IPO: 2021 dürfte ein guter Jahrgang für Börsengänge werden

2021 dürfte ein guter IPO-Jahrgang werden. (Bild: Shutterstock.com/Videoflow)
2021 dürfte ein guter IPO-Jahrgang werden. (Bild: Shutterstock.com/Videoflow)

Im letzten Jahr wurde weltweit trotz Covid-19-Pandemie mit Börsengängen so viel Geld eingenommen wie letztmals 2010. Dieser Schwung könnte sich laut EY bis zum Sommer 2021 fortsetzen.

06.01.2021, 05:00 Uhr

Redaktion: rem

Ein starkes Schlussquartal verhalf dem internationalen IPO-Markt im Gesamtjahr 2020 zu neuen Höchstständen: Weltweit haben letztes Jahr insgesamt 1322 Unternehmen den Schritt an die Börse gewagt, 15% mehr als 2019. Das gesamte Emissionsvolumen der weltweiten Börsengänge stieg sogar um 26% auf 263 Milliarden USD und damit auf den höchsten Wert seit 2010.

Besonders stark ist das Emissionsvolumen in den USA gestiegen, und zwar auf 86 Mrd. USD (69% mehr als 2019). Die Zahl der Börsengänge nahm dabei um 32% auf 222 zu. Auch China (inklusive Hongkong) verzeichnete 2020 sowohl ein Wachstum des Emissionsvolumens (um 51% auf 116 Mrd. USD) als auch der IPOs (um 41% auf 514, plus 41%).

Die Entwicklung in Europa wies vergleichsweise niedrigere Wachstumsraten auf: Ein Emissionsvolumen von 27 Mrd. USD (plus 9% im Vergleich zu 2019) und 176 Börsengänge (17% mehr).

Beliebte Technologie- und Gesundheits-Unternehmen

Das aktuelle IPO-Barometer des Prüfungs- und Beratungsunternehmens EY zeigt, dass 2020 insgesamt 35% der weltweiten Emissionserlöse auf die Börsengänge von Technologieunternehmen entfielen, die gleichzeitig 24% aller Deals ausmachten. An zweiter Stelle standen IPO von Unternehmen aus dem Gesundheitssektor (16% der Erlöse, 15% der Transaktionen). Die weltweit grösste IPO-Transaktion im Jahr 2020 war der Börsengang des chinesischen Chip-Herstellers Semiconductor Manufacturing International, der 7,5 Mrd. USD einbrachte.

Tobias Meyer, Leiter Transaction Accounting und IPO Services bei EY Schweiz, kommentiert: "Auf den ersten Blick erscheint es widersinnig, dass in einem so schwierigen Jahr wie 2020 Börsengänge derartig boomen. Allerdings werden viele IPO weiterhin durch die hohe Liquidität getrieben, die im Markt vorhanden ist und die angelegt werden muss. Zudem zeigt sich derzeit einmal mehr, dass der Markt für Börsengänge relativ wenig über die Gegenwart, aber viel über die Zukunft sagt." Im Zuge der Covid-19-Pandemie habe sich auch die Herangehensweise der Unternehmen an einen Börsengang geändert. So sei beispielsweise der Prozess der Platzierung der Aktien während des IPO-Prozesses dank virtueller Roadshows digitaler und schlanker geworden. Gleichzeitig seien diese Roadshows auch kürzer ausgefallen, was das Volatilitäts- und Preisrisiko reduziert habe.

Ihren Durchbruch feierten letztes Jahr die sogenannten SPAC ("Special Purpose Acquisition Companies", d.h. börsenkotierte Mantelgesellschaften). Nachdem 2019 weltweit erst 60 solche SPAC kotiert wurden und dabei insgesamt 13,7 Mrd. USD eingesammelt hatten, stieg die Zahl der neuen SPAC-Listings 2020 deutlich auf 230, und das Emissionsvolumen lag dabei bei insgesamt 75,8 Mrd. USD. Bisher gab es solche Transaktionen vor allem in den USA, seit 2020 kommen sie vermehrt auch in Europa vor.

2020: Fünf Börsengänge von Schweizer Unternehmen

Auch das Schweizer Textiltechnologie-Unternehmen HeiQ wählte Ende 2020 für seinen Gang an die Börse in London (LSE) diesen Weg über den Zusammenschluss mit einer eigens für diesen Zweck geschaffenen und kotierten Mantelgesellschaft. Zwei weitere Schweizer Unternehmen entschlossen sich letztes Jahr ebenfalls für eine Kotierung im Ausland: Die Biotechnologie-Gesellschaft ADC Therapeutics wählte für ihr IPO die US-Technologiebörse Nasdaq, die Medizinaltechnologie-Firma Implantica den schwedischen Nasdaq-Ableger in Stockholm.

An der Schweizer Börse (SIX) kam es 2020 zu insgesamt zwei IPO-Transaktionen (2019: sieben), beides waren Separierungen von Geschäftsbereichen als eigenständige, börsenkotierte Unternehmen ("Spin-offs"). Einerseits ging die Immobilien-Entwicklungsfirma Ina Invest als Abspaltung aus dem Bauunternehmen Implenia hervor. Andererseits wurde V-Zug, die Herstellerin von Haushaltgeräten, aus der Industrie-Gruppe Metall Zug herausgelöst.

2021: Mehr IPO-Aktivitäten erwartet

In diesem Jahr sind gemäss Meyer aufgrund der Covid-19-Pandemie weitere Börsengänge von Technologie- und Gesundheitsfirmen zu erwarten. Investoren könnten aber auch verstärkt den Fokus auf den Sektor der Erneuerbaren Energien (Elektrofahrzeuge, Energie, Cleantech) und Technologien im Bildungsbereich legen. Insgesamt dürften die globalen IPO-Aktivitäten ihren Schwung bis zum Sommer 2021 beibehalten, meint er, da Unternehmen von der anhaltend hohen Liquidität und den Nachrichten rund um die Corona-Impfstoffe profitieren werden. Zudem seien einige Firmen grundsätzlich bereit für das Börsenparkett, hätten diesen Schritt 2020 wegen der Pandemie aber temporär zurückgestellt.

IPO-Kandidaten sollten sich jedoch einer möglichen Marktkorrektur bewusst sein. Auf dem globalen IPO-Markt habe es insbesondere im dritten und vierten Quartal 2020 eine Reihe von "IPO-Marktlieblingen" gegeben, deren Aktien am oberen Ende der Bewertung an die Börse gebracht wurden; und diese Aktien seien nun anfälliger für eine potenzielle Korrektur aufgrund von Marktturbulenzen. Zudem bestehe weiterhin noch eine Ungewissheit über die Wirksamkeit der Impfstoffe bei der Eindämmung der weiteren Ausbreitung der Pandemie, was für die Erholung der gesamten Weltwirtschaft entscheidend sei. Auch geopolitische Entwicklungen könnten 2021 wieder für Unsicherheiten und Volatilitäten an dem Märkten sorgen, so Meyer.

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