Von Amazon bis Spotify: Das Geschäftsmodell Service boomt

Immer mehr Industrien bieten ihre Produkte als Dienstleistungen an. Frank Schwarz, Manager des MainFirst - Global Equities Fund, ist davon überzeugt, dass das Geschäftsmodell "as a service" in Zukunft dominieren wird.

20.03.2019, 11:39 Uhr

Redaktion: cwe

Gerüchten zufolge soll Apple bei seiner Keynote am 25. März 2019 unter anderem eine Konkurrenz-Plattform zu Netflix und Prime Video von Amazon ankündigen. Dies wäre für den Konzern nach dem Erfolg von Apple Music nicht nur ein logischer Schritt, sondern stellt auch ein Indiz für einen strukturellen Trend dar: „Everything as a Service“. Gemeint ist ein fortschreitender Wandel – weg vom Vertrieb reiner Produkte, hin zu Dienstleistungen. Frank Schwarz, Fondsmanager des MainFirst – Global Equities Fund, ist überzeugt, dass das Geschäftsmodell „as a Service“ zukünftig branchenübergreifend dominieren könnte – und dass sich Investoren diese Entwicklung zunutze machen können.

“As a service“ als Geschäftsmodell hat bereits jetzt ganze Industrien revolutioniert. Laut dem Marktforschungsunternehmen Superdata beziehen heute knapp 74 Prozent der Verbraucher in den Vereinigten Staaten (USA) Filme und Serien über Streaming-Abos, bei Musik liegt die Quote bei 64 Prozent. In der Schweiz ist fast jedes zweite Auto geleased. Ursprünglich stammt das Modell aus dem IT-Sektor, wo Software (Software-as-a-Service; SaaS) oder gleich ganze Plattformen (Platform-as-a-Service; PaaS) circa ab Beginn der 2000er Jahre zunehmend als Dienstleistungen vertrieben wurden. Bekannte Beispiele sind hier etwa Salesforce, Microsoft Azure oder Adobe Systems. „Die kommerziellen Vorzüge zeigen sich eindrucksvoll anhand von Adobe System. Das Unternehmen konnte seine Umsätze auf mehr als 9 Milliarden Euro verdoppeln, seitdem es sein Vertriebsmodell ab Mitte 2013 auf SaaS umgestellt hat“, so Schwarz. Auch ausserhalb der IT-Branche fand dieses Geschäftsmodell schnell Anklang – insbesondere dort, wo ebenfalls mit digitalen Gütern gehandelt wird.

Niedrigere Kosten für Verbraucher, stabilere Umsätze für Unternehmen

Für den Kunden bietet “as a Service“ vor allem Kostenvorteile. Zum einen eliminiert ein Service die Notwendigkeit hoher Anfangsinvestitionen, zum anderen wird das Produkt – ganz gleich ob Software, Datenbank oder Mediathek – fortlaufend upgedated. „Dank PaaS können Unternehmen ihre Kosten für Rechenzentren heute um bis zu 70 Prozent reduzieren. Gerade für Unternehmensgründungen kann dies ein existenzieller Vorteil sein: Anstatt Gelder in Millionenhöhe sammeln zu müssen, können Gründer ihre Ideen so teilweise mit viel bescheideneren Summen realisieren“, so Schwarz. Darüber hinaus bürgt der Anbieter für die Sicherheit und Stabilität der Infrastruktur seiner Dienstleistung.

Auf der anderen Seite profitieren die Anbieter der Dienstleistungen insbesondere durch stabilere und konjunkturresistentere Umsätze. Ein Grund dafür: Das Modell schafft eine stärkere Kundenbindung, indem eine höhere Abhängigkeit zum Service aufgebaut wird. „Wer beispielsweise als Spotify-Nutzer über Monate hinweg seine Lieblings-Songs in Handarbeit in Playlisten sortiert, überlegt sich zweimal, ob er zur Konkurrenz von Apple wechselt“, verbildlicht Schwarz. Darüber hinaus habe sich „as a Service“ als probates Mittel im Kampf gegen Raubkopien herausgestellt, mit denen vor allem die Musik-, Film- und Softwareproduzenten zu kämpfen hatten. Unter anderem aus diesem Grund werden heute auch Videospiele für die Konsolen von Sony und Microsoft oder Filme zum Beispiel bei Swisscom TV im Abo-Modell „as a Service‘“ vertrieben. Von den Verbrauchern wird dies zunehmend angenommen.

Auch immer mehr Analoges wird zur Dienstleistung

Schwarz betont allerdings, dass „as a Service“ auch abseits von digitalen Produkten und Unterhaltungsmedien erfolgreich zum Einsatz kommen kann. „Unter den aufstrebenden Unternehmen im Bereich Wohnraum in Metropolen, für Büroflächen oder Car-Sharing-Modelle finden sich in erster Linie Dienstleister, etwa Uber und Mobility“, so Schwarz. Der Fondsmanager macht zudem auf das 2010 gegründete Unternehmen WeWork aufmerksam, das sogenannte „shared Workplaces“ bereitstellt und mittlerweile der grösste Büroimmobilieneigentümer in New York und London ist. Ähnlich wie beim Gedanken einer „Sharing Economy“ sei es laut Schwarz insbesondere die jüngere Generation, die das Geschäftsmodell nicht nur akzeptiert, sondern sogar gegenüber klassischen Produkten bevorzugt.

Mit seinem Fonds, der Unternehmen mit strukturellem Wachstum bevorzugt, möchte Schwarz daher auch zukünftig in Unternehmen mit diesem Geschäftsmodell investieren. Schon heute verfolgen rund 20 Prozent seiner Portfoliounternehmen vergleichbare Praktiken, darunter Titel wie Amazon, Adobe, Salesforce, Netflix und Spotify.

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