18.02.2026, 09:16 Uhr
Nach Jahren der Enttäuschung kehrt Zuversicht in den Clean-Energy-Sektor zurück. Christian Rom von DNB Asset Management sieht die Energiewende auf einem stabilen Fundament: getrieben von Wirtschaftlichkeit,...
Was lange als staatlich dominierte Raumfahrt galt, entwickelt sich zunehmend zu einem eigenständigen Investmentthema. Satelliten verlassen die Sphäre des Prestigeprojekts und werden zu einem Bestandteil der digitalen Basisinfrastruktur. Für Anleger ist das mehr als eine technologische Randnotiz – es ist ein struktureller Trend.
Die Dynamik ist beeindruckend. Fast 15'000 Satelliten umkreisen inzwischen die Erde. Noch vor wenigen Jahren war das All vergleichsweise leer, heute sprechen Branchenbeobachter von einer industriellen Revolution im Orbit. Der globale Markt für Satellitenkommunikation wird bereits auf über 20 Milliarden US-Dollar geschätzt – mit prognostizierten jährlichen Wachstumsraten von rund 20 Prozent bis in die nächste Dekade hinein.
«Wir erleben zurzeit eine Revolution. Kommunikationsinfrastrukturen werden nicht mehr auf der Erde, sondern direkt im Weltall errichtet», erklärt Alicia Daurignac, Fondsmanagerin bei LFDE. Sinkende Startkosten und die industrielle Skalierung von Satellitenkonstellationen hätten das Tempo in der Branche massiv erhöht.
Besonders disruptiv ist der Trend zur sogenannten Direct-to-Device-Technologie. Satelliten im niedrigen Erdorbit senden Signale direkt an handelsübliche Smartphones – ohne zusätzliche Geräte oder terrestrische Funkmasten. Funklöcher könnten damit global geschlossen werden, von abgelegenen Regionen bis zu maritimen Routen.
Für Audun Wickstrand-Iversen, Portfoliomanager bei DNB Asset Management, liegt genau hier die infrastrukturelle Qualität des Themas. LEO-Satelliten entwickelten sich von einem technologischen Experiment zu einem Modell mit globaler Reichweite und potenziell attraktiven Skaleneffekten. Entscheidend sei weniger die Rakete als die ökonomische Struktur dahinter.
Das Geschäftsmodell folgt einem bekannten Muster: hohe Anfangsinvestitionen, danach niedrige Grenzkosten. In erfolgreichen Szenarien könnten Margen entstehen, die eher an Plattformunternehmen erinnern als an traditionelle Telekomkonzerne.
Noch weiter reicht die nächste Entwicklungsstufe. Satelliten könnten künftig nicht nur Daten übertragen, sondern selbst Rechenleistung bereitstellen. Google Research testet mit dem Projekt «Suncatcher» KI-Workloads in einer orbitalen Infrastruktur – ein Ansatz, der auf die steigende Energieintensität moderner KI-Modelle reagiert.
«Da KI-Modelle zunehmend energieintensiver werden, stellt der Stromverbrauch mittlerweile eine wesentliche Hürde dar», erläutert Matt Moberg, Portfoliomanager bei Franklin Templeton. Im Weltraum könnten Solarzellen nahezu kontinuierlich Energie liefern – deutlich effizienter als auf der Erde. In Kombination mit bestehenden Satellitenkonstellationen entstehe so eine neue Option für rechenintensive Anwendungen.
Der Orbit wird damit zur Verlängerung der digitalen Wertschöpfungskette: Kommunikation, Energieversorgung und Datenverarbeitung verschmelzen zu einer integrierten Infrastruktur.
Mit der Industrialisierung des Orbits rücken regulatorische Fragen in den Vordergrund. Frequenz-Lizenzen sind Voraussetzung für die Datenübertragung – und sie sind limitiert. Ihr Besitz entwickelt sich zu einem strategischen Vermögenswert, vergleichbar mit Mobilfunkfrequenzen am Boden.
LFDE verweist in diesem Zusammenhang auf den globalen Wettbewerb um entsprechende Rechte. Wer über Frequenzen verfügt, sichert sich nicht nur technische Kapazität, sondern auch Marktzugang.
Auch bei DNB wird argumentiert, dass gerade diese Kombination aus physischer Infrastruktur und regulatorischer Eintrittsbarriere den Charakter eines langfristigen Infrastruktur-Assets prägt. Ist eine Konstellation etabliert, entstehen Netzwerkeffekte und Skalenvorteile, die neue Wettbewerber nur schwer replizieren können.
So attraktiv die langfristige Perspektive ist, so klar sind die Risiken. Raketenstarts bleiben operativ komplex, Verzögerungen keine Seltenheit. Erst mit ausreichender Satellitendichte wird das Modell wirtschaftlich tragfähig. Technologiegetriebene Segmente unterliegen zudem naturgemäss erhöhter Volatilität.
Für Anleger ergibt sich damit ein asymmetrisches Profil: Scheitert die Skalierung, drohen deutliche Rückschläge. Gelingt sie, entsteht ein globales Infrastrukturmodell mit potenziell hoher Kapitalrendite und strukturellem Wachstum.
Satelliten sind damit mehr als ein Zukunftsversprechen. Sie verbinden Konnektivität, Energieversorgung, Rechenleistung und regulatorische Knappheit zu einer neuen Basisschicht der digitalen Ökonomie. Noch steht das Thema relativ früh im Adoptionszyklus – doch die industrielle Logik dahinter ist bereits klar erkennbar.