Zinssenkung der Fed erwartet

Die US-Notenbank dreht 2022 voraussichtlich noch kräftig an der Zinsschraube. 2023 werden bereits wieder Zinssenkungen erwartet. (Bild: Shutterstock.com/Andrii Malkov)
Die US-Notenbank dreht 2022 voraussichtlich noch kräftig an der Zinsschraube. 2023 werden bereits wieder Zinssenkungen erwartet. (Bild: Shutterstock.com/Andrii Malkov)

Um die sich ausbreitende Inflation unter Kontrolle zu bringen, wird die US-Notenbank am Mittwoch laut Thomas Stucki von der St. Galler Kantonalbank eine Zinserhöhung von 0.75% beschliessen. Nach zusätzlichen Zinserhöhungen werde der Leitzins in den USA Ende 2022 bei rund 3.50% liegen. Bereits im ersten Halbjahr 2023 dürfte dann die erste Zinssenkung der Fed folgen.

25.07.2022, 13:08 Uhr

Redaktion: rem

"Am Mittwoch wird die Fed eine neuerliche Zinserhöhung von 0.75% beschliessen. An den restlichen drei Sitzungen in diesem Jahr werden zusätzliche Zinserhöhungen folgen, wobei diese kleiner ausfallen werden. Ende 2022 wird der Leitzins in den USA bei rund 3.50% und damit über dem konjunkturneutralen Niveau sein. Wie aus den Futures Kontrakten ersichtlich ist, erwarten die Finanzmärkte jedoch nach einer kurzen Pause bereits im ersten Halbjahr 2023 die erste Zinssenkung der Fed. Für 2023 werden insgesamt drei Zinssenkungen erwartet", sagt Thomas Stucki, CIO der St.Galler Kantonalbank.

Gemäss der dieser Erwartung zugrundeliegenden Logik werde die Fed dann auf die wirtschaftliche Abschwächung in den USA reagieren. Erlauben sollte ihr dies eine rückläufige Inflationsrate. Die Fed werde im nächsten Jahr ihre Zinsen nicht mehr im gleichen Tempo erhöhen wie aktuell. Dass sie eine längere Pause einlege, um die Wirkung der höheren Zinsen auf die Inflation und die Wirtschaft zu beurteilen, sei wahrscheinlich.

Starke Inflationsdynamik

Zinsveränderungen wirkten auf die Konjunktur bekanntermassen erst mit einer Verzögerung von mehreren Monaten. Dass die Fed schon im nächsten Jahr wieder zu einer expansiven Geldpolitik wechsle, erwartet Stucki dagegen nicht. Tiefere Rohstoffpreise würden über den Basiseffekt den Inflationsdruck zwar mindern. Eine sinkende Nachfrage als Folge der schwächeren Konjunktur wirke in die gleiche Richtung. "Die aktuelle Inflationsdynamik ist aber so stark, dass die Inflationsrate deutlich über dem Zielwert der Fed von 2% verharren wird. Die US-Wirtschaft müsste rasch und heftig in eine Rezession abstürzen, damit die Fed trotz anhaltendem Inflationsdruck so schnell mit Zinssenkungen reagieren würde. Davon gehe ich nicht aus", betont der CIO.

SNB wird bis auf 1,75% erhöhen

Die anderen Zentralbanken müssten dennoch damit rechnen, dass sich das Zeitfenster für Zinserhöhungen Mitte 2023 oder spätestens gegen Ende des nächsten Jahres schliessen wird. Die Fed gebe weltweit die Zinsrichtung vor. Entgegen der Vorgabe der Fed an der Zinsschraube nach oben zu drehen, werde für die EZB und die Nationalbank schwierig. "Sie werden deshalb die momentane Gelegenheit nutzen und ihre Leitzinsen rasch weiter anheben. Damit reagieren sie auf die ungemütliche Inflationsentwicklung und schaffen sich das notwendige Polster, um später bei Bedarf mit Zinssenkungen wieder auf konjunkturelle Probleme oder externe Schocks reagieren zu können", meint Stucki. Die SNB werde in den nächsten zwölf Monaten die Zinsen um insgesamt 1.50% auf 1.25% anheben. Anschliessend könne das Tempo gedrosselt werden. "Ende 2023 wird bei 1.75% gemäss unserer Prognose das Ende der Zinserhöhungen erreicht sein", blickt der CIO der St. Galler Kantonalbank in die Zukunft.

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