Im Wartezimmer

Bild: Unsplash
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Die Weltwirtschaft befindet sich gemäss Greg Meier von Allianz GI momentan in einem Wartezimmer. Gewartet wird auf den Ausgang der bestehenden Probleme wie der Brexit und der Handelsstreit zwischen den USA und China.

15.02.2019, 15:16 Uhr

Redaktion: ase

"In den vergangenen Wochen hat eine geradezu atemberaubende Kehrtwende stattgefunden. Ende 2018 hatten die Anleger ganz klar mit einer Baisse zu kämpfen, die durch eine Reihe von Befürchtungen mögliche Rezession, Handelskonflikt, Brexit und Zinserhöhungen der Federal Reserve ausgelöst wurde. Inzwischen sind diese Sorgen abgeklungen, und die Kurse an den globalen Aktienmärkten sind seit dem 1. Januar um rund 8% angestiegen", freut sich Greg Meier, US Investment Strategist, Direktor bei Allianz GI. Dennoch seien die Unsicherheiten hoch. Bezüglich der weiteren Entwicklungen befinden wir uns gemäss Meier im Wartezimmer.

Auswirkungen auf die Weltwirtschaft
Für einige Faktoren wie kapitalintensive Investitionen, die für die Weltwirtschaft entscheidend sind, sei ein gewisser Optimismus eine Grundvoraussetzung. Im heutigen Umfeld falle es den Unternehmen angesichts der Unsicherheiten insbesondere in Bezug auf den Welthandel und den Brexit schwer, Entscheidungen mit längerfristiger Wirkung zu treffen und umzusetzen. Wenn die derzeitigen Zölle weiterhin erhoben würden, könne es sich für manche Unternehmen lohnen, ihre Anlagen in China zu schliessen und in andere Länder zu verlagern. "Je länger die Unklarheit anhält, desto grösser wird das Risiko, dass die Nachfrage z.B. nach Baumaschinen, Industrieanlagen oder Baumaterialien abklingt", sagt Meier. Insofern sei der Brexit zwar vor allem ein Thema für Grossbritannien und die EU und der Handelskonflikt vor allem eine Angelegenheit zwischen den USA und China, aber die entstandenen Unsicherheiten würden sich indirekt auch auf andere Länder auswirken. Dies ist für den Strategen auch ein Grund dafür, dass sich das weltweite Wachstum abschwächt.

Brexit und konjunkturelle Stabilisierung
"Zahlreiche Ereignisse stehen bevor, die sich auf die Märkte auswirken könnten", so Meier. In Grossbritannien werde das Augenmerk vor allem der Politik gelten. Selbst wenn Premierministerin Theresa May ihren Brexit-Plan noch durchsetze, könnten die Unsicherheiten rund um den Austritt anhalten. Der Stichtag rücke zwar rasch näher, aber die Übergangsfrist ende möglicherweise erst im Dezember 2020. Negative Auswirkungen der Brexit-bedingten Unsicherheit seien aber bereits zu erkennen. Auf der anderen Seite des Ärmelkanals würden Anleger im Euroraum auf Anzeichen für eine konjunkturelle Stabilisierung hoffen. Am Mittwoch und Donnerstag würden die Daten zum Verbrauchervertrauen sowie zur Stimmung im verarbeitenden Gewerbe im Februar veröffentlicht. Beide Indizes notierten im Vormonat nahe ihrer Zwei-Jahres-Tiefständen. In Deutschland veröffentlicht das ZEW-Institut seine aktuellen Stimmungsindizes. Die Einschätzung der aktuellen Lage liege nahe den Tiefständen aus dem Jahr 2015, die Erwartungen hätten sich jedoch zuletzt verbessert.

Geduldige Zinspolitik der Fed
Das Protokoll der Federal Reserve-Sitzung im vergangenen Monat wird gemäss Meier nicht nur für die USA von Bedeutung sein. Die Geldpolitiker äusserten, sie würden in Bezug auf künftige Zinsanhebungen "geduldig" vorgehen, und tatsächlich seien am Fed Funds Futures-Markt auch derzeit keine weiteren Zinsschritte eingepreist. Dies hänge jedoch nicht zuletzt mit den handels- und fiskalpolitischen Unsicherheiten zusammen. Das Protokoll könne genauer auf die bestehenden Herausforderungen eingehen und Aufschluss darüber geben, welche Faktoren Zinsanhebungen auslösen könnten, wenn die Unsicherheiten abklingen.

Darüber hinaus würden zahlreiche Konjunkturdaten veröffentlicht, u.a. das Vertrauen im Wohnungsbau, die Auftragseingänge für dauerhafte Gebrauchsgüter, die Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung, die Stimmung im verarbeitenden Gewerbe, die Frühindikatoren und die Zahl der Ölplattformen. "Die Kursänderung der Federal Reserve hin zu einer geduldigen Zinspolitik könnte es den Zentralbanken in den Schwellenländern ermöglichen, vorerst eine abwartende Haltung einzunehmen", denkt Meier.

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