Swiss Life Asset Managers: Die positive Marktdynamik dauert an

Chefökonom Marc Brütsch: "Das Contact Tracing der Ökonomen mit der Wirtschaft war zuletzt erfolgreicher als jenes mancher Gesundheitsämter mit dem Virus.» (Bild: zvg)
Chefökonom Marc Brütsch: "Das Contact Tracing der Ökonomen mit der Wirtschaft war zuletzt erfolgreicher als jenes mancher Gesundheitsämter mit dem Virus.» (Bild: zvg)

Der Durchbruch bei den Impfstoffen gegen Covid-19 verbessert die mittelfristigen Wirtschaftsaussichten. Positiv stuft Swiss Life Asset Managers auch die Lage an den Börsen ein. Die Dynamik dürfte sich in den nächsten Wochen fortsetzen, mit weiterem Fokus auf Unternehmen, die bisher Pandemie-Verlierer waren, schreibt der Versicherer im jüngsten Monatsbericht.

18.11.2020, 17:32 Uhr

Redaktion: hf

Nichts scheint die gute Laune an den Finanzmärkten zu trüben. Ein Grund ist schnelle gefunden, der Durchbruch bei den Impfstoffen gegen Covid-19 . Er verbessert die mittelfristigen Wirtschaftsaussichten - mittelfristig deshalb, "weil uns wohl ein medizinisch und wirtschaftlich trüber Winter bevorsteht", wie die Asset Manger von Swiss Life betonen. Bisher überwiegt der Optimismus, und obwohl viele gute Nachrichten schon eingepreist seien, dürfte die Börsendynamik in den nächsten Wochen anhalten.

Ein anderer Grund für die aufgeräumte Stimmung sind die US-Wahlen. Sie waren wohl eines der am stärksten abgesicherten Ereignisse in der Geschichte der Finanzmärkte, bemerkt dazu die Vermögensverwaltung der Swiss Life. Vor der Wahl gingen die impliziten Volatilitäten in allen Anlageklassen stark nach oben. Doch am Ende erwiesen sich alle Worst-Case-Szenarien als falsch.

Trump wird negiert

Die Märkte ignorierten Trumps Störfeuer und begannen schnell, sich für eine Präsidentschaft Bidens und einen gespaltenen Kongress zu positionieren – eine Konstellation, die vielen Marktteilnehmern gerade recht ist. Das Resultat ist ein berechenbarerer Präsidenten (mit weniger Volatilität durch Tweets, speziell zu Handelsbeziehungen) und einem Kongress, der Bidens Macht bei anderen Themen begrenzt. Die Stichwahl in Georgia am 5. Januar bleibe zwar ein Risiko. Aber auch eine hauchdünne Mehrheit der Demokraten würde Kompromisse erfordern und viele ehrgeizige Fiskalprojekte blockieren, hält Swiss Life fest.

An den Obligationenmärkten sind die Risikoprämien sind nicht mehr weit von den Februar-Tiefstständen entfernt, obwohl Unternehmensanleihen insgesamt wesentlich riskanter geworden sind, sowohl von den Fundamentaldaten als auch von der Duration her. Die technische Unterstützung bleibe aber bestehen, zumal bis Ende Jahr weniger Neuemissionen zu erwarten sind. Bei Staatsanleihen dagegen ist die Renditeentwicklung weniger klar, wie die Achterbahnfahrt der letzten Wochen zeige. Man entscheide sich bei der Duration für eine neutrale Haltung, heisst es im November-Bericht.

Fortgesetzte Rotation am Aktienmarkt

Am Aktienmarkt wäre man nicht überrascht, wenn sich die Sektor- und Regionenrotation mit Vorteil für die zyklischen Märkte fortsetzen würde (siehe Grafik). "Das Augenmerk richtet sich auf Unternehmen, die bei dieser Pandemie bisher Verlierer waren", so die Swiss Life weiter.

Zyklische Märkte auf dem Vormarsch

Quelle: Macrobond
Quelle: Macrobond

Auch bei den Währungen dominieren die Themen US-Wahl und Impfstoff. Wie erwartet erwies sich die Wahl Joe Bidens als negativ für den US-Dollar, der gegenüber dem Euro in der Woche nach der Wahl rund 2% an Wert verlor. Vor allem schätzen Anleger das Risiko einer Eskalation der Spannungen zwischen den USA und China unter Biden als geringer ein, so dass ein Risikoaufschlag für die US-Währung entfiel. Interessanterweise hatte die US-Wahl aber keinen Einfluss auf den EUR/CHF-Kurs, der im Oktober um 1% leicht gesunken war. Der EUR/CHF reagierte jedoch heftig auf den Impfstoffdurchbruch und schoss wieder auf den August- und Septemberstand von 1.08 Fr.

Zyklisches auch bei den Währungen gefragt

Die Verfügbarkeit eines Impfstoffs verringert das Risiko, dass noch 2022 und danach pandemiebedingte Rezessionen auftreten. Das wiederum mindert die Attraktivität der Fluchtwährungen Yen und Franken. "Zyklische Währungen wie Euro oder kanadischer Dollar haben wohl noch Spielraum für eine Aufwertung gegenüber dem US-Dollar, denn die Stimmung an den Finanzmärkten dürfte risikofreundlich bleiben", folgert Swiss Life AM.

Eine Ausnahme bildet das britische Pfund, das sich handelsgewichtet bereits um 3% vom September-Tief erholt hat, weil die meisten Marktteilnehmer mit einem Handelsabkommen zwischen der EU und Grossbritannien rechnen. Bei den aktuellen Kursen schätzt der Versicherer GBP/USD neutral ein, erwartet aber eine erneute Abschwächung gegenüber dem Euro, da sich die schwachen britischen Wirtschaftsdaten angesichts der wieder aufgeflammten Pandemie drastisch verschlechtern würden.

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