Robeco: Credit-Spreads haben den Höhepunkt noch nicht erreicht

Das Endes des Zinserhöhungszyklus ist laut Robeco in Sicht (Foto Gorodenkoff/Shutterstock)
Das Endes des Zinserhöhungszyklus ist laut Robeco in Sicht (Foto Gorodenkoff/Shutterstock)

Der Fokus an den Kreditmärkten wird sich von der Inflation zum Wachstum verlagern, die Spreads haben ihren Höchststand aber noch nicht erreicht, schreibt Robeco on ihrem Credit Outlook.

04.01.2023, 09:00 Uhr

Redaktion: cwe

In einem Zinsanhebungszyklus, der letztlich in einer Rezession mündet, erreichen die Zinsen typischerweise ihren Höchststand vor den Credit-Spreads. Konkret erreichen die Zinsen ihren Höchststand etwa zum Zeitpunkt der vorletzten Leitzinsanhebung in den USA. „Unseres Erachtens befinden wir uns in der Talsohle zwischen den beiden Gipfeln,” sagt Sander Bus, Co-Head des Credit-Teams von Robeco. „Die Zinsen haben zu sinken begonnen und könnten in einigen Ländern ihren Höchststand bereits hinter sich haben, während die Inflation aktuell nachlässt. Auch die Credit-Spreads sind seit Mitte Oktober stark zurückgegangen. Sie dürften sich aber wieder ausweiten, wenn die Marktteilnehmer mit einer Rezession zu rechnen beginnen, welche die Solidität der Unternehmen beeinträchtigen würde.“

Wenn die Wahrscheinlichkeit einer Rezession steigt und dies zum Marktkonsens wird, sollte die Renditestreuung an den Märkten zunehmen. Am unteren Ende des Bonitätsspektrums ist gemäss Robeco mit einem Anstieg der Ausfallquote zu rechnen, während das obere Ende des Marktes von niedrigeren Zinsen und einer Flucht in Qualität profitieren könnte.

Rezession in den USA und Europa wahrscheinlich

„In unserem Basisszenario werden sowohl die USA als auch Europa im Jahr 2023 eine Rezession erleben,” sagt Victor Verberk, Co-Head des Credit-Teams von Robeco. „Obwohl wir davon ausgehen, dass die Rezessionen im selben Jahr stattfinden und sich gegenseitig verstärken werden, dürften sich die jeweiligen Ursachen unterscheiden. In den USA ist mit einem klassischen Boom-Bust-Zyklus zu rechnen, während die Rezession in Europa vor allem durch einen Energieangebotsschock ausgelöst wird.“

Die Fed und die EZB sind entschlossen, die Geldpolitik so lange straff zu halten, bis sie die Bestätigung sehen, dass die Inflation ihr Ziel erreicht. Die gute Nachricht ist für Victor Verberk, dass die Inflation begonnen hat sich abzuschwächen. Demnach sei das Ende des Zinserhöhungszyklus in Sicht. Das bedeute aber nicht, dass die Fed unmittelbar vor einer Zinssenkung stehe.

Zentralbanken bestimmen nach wie vor das Marktgeschehen

Der Zinsstraffungszyklus könnte sich dem Ende nähern, doch der quantitative Straffungszyklus hat gerade erst eingesetzt. Die Fed, die EZB und die BoE haben begonnen, ihre Bilanzen zu verkleinern. Nach Ansicht von Sander Bus wird sich die quantitative Straffung in den USA wahrscheinlich indirekt auswirken, da Credits mit dem höheren Angebot an Staatsanleihen konkurrieren. In Europa hat die Bank of England im Rahmen ihres Corporate Bond Purchase Scheme (CBPS) 5% des Sterling-Investment-Grade-Marktes aufgekauft, während die EZB im Rahmen des Programms Corporate Sector Purchase Program (CSPP) 15% der Euro-Investment-Grade-Anleihen erworben hat. Da diese Nachfrage weggefallen ist und sich nun ins Gegenteil verkehrt, werden dringend neue Käufer für Unternehmensanleihen benötigt.

Geduld ist auf dem Weg ins Jahr 2023 angesagt

Da eine Rezession wahrscheinlicher wird, ist laut Sander Bus mit einer stärkeren Streuung der Renditen auf den Märkten zu rechnen. Am unteren Ende des Bonitätsspektrums könnte es zu einem Anstieg der Ausfallquote kommen, während das obere Ende des Markts zu gegebener Zeit von niedrigeren Zinsen und einer Flucht in Qualität profitieren könnte.

Sobald die Rezession vollständig eingepreist ist und die Spreads ihren Höchststand erreicht haben, ist es für die Strategen von Robeco an der Zeit, wieder offensiv eine Long-Position einzugehen – selbst bei Hochzinsanleihen. In der Regel wird dieser Punkt erreicht, bevor die Ausfallraten ihren Höchststand erreicht haben. Jamie Stuttard, Credit Strategist bei Robeco, zieht folgendes Fazit: „Wir glauben daher, dass wir den Höhepunkt der Zinssorgen und der Zinsschwankungen erreicht haben. Die Volatilität an den Credit-Märkten dürfte aber anhalten. Sehr wahrscheinlich bieten sich im Jahr 2023 bessere Einstiegsgelegenheiten. Wir müssen nur Geduld haben.“

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