Hedgefonds profitieren von Volatität – und wetten schon auf den nächsten Einbruch

Die globale Hedgefondsbranche hat im Februar 2026 zum zehnten Mal in Folge positive Erträge erzielt. Der HFRI Fund Weighted Composite Index legte um 1,92 Prozent zu und brachte die Jahresrendite auf 4,38 Prozent. Gleichzeitig zeigen neue Daten aus dem Prime-Brokerage-Bereich von Goldman Sachs, dass Hedgefonds-Manager ihre Absicherungen gegen den US-Aktienmarkt massiv ausgebaut haben.

09.03.2026, 07:59 Uhr
Alternatives | Anlagestrategie | Rohstoffe

Redaktion: asc

Treiber im Februar waren laut dem HFRI Fund Weighted Composite Index vor allem Macro- und Equity-Hedge-Fonds. Der HFRI Macro (Total) Index avancierte um 3,02 Prozent und verlängerte damit seine positive Performance-Serie auf neun Monate – insgesamt ein Plus von 17,9 Prozent in diesem Zeitraum. Innerhalb der Makro-Kategorie brillierten der HFRI Macro: Commodity Index (+4,14 Prozent) und der HFRI Macro: Systematic Diversified Index (+3,66 Prozent). Trendfolge-Strategien, die auf steigende Rohstoffpreise im Zuge der Nahost-Spannungen setzten, erwiesen sich als besonders treffsicher.

Equity-Hedge-Fonds setzten ebenfalls ein starkes Zeichen: Der HFRI Equity Hedge (Total) Index gewann 2,35 Prozent. An der Spitze stand der HFRI EH: Sector – Energy/Basic Materials Index mit einem Plus von 4,60 Prozent, gefolgt vom Healthcare-Sektor (+3,72 Prozent), der von strukturellem Wandel und technologischer Innovation profitierte. Der Fundamental Growth Index legte 3,22 Prozent zu.

Relativ Value-Strategien legten ebenfalls zu: Der HFRI Relative Value (Total) Index stieg um 0,66 Prozent, angetrieben vom HFRI RV: Yield Alternatives Index (+2,11 Prozent). Event-Driven-Strategien gewannen trotz Gegenwinds im Private-Credit-Bereich 0,33 Prozent, wobei der Distressed/Restructuring-Subindex mit +1,94 Prozent überzeugte.

Starke Absicherungen im März

Während die Februar-Daten auf solide Gewinne verweisen, malen die jüngsten Positionierungsdaten für den März ein anderes Bild. Laut Daten des Prime-Brokerage-Bereichs von Goldman Sachs haben Hedgefonds ihre Short-Positionen in Aktien-ETFs in der Woche bis zum 6. März um 8,3 Prozent erhöht, schreibt Bloomberg. Diese Aufbaugeschwindigkeit wurde in den vergangenen fünf Jahren nur einmal übertroffen.

Der S&P 500 verlor in der vergangenen Woche rund zwei Prozent. Der Cboe VIX-Index, das Barometer der Marktangst an der Wall Street, sprang auf den höchsten Stand seit den Turbulenzen rund um die US-Zölle im April 2025 – das wird als ein klares Zeichen für gestiegene Verunsicherung gesehen. Treiber sind die Eskalation im Nahen Osten, Befürchtungen vor einem erneuten Ölpreisschock sowie die damit einhergehenden Inflationssorgen.

Goldman-Direktor Lee Coppersmith fasste es gemäss Bloomberg in einer Kundennotiz treffend zusammen: Positionierungs- und Flussdaten bestätigten, dass Investoren stärker absicherten, ohne sich jedoch vollständig zurückzuziehen. Tatsächlich erhöhten Hedgefonds gleichzeitig ihre Long-Positionen in Einzeltiteln – zum ersten Mal seit fünf Wochen. Das Muster: absichern auf Index-Ebene, selektiv auf Einzelaktien zugreifen.

Bezeichnend ist auch Goldmans sogenannter US Vol Panic Index, der am Freitag auf 9,72 von maximal 10 Punkten kletterte – obwohl der S&P 500 zu diesem Zeitpunkt weniger als vier Prozent unter seinem Januar-Höchststand notierte. Die Diskrepanz zwischen der intern gemessenen Stressstärke auf Einzeltitelebene und dem vergleichsweise moderaten Rückgang des Gesamtindex deutet darauf hin, dass der breite Index möglicherweise noch nicht vollständig das widerspiegelt, was in einzelnen Segmenten bereits brennt.

Den Ausgangspunkt der jüngsten Entwicklungen bildet das militärische Eingreifen im Iran, das am 28. Februar begann. Für Hedgefonds-Manager war der Monat ein Balanceakt: Auf der einen Seite navigierten sie durch Risiko-an-Risiko-aus-Wechsel, getrieben von KI-bedingten Kursverlusten bei Legacy-Tech-Werten und Druck im privaten Kreditbereich. Auf der anderen Seite eröffneten steigende Öl- und Rohstoffpreise attraktive Chancen für Trendfolgestrategien.

Gemischter Ausblick trotz Kapitalzunahme

Für die kommenden Wochen zeichnet sich ein zweigeteiltes Bild ab. Auf der einen Seite könnten anhaltende Spannungen im Nahen Osten und steigende Ölpreise Makro- und Rohstoffstrategien weiter begünstigen. Der HFRI Macro (Total) Index hat seit seinem Tief einen Lauf, der in seiner Ausdauer historisch selten ist – der Januargewinn von 4,15 Prozent war der stärkste Monatsertrag des Index seit Mai 2003.

Auf der anderen Seite zeigen die Goldman-Daten, dass die Risikobereitschaft für US-Aktien insgesamt sinkt. Sollte sich der Konflikt ausweiten oder die Inflationsdaten erneut negativ überraschen, dürften die aufgebauten Short-Positionen Hedgefonds eine natürliche Absicherung bieten – wie es in solchen Marktphasen historisch oft der Fall war.

Die Branche steht auch aus Kapitalfluss-Perspektive gut da: Laut HFR verzeichnete die Industrie 2025 Nettomittelzuflüsse von 115,8 Milliarden US-Dollar – der höchste Wert seit 2007 – und verwaltete per Jahresende 2025 rund 5.157 Milliarden Dollar. Die Stimmung unter institutionellen Investoren bleibt konstruktiv, auch wenn die nächsten Wochen die Nerven der Manager weiter strapazieren dürften.

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