Gute Zeiten für Mischfonds

25.06.2007, 10:29 Uhr

Zwischen Aktien und Anleihen hat sich eine negative Korrelation entwickelt und Diversifizierung ist jetzt wichtiger denn je. Aufgrund der stärkeren Korrelation zwischen den einzelnen Aktienmärkten basieren die Entscheidungen der Asset-Allokation zudem nicht mehr nur auf geographischen Gesichtspunkten.

Die Struktur der Finanzmärkte hat sich nach Angaben von Fidelity International in den letzten zehn Jahren gleich mehrfach gewandelt. Weltweit korrelieren die Aktienmärkte inzwischen stärker, und während sich die Asset-Allokation früher in erster Linie an geographischen Gesichtspunkten orientierte, nehmen jetzt auch die verschiedenen Anlageformen und Industriesektoren grossen Einfluss auf die Allokation.

Dazu Trevor Greetham, Director of Asset Allocation, auf einer von Fidelity International in London veranstalteten Konferenz: "Früher stand die Auswahl der richtigen Länder bei globalen Anlagestrategien im Vordergrund. So gewichteten die Anleger beispielsweise deutsche Aktien unter, um dafür US-Titel zu kaufen. Seit einigen Jahren lässt sich mit dieser Denkweise nicht mehr so viel Mehrwert erzielen, weil die Korrelation der regionalen Aktienmärkte durch die vermehrte Globalisierung, den Auslagerungstrend, die Einführung des Euro und stark synchronisierte Wirtschaftszyklen zugenommen hat."

"Geographische Erwägungen sind nach wie vor hilfreich, globale Sektorstrategien werden jedoch immer wichtiger", erklärt Greetham. "Das gilt vor allem dann, wenn die Fondsmanager dadurch die besten Aktien jedes Sektors durch internationale Vergleiche identifizieren können. Die Korrelationen zwischen den Industriezweigen sind relativ gering. Das wird sich wohl auch nicht ändern, weil zum Beispiel zwischen einer Ölgesellschaft und einem Gesundheitsdienstleister einfach grundlegende Unterschiede bestehen. Einzelne Unternehmen konkurrieren derweil immer stärker auf globaler Ebene, und zwar sowohl um ihre Endabnehmermärkte als auch um die globalen Kapitalflüsse für ihre Finanzierungsvorhaben."

"Während die Korrelation der regionalen Aktienmärkte zugenommen hat, verhält es sich bei Aktien und Anleihen genau umgekehrt. Die gleitende Fünfjahreskorrelation zwischen US-amerikanischen Aktien und Anleihen war seit mindestens 106 Jahren nicht mehr so negativ wie jetzt. Die entsprechende Korrelation zwischen britischen Aktien und Anleihen ist auf ihrem negativsten Stand seit mindestens 70 Jahren."

"Ein verändertes Inflationsmuster ist eine triftige Erklärung für diesen Wandel und auch den Umstand, dass die geringe Korrelation zwischen den Anlageklassen wahrscheinlich Bestand haben wird. Während der stark inflationären Siebzigerjahre und des Desinflationstrends in den darauffolgenden zwei Jahrzehnten entwickelten sich die Aktien- und Anleihemärkte jeweils in die gleiche Richtung. Dabei haben beide zunächst darunter gelitten und anschliessend davon profitiert, dass die Zinsen, die den Anlegern zur Einschätzung der künftigen Kapitalströme dienten, starken Schwankungen unterlagen. Mit der russischen Finanzkrise im September 1998 begann ein radikaler Wandel; zum ersten Mal in der jüngeren Geschichte senkten die grossen Zentralbanken das Zinsniveau, um eine zu niedrige Inflation zu verhindern."

"Seitdem ist die Inflation niedrig und unter Kontrolle. Dafür sorgen glaubwürdige Massnahmen der Zentralbanken. Das heutige Gefälle zwischen Aktien- und Anleiheperformance geht vielmehr auf den Zyklus des Wirtschaftswachstums zurück. In Boomphasen wie der dot.com-Blase von 1999 oder den letzten paar Jahren sind die Aktienkurse in die Höhe geschnellt, während Anleihen gelitten haben. Die synchronisierte globale Talfahrt kurz nach der Jahrtausendwende machte den Aktien schwer zu schaffen. Anleihen dagegen waren in ihrem Element."

Greetham zieht deshalb folgenden Schluss: "Während sich die beiden wichtigsten Anlageklassen im Gleichschritt entwickelten, wurde Diversifizierung immer nur belächelt. Erst als die dot.com-Blase platzte, fanden die Investoren allmählich Gefallen an den beständigeren Renditen, die sich mit einem gemischten Anlagedepot erzielen lassen. Mit den neuen Anlageformen wie z. B. Rohstoffen, die immer mehr Akzeptanz finden, werden auch die Vorteile offenkundig, die diese unkorrelierten Anlageformen für ein Portfolio haben können. Meines Erachtens sind das hervorragende Voraussetzungen für Mischfonds."

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