Nordea korrigiert Wachstumsprognose nach unten

Nordea Chefökonom Helge J. Pedersen
Nordea Chefökonom Helge J. Pedersen

Die nordischen Länder gelten auch weiterhin als „sichere Häfen“, auch wenn die Volkswirtschaften der nordischen Länder an Schwung verlieren. Denn mit Ausnahme des ölreichen Norwegens blieben die nordischen Länder 2012 nicht unberührt von der erneuten Rezession der Eurozone. Nordea korrigiert deshalb die Wachstumsprognosen 2012 und 2013 für die Region nach unten.

07.12.2012, 10:24 Uhr

Redaktion: luk

„Die nordischen Länder behalten dennoch ihren Status als ‚sichere Häfen‘ an den Finanzmärkten – nicht zuletzt weil ihre öffentlichen Finanzen im Vergleich zu den meisten anderen Ländern relativ solide sind“, sagt Nordea Chefökonom Helge J. Pedersen.

Die norwegische Wirtschaft wächst robust und weitgehend so, wie Nordea es im September prognostiziert hatte. Die Einzelhandelsumsätze fielen zwar schwächer aus als erwartet, dies wird jedoch vollständig kompensiert durch die stark gestiegene Nachfrage nach Dienstleistungen und der Auslandsnachfrage sowie höheren Einnahmen aus dem Tourismus während der Sommer-Ferienzeit. Nordea rechnet auch in den kommenden Jahren mit starkem Wachstum. Größere Kapazitätsprobleme werden durch einen starken Zustrom von Arbeitskräften verhindert, und das Lohnwachstum bleibt auf dem aktuellen Niveau. Die Inflation bleibt vermutlich deutlich unter dem erwarteten Wert, weshalb die Norges Bank einen vorsichtigen Zinsansatz wählen dürfte. Für Zurückhaltung in der Zinspolitik sprechen zudem die international niedrigen Zinsen und das Risiko einer übermäßigen Aufwertung der Norwegischen Krone (NOK). Erst nach und nach, mit einer Erholung der internationalen Volkswirtschaften, entsteht Spielraum für eine erste Zinserhöhung, ohne dass die Krone zu stark aufgewertet würde.

Der schwedischen Wirtschaft bläst mittlerweile ein rauer Wind entgegen. Der globale Abschwung schadet den Exporten, und auch die Inlandsnachfrage wird schwächer. Die unsichere Zukunft belastet sowohl die Verbraucherausgaben als auch die Investitionstätigkeit, sodass die Konjunkturaussichten für die kommenden Quartale insgesamt schwach bleiben und die Arbeitslosigkeit steigen dürfte. Allerdings dürfte sich das Wachstum 2013 etwas erholen und 2014 erneut an Fahrt aufnehmen. Dann wird sich vermutlich auch die Situation auf dem Arbeitsmarkt wieder bessern. In Anbetracht der schwachen Konjunkturtrends und der sehr niedrigen Basisinflation kann die Riksbank die Zinsen ohne Weiteres noch weiter senken. Entsprechend erwartet Nordea weitere Zinssenkungen sowohl im Dezember dieses Jahres als auch im Februar 2013. Zinserhöhungen stehen nicht vor 2014 an. Die Aussicht auf niedrigere Leitzinsen wird kurzfristig auch den Wechselkurs der Schwedischen Krone (SEK) belasten.

Für die dänische Wirtschaft waren die Exporte in den vergangenen Jahren der Lichtblick. Doch jetzt hat die Rezession im Euroraum auch diesen Sektor erreicht. Wesentlich ist deshalb, dass die Inlandsnachfrage anzieht und die Wirtschaft ankurbelt. Nach Einschätzung der Experten bei Nordea hellt sich die Lage derzeit etwas auf. Die beispiellos niedrigen Zinsen werden den Häusermarkt stützen, und nach den in den letzten Jahren stagnierenden Verbraucherausgaben haben die dänischen Haushalte einen relativ hohen Nachholbedarf, der gedeckt werden will. Zugleich wird das dänische Wirtschaftswachstum gestärkt durch Investitionen sowohl des öffentlichen als auch des privaten Sektors, welche von der Regierung zusätzlich gefördert werden.

Die finnische Wirtschaft hat die Rezession dieses Jahr in der offiziellen Statistik vermieden, allerdings nur weil das BIP nicht stetig, sondern im Zickzackkurs gesunken ist. Tatsächlich ist die Wirtschaft 2012 jedoch geschrumpft. Vor dem Hintergrund der voraussichtlichen leichten Erholung im Euroraum erwartet Nordea noch vor dem Sommer 2013 eine moderate Zunahme der wirtschaftlichen Aktivitäten, getrieben insbesondere durch Exporte. Die kurzfristig schwachen Aussichten belasten allerdings die Investitionstätigkeit und die Beschäftigung, die sich beide während des Großteils des Jahres 2013 verschlechtern dürften. Höhere Arbeitslosigkeit sowie gestiegene Einkommens- und Umsatzsteuern bremsen eine Zunahme der privaten Kaufkraft und halten das Wachstum bei den Konsumausgaben im historischen Vergleich auf einem moderaten Niveau. Entsprechend senkt Nordea die BIP-Prognose für 2013 leicht auf 1,0 Prozent.


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