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Energiekrise: Netto-Null nicht aus den Augen verlieren

Langfristig gesehen beschleunigt die Energiekrise den Weg zu Netto-Null-Emissionen. (Bild: Shutterstock.com/bilanol)
Langfristig gesehen beschleunigt die Energiekrise den Weg zu Netto-Null-Emissionen. (Bild: Shutterstock.com/bilanol)

Russlands Einmarsch in die Ukraine hat eine Energiekrise ausgelöst. Das dürfte Länder aber nicht daran hindern, ihre Netto-Null-Ziele umzusetzen, sagen Experten von Schroders.

13.07.2022, 13:34 Uhr

Redaktion: maw

Im März 2022 wurden in Grossbritannien mehr E-Autos gekauft als im gesamten Jahr 2019. Und das trotz der rückläufigen Entwicklung des Marktes für Kleinfahrzeuge und den Problemen mit der Versorgungskette, die aktuell die Anschaffung eines E-Fahrzeugs erschweren. Bereits vor dem jüngsten Anstieg der Energiepreise war die Umstellung auf Elektroautos in vollem Gang. Doch der Preisanstieg infolge der hohen Ölpreise macht herkömmliche Verbrennungsmotoren für den Verbraucher unattraktiv.

"Die Preise für Gas und Kohle sind inzwischen viermal so hoch wie noch vor einem Jahr. Dadurch hat sich die Wirtschaftlichkeit der erneuerbaren Energiequellen im Vergleich erheblich verbessert", erklärt Felix Odey, Portfoliomanager vom Schroders Global Energy Transition Team.

Russlands Invasion in die Ukraine habe die Preiserhöhung von Öl und Gas zu einem Zeitpunkt verschärft, als die Energiekosten bereits zunahmen. Die fehlenden Investitionen der vergangenen Jahre führten dazu, dass den Öl- und Gasmärkten neu erschlossene Vorkommen fehlen. Eines sei gewiss: Energieunternehmen wollten nur ungern die Förderung ausweiten. "Der internationale Fokus auf das Erreichen von Netto-Null bedeutet, dass sich Managementteams von der Ölförderung abwenden mussten, ohne zu wissen, welche Nachfrage es in zehn Jahren für ihre Endprodukte geben wird", erläutert Odey.

Immer weniger Investoren seien ausserdem bereit, die Entwicklung neuer fossiler Brennstoffe zu finanzieren. Diese Gemengelage verursachte eine knappe Versorgung des Markts, Preisanstiege und kräftige Renditen der konventionellen Energiemärkte.

Mit erneuerbaren Energien absichern

Die Netto-Null-Herausforderungen, mit denen Länder konfrontiert seien, waren schon vor dem Angriffskrieg auf die Ukraine bekannt: Wie macht man die Volkswirtschaften von fossilen Brennstoffen unabhängig und gewährleistet gleichzeitig die Energiesicherheit? Was sich geändert habe, sei, dass diese Sachfragen mittlerweile im Vorder- und Mittelpunkt stehen. Die derzeitige Energiekrise dürfte den eingeschlagenen Weg in Richtung Netto-Null verändern. Einige Länder könnten die CO2-Emissionen vorziehen, wenn sie die Energieerzeugung hochfahren, um den Kostendruck der wachsenden Strom- und Gaspreise von den Verbrauchern abzuwenden.

"Etwas Positives, insbesondere in Europa, ist die Tatsache, dass die politischen Entscheidungsträger auf die Krise der Energiesicherheit dieser Tage mit Plänen für einen stärkeren Einsatz erneuerbarer Energien reagiert haben", so Alex Monk, Portfoliomanager vom Schroders Global Energy Transition Team. Obwohl kurzfristig mehr fossile Brennstoffe eingesetzt würden, dominieren im Energiemix der mittel- bis langfristigen Strategie die erneuerbaren Energien.

Seitens der Politik sei das ein Novum, betont Alex Monk: "Hätte sich die Energiekrise zu einem früheren Zeitpunkt ereignet, wäre das meiner Meinung nach nicht die Standardreaktion gewesen. Es hat sich eine politische Wende vollzogen." Das Fazit: Länder, deren CO2-Emissionen in den kommenden Jahren zunehmen, müssten das Tempo der Dekarbonisierung erhöhen. Mit anderen Worten, es sei ein deutlicher Ausbau der erneuerbaren Energien nötig. Nur so liessen sich die Netto-Null-Ziele umsetzen.

Ukraine-Krieg beschleunigt Energiewende längerfristig

Die Bundesrepublik Deutschland gelte als gutes Beispiel. Die Regierung verabschiedete eine weitreichende Reform zur Verdreifachung der erneuerbaren Energiequellen bis 2030. Hiermit soll die Energiesicherheit im Zuge des russischen Einmarsches in die Ukraine gewährleistet werden. Einige europäische und amerikanische Politiker schlugen ebenfalls vor, dass mehr Mitarbeitende im Homeoffice arbeiten sollten. So liesse sich der für den Transport benötigte Treibstoff reduzieren.

Trotz dieser Massnahmen wird in Europa mehr Kohle und Gas verbraucht. Das bedeute, dass Länder ihre Emissionsziele schneller erreichen müssen als geplant. Einige britische Politiker hätten sich für mehr Anreize zur Installation von Solaranlagen auf Dächern sowie Bürokratieabbau im Hinblick auf erneuerbare Energiequellen ausgesprochen. Doch bisher seien auf diesem Gebiet nur kleine umsetzbare Schritte unternommen worden.

Alex Monk vertritt des Weiteren die Ansicht, dass noch viel mehr getan werden kann. Durch weitere Anreize für Solaranlagen könnten Verbraucher ihre Stromrechnungen reduzieren. Damit werde dem Land zusätzlich geholfen, die Emissionsziele zu erreichen. "Langfristig gesehen ist die Ukrainekrise eine Unterstützung der Energiewende. Dabei spielt die kurzfristige Verlangsamung seitens der Politik keine Rolle", ergänzt er.

Solche Programme kämen in der Regel jedoch eher der Mittelschicht zugute, anstatt denen, die sie am dringendsten benötigen. Den Ärmsten in der Gesellschaft sei es unmöglich, für Solarmodule zu bezahlen, selbst bei ermässigten Preisen. Die Krise der Lebenshaltungskosten habe Millionen in die Armut gestürzt: Viele müssten sich überlegen, ob sie heizen oder essen. "Die Regierungen sind mit ernsthaften Sachfragen konfrontiert. Inwieweit können sie die Energiekosten senken, ohne die Kluft zwischen Arm und Reich zu vergrössern? Eine kurzfristige Lösung könnte der erhöhte Einsatz von Kohle und Gas sein", meint Alex Monk.

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