Lukas Gähwiler – der "Mister Schweiz" der UBS

Der neue Vize im UBS-Verwaltungsrat kennt das Banking von Grund auf und scheut auch nicht vor Kritik an der Regierungspolitik der Schweiz zurück. (Bild: zvg)
Der neue Vize im UBS-Verwaltungsrat kennt das Banking von Grund auf und scheut auch nicht vor Kritik an der Regierungspolitik der Schweiz zurück. (Bild: zvg)

Lukas Gähwiler tritt die neue Funktion des VR-Vizepräsidenten der UBS an. Gähwiler ist nicht nur Bankenkenner durch und durch. Er ist auch, was in der Schweiz und gerade aus Bankenkreisen oft fehlt: Eine Person der Wirtschaft, die sich mit ihrer praktischen Erfahrung aktiv an der politischen Diskussion beteiligt. UBS-VR-Präsident soll Wallstreet-Banker Colm Kelleher werden.

22.11.2021, 10:48 Uhr

Autor: Hanspeter Frey

"Er geniesst weitherum breite Anerkennung als einer der angesehensten Banker der Schweiz", lobt der abtretende UBS-VR-Präsident Axel Weber den 56-jährigen Ostschweizer.

Gähwiler war von Beginn an in verschiedenen Positionen bei Banken tätig. So betreute er das Privatkundengeschäft der St. Galler Kantonalbank, bevor er zu Beginn der 2000er-Jahren als Kadermann zur Credit Suisse stiess. Dort waren grosse und supergrosse Privat- und Firmenkunden sein Aufgabengebiet.

Von Oswald Grübel zur UBS geholt

CS-Chef war damals Oswald Grübel, und kaum war Grübel an die Spitze der UBS gewechselt, lockte er auch Gähwiler über die Strasse am Paradeplatz und inthronisierte ihn als Chef der UBS Schweiz.

Gähwiler profilierte sich rasch als gewissenhafter und umsichtiger Schaffer, der im übrigen nie auch nur im Ansatz Anlass zu vermeintlichen oder effektiven Skandalnachrichten oder strategischen Verirrungen gab, was zu gewissen Zeiten fast Ausnahme in der Schweizer Grossbankenlandschaft war.

Er blieb der UBS auch treu, als man ihm 2016 den Deutschen Martin Blessing vor die Nase setzte. Blessing, Ex-Chef der Commerzbank, wurde als potenzieller Nachfolger von Sergio Ermotti gehandelt. Nach drei Jahren verliess Blessing die Bank wieder, und der geduldige, loyale Gähwiler, zwischenzeitlich als VR-Präsident der UBS Schweiz im Hintergrund tätig, rückte wieder an die Front.

Im Schatten von Blessing beschäftigte er sich zunehmend mit politischen Themen. Politik und Wirtschaft sind wie andere Lebens- und Gesellschaftsbereiche eng miteinander verbunden. Unternehmer und Manager, die sich aus der politischen Diskussion heraushalten, sei es, weil ihnen der Bezug zur Schweiz fehlt, oder weil sie es für Zeitverschwendung halten, verpassen es, an der politischen Gestaltung mitzuwirken, die für sie und das Umfeld des Untenehmen relevant sind.

Kritiker der bundesrätlichen Europapolitik

Nicht so Lukas Gähwiler. Er spann die Fäden zu den Wirtschaftsverbänden, präsidierte den Arbeitgeberverband der Banken und ist Vorstandsmitglied von Economiesuisse. Er kritisierte den Bundesrat in der Europapolitik: Beim Rahmenabkommen seien ihm die Zügel entglitten, und auch bei der stockenden Reform der Altersvorsorge bezichtigt er die Regierung der Führungslosigkeit.

Nun rückt Gähwiler in den allerobersten Führungszirkel der UBS vor. "Er geniesst weitherum breite Anerkennung als einer der angesehensten Banker der Schweiz", zitiert die NZZ den abtretende Präsident Axel Weber. Gähwiler wiederum verspricht, als VR-Vize die Schweizer Optik aktiv in die Bank einzubringen: "Die starke globale Präsenz und Reichweite von UBS beruhen auch auf unserem Erfolg im Heimmarkt Schweiz, der mir persönlich sehr am Herzen liegt."

Potentes Führungstrio

Im Führungstrio mit CEO Ralph Hamers, dem neuen VR-Präsidenten Colm Kelleher, einem ehemaligen Morgan-Stanley-Mann und "Wallstreet-Veteran", wie in Medien beschreiben, verkörpert Lukas Gähwiler als VR-Vize die "Swissness" der Bank. Mit der Schweiz im Namen und helvetischen Tugenden wie Stabilität, Rechtssicherheit und Kompetenz, die einer hohen Ausbildungsqualität entspringt, kombiniert mit globaler Offenheit und Dynamik, ist die UBS mit grossem Erfolg unterwegs.

Anders als der Credit Suisse spielt der UBS das positive Momentum zurzeit in die Hand, schreibt "Finanz und Wirtschaft". Die Bank erweitert weltweit ihre Kundenbasis, profitiert von beachtlichem Neugeldzuwachs, einer regen Handelsaktivität von Vermögensverwaltungskunden und dem Boom bei Firmenübernahmen. Entsprechend war das dritte Quartal 2021 war das beste seit sechs Jahren.

Am Trio Hamers, Kelleher und Gähwiler liegt es, diesen Erfolgskurs weiterzuführen. Die Voraussetzungen dazu sind gut.

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