Fed treibt Volatilität bei EM-Anleihen

Urban Larson, Senior Product Specialist, Emerging Markets Debt bei Standish (BNY Mellon)
Urban Larson, Senior Product Specialist, Emerging Markets Debt bei Standish (BNY Mellon)

Angesichts der historischen Korrelation zwischen der Wertentwicklung von US-Staatsanleihen und Schwellenländeranleihen sind die Massnahmen der US-Notenbank ein wichtiger Aspekt, den es bei der Analyse der Anlageklasse zu berücksichtigen gilt. Ein Übergang zu einer weniger unterstützenden Geldpolitik in den USA könnte bei Schwellenländeranleihen für einige Volatilität sorgen.

02.02.2015, 09:10 Uhr

Von Urban Larson*

Die Korrelation zwischen USD-Schwellenländeranleihen und US-Staatsanleihen ist nur logisch, da letztere als Bezugsgrösse für die Bepreisung ersterer dienen. In der Regel lässt sich sagen, dass je geringer der Abstand (Spread) zwischen den jeweiligen Renditen ist, umso stärker ist die Korrelation. Hinzu kommt, dass auf Dollar lautende Schuldtitel mehrheitlich von internationalen Anlegern gehalten werden, die auf das geldpolitische Umfeld in den Industrieländern besonders sensibel reagieren.

Zwar ist die Korrelation zwischen US-Staatsanleihen und Lokalwährungsanleihen aus Schwellenländern weniger direkt. Dennoch haben auch diese Titel in der Vergangenheit sehr sensibel auf Bewegungen der US-Staatsanleiherenditen reagiert. Schwellenländerwährungen haben dies aufgrund ihrer hohen Liquidität besonders zu spüren bekommen. So sind verstärkte Währungsschwankungen zu beobachten, da Anleger sich neu positioniert haben und der US-Dollar an Wert gewonnen hat. Die lokalen Zinskurven haben sich stabiler gezeigt, da sie weiterhin vornehmlich von den geldpolitischen Bedingungen am heimischen Markt beeinflusst werden und sich lokale Anleihen weiterhin mehrheitlich in der Hand heimischer Anleger befinden, die sich ihrem Heimatland natürlich stärker verbunden fühlen.

Alle Augen sind auf die USA gerichtet
Der Markt hat die erste Zinserhöhung in den USA bereits für die zweite Hälfte 2015 bzw. Anfang 2016 eingepreist, was auch unserer Erwartung entspricht. Wenn die US-Notenbank schliesslich allmählich an der Zinsschraube zu drehen beginnen wird, dürfte dies in gemässigten Schritten erfolgen, da auch die Erholung in den USA langsam und flach verläuft. Es gibt keinen wirklichen Inflationsdruck und beim durchschnittlichen US-Bürger kommt die Erholung nur langsam an.

Auch dürften die am Markt wirkenden Kräfte einen zu schnellen Anstieg der US-Staatsanleiherenditen verhindern. So werden angesichts des schwachen Wachstums in Europa und Japan die Zinsen in den übrigen Industrieländern auf ihrem niedrigen Stand verharren. Im Vergleich zu den nahe ihrer Rekordtiefs liegenden Renditen einiger europäischer Anleihen machen sich sogar die ultraniedrigen Renditen von US-Staatsanleihen attraktiv aus.

Fokus auf Qualität
Im Segment der Schwellenländeranleihen sollten sich Anleger – egal ob die Titel auf USD oder Lokalwährung lauten – auf solche Emittenten aus dem Staats- und Unternehmenssektor konzentrieren, die weniger auf günstige internationale Finanzierung angewiesen sind. Es empfiehlt sich daher die Positionierung in Anleihen der Länder mit dem grössten finanz- und geldpolitischen Spielraum, in Währungen von Ländern mit solider Aussenbilanz und in Anleihen von Unternehmen mit überzeugendem Kreditprofil.

Im Segment der USD-Anleihen bieten sich – neben Unternehmensanleihen – auch Quasi-Staatsanleihen als Alternative zu Staatsanleihen an, insbesondere in den grösseren Ländern wie Mexiko, Indonesien und der Türkei. Die Anleihen quasi-staatlicher Emittenten – die sich zu 100% in staatlicher Hand befinden – profitieren von einer impliziten (und manchmal auch expliziten) Staatsgarantie und weisen daher die gleiche Kreditqualität auf wie die entsprechenden Staatsanleihen.

Bei der Anlage in Lokalwährungsanleihen aus Schwellenländern ist es entscheidend, Währungen und lokale Zinskurven getrennt voneinander zu betrachten. Zwar wird sich die fundamentale Lage des Landes letztendlich in den Bewertungen der beiden Komponenten widerspiegeln. Währungen sind jedoch in kurzfristiger Sicht schwankungsanfälliger, da sie auch von externen Faktoren, wie der weltweiten Risikoneigung oder dem Ausblick für den US-Dollar, beeinflusst werden.


*Der Autor ist Senior Product Specialist, Emerging Markets Debt bei Standish (BNY Mellon).

Alle Artikel anzeigen