17.11.2025, 10:03 Uhr
«Der Deal zwischen der US-Regierung und Pfizer über Arzneimittelpreise wird die Margen innovativer Pharmaunternehmen unangetastet lassen. Die Vorteile für Verbraucher werden jedoch gering sein. Darüber hinaus...
Nach einem aussergewöhnlich volatilen Jahresauftakt notiert Gold wieder bei rund 4'486 US-Dollar pro Unze. Die Mehrheit der grossen Investmenthäuser hält an ihren bullischen Prognosen fest – doch erste Stimmen warnen, die Rally könnte sich ihrem Ende nähern. Was steckt hinter dem Optimismus?
Das Edelmetall hat 2026 eine Achterbahnfahrt hinter sich. Im Januar markierte Gold mit 5'589 US-Dollar pro Unze ein Allzeithoch, bevor es im März in einer der stärksten Wochenkorrekturen seiner Geschichte um knapp 11 Prozent einbrach. Seither hat sich der Preis wieder gefangen. Gegenüber dem Vorjahr liegt Gold trotz der zwischenzeitlichen Verwerfungen noch immer rund 34 Prozent höher.
Über alle Häuser hinweg werden vier Faktoren als tragende Säulen der Rally genannt. An erster Stelle stehen die Käufe der Notenbanken:
Besonders bullisch positioniert sich die UBS. Analyst Dominic Schneider begründet den Ausblick mit Notenbankkäufen von rund 950 Tonnen pro Jahr, hohen Haushaltsdefiziten, niedrigeren US-Realzinsen und der anhaltenden Geopolitik. Das Aufwärtsszenario der Bank liegt bei 7'200 US-Dollar pro Unze.
Julius Bär bezeichnet Gold als «Top Hedge für 2026» und positioniert sich taktisch mit einem Übergewicht gegenüber der strategischen Benchmark. Die strukturellen Pfeiler – Notenbankkäufe und Safe-Haven-Nachfrage – seien intakt.
Die Union Bancaire Privée (UBP) erwartet einen Anstieg auf 5'200 US-Dollar bis zum vierten Quartal 2026. Nach dem Plus von rund 70 Prozent im Jahr 2025 sei eine Normalisierung der Renditen zu erwarten. Pictet betont seinerseits, dass die langfristige Story trotz der kurzfristigen Volatilität intakt bleibe: De-Dollarisierung und geopolitische Unsicherheit seien unverändert präsent.
Wie tiefgreifend die Verschiebung ist, zeigt ein am Dienstag veröffentlichter Bericht der Europäischen Zentralbank (EZB). Demnach hat Gold die US-Staatsanleihen erstmals als weltweit wichtigsten Reserve-Vermögenswert abgelöst. Über die EZB-Studie berichtete auch die «Financial Times». Demnach entfielen Ende 2025 27 Prozent aller globalen Notenbankreserven auf das Edelmetall – nach 20 Prozent ein Jahr zuvor. Der Anteil der US-Treasuries sank im selben Zeitraum von 25 auf 22 Prozent, jener der auf Euro lautenden Reserven blieb bei 15 Prozent unverändert. Dollar-denominierte Anlagen bilden mit 42 Prozent zusammen genommen weiterhin den grössten Block.
Die Verschiebung spiegelt laut EZB das Bestreben vieler Länder, Alternativen zum US-Dollar zu suchen – ein Trend, der sich seit 2022 beschleunigt hat, als die USA als Reaktion auf den russischen Angriff auf die Ukraine die Dollarreserven Russlands einfroren. EZB-Präsidentin Christine Lagarde führt die anhaltend starke Goldnachfrage der Notenbanken massgeblich auf geopolitische Spannungen zurück. Mit über 36'000 Tonnen halten die Zentralbanken heute fast so viel Gold wie auf dem Höhepunkt des Bretton-Woods-Systems, als es rund 38'000 Tonnen waren.
Der Aufstieg von Gold an die Spitze ist allerdings auch eine direkte Folge der Preisrally: Ohne die Kursgewinne der vergangenen Jahre fiele der Reserveanteil entsprechend geringer aus. Die Käufe der Notenbanken verlangsamten sich 2025 leicht auf rund 850 Tonnen, nach drei Jahren mit jeweils mehr als 1'000 Tonnen. Grösste Akkumulatoren seit 2022 waren China, Polen, die Türkei und Indien. Bemerkenswert: Zum grössten Einzelkäufer des Jahres 2025 avancierte mit über 100 Tonnen das Stablecoin-Unternehmen Tether. Die Türkei wiederum nahm Anfang 2026 eine der grössten Reservereduktionen der jüngeren Zeit vor und verkaufte oder verlieh nach Ausbruch des Iran-Kriegs 130 Tonnen.
Nicht alle teilen den Optimismus. EFG International stellt die Frage, ob die Rally erschöpft sein könnte. Fondsmanager Thomas Winmill von Midas Funds rechnet für den Juni 2026 mit einem Rückgang von null bis fünf Prozent. Als Negativszenario nennt der World Gold Council ein starkes US-Wachstum mit festem Dollar und hohen Zinsen, das den Goldpreis um bis zu 20 Prozent drücken könnte.
Die ING kommt indes zum gegenteiligen Schluss: Man glaube nicht, dass die Rally ihren Lauf beendet habe. Die strukturellen Pfeiler – die Diversifizierung der Notenbanken, das Interesse an börsengehandelten Fonds (ETF) sowie die Zinspolitik – seien weiterhin fest verankert.