haben, sprich die vollen Dividendeneinnahmen erhalten und gleichzeitig kein oder ein nur sehr geringes Risiko eingehen. Sie müssen also bereit sein, ein gewisses Aktienmarktrisiko zu tragen, um an den Dividenden zu partizipieren.

Absicherung reduziert das Risiko

Eine Option, um zumindest einen Teil dieser Dividenden zu erhalten und dennoch das Gesamtrisiko zu reduzieren, ist eine teilweise Absicherung des Aktienportfolios, zum Beispiel mittels Aktienindex-Futures. Dieser Ansatz hat den Vorteil, dass er relativ einfach ist und eine Abstimmung des Risikos mit den eigenen Präferenzen ermöglicht. Die Dividendenrendite eines solchen abgesicherten Portfolios ergibt sich dann aus der Differenz zwischen den ausbezahlten Dividenden im «High Dividend» Portfolio und den durch den Futures-Preis implizierten Markt-Dividenden. Sie wird also niedriger sein als die Dividendenrendite eines klassischen Aktienportfolios, bietet durch die Absicherung aber mehr Sicherheit.

Das Schreiben von Optionen als Zusatzertrag

Eine weitere Möglichkeit, mehr Rendite zu generieren, ist das Schreiben von Optionenstrategien auf Aktien(-indizes). Es gibt umfassende Evidenz dafür, dass Optionsmärkte strukturell unausgewogen sind, da Anleger im Durchschnitt risikoscheu sind. Das bedeutet, dass das Schreiben, also der Verkauf von Optionen, im Durchschnitt einen Ertrag generieren sollte, der das eingegangene Risiko übersteigt. Das Schreiben von Optionen bleibt aber risikoreich, so dass ein wirksamer Mittelweg, einen Teil dieser Prämie zu erzielen und gleichzeitig das Risiko unter Kontrolle zu halten, darin besteht, Futures zur "Delta-Absicherung" der Strategie einzusetzen. Die jüngsten Entwicklungen haben die Attraktivität dieser Strategien erhöht, da die implizite Marktvolatilität, die eine sehr wichtige Rolle für den Preis solcher Optionen spielt, in die Höhe getrieben wurde.

Kombination aus Aktien und Anleihen

Anleger, die Einkommen erzielen wollen, müssen heute nach neuen Wegen suchen, da traditionelle festverzinsliche Instrumente kaum oder gar keine Rendite abwerfen. Ein wirksames Mittel, um dies auf eine liquide Art und Weise zu erreichen, ist die Kombination von Investitionen in ein sorgfältig diversifiziertes Portfolio aus dividendenstarken Aktien sowie den richtigen Strategien zur Überschreibung von Optionen. Ein solches Portfolio ist zwar risikoreicher als ein qualitativ hochwertiges Anleihen-Portfolio, das Risiko kann aber mit Index-Futures verringert werden. Zudem kann mit dem Schreiben von Optionen ein guter Mehrertrag erzielt werden. Anleger haben so die Möglichkeit, höhere Renditen zu generieren, ohne einem übermässigen zusätzlichen Risiko ausgesetzt zu sein.

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