Das Jahr des Schweins bringt China Glück

Bild: Unsplash
Bild: Unsplash

Mit dem chinesischen Neujahrsfest wird das Jahr des Hundes abgeschlossen und das Jahr des Schweins eingeleitet. Die Portfoliomanager Greg Kuhnert und Wilfred Wee von Investec machen für 2019 fünf Aspekte aus, die China in ein positives Licht rücken.

04.02.2019, 14:40 Uhr

Redaktion: ase

Obschon der Gegenwind in Form von Handelskriegsangelegenheiten weiterbläst, sehen die Portfoliomanager Greg Kuhnert, Investec All China Equity Fund, und Wilfred Wee, Investec All China Bond Fund, Chancen in China. Dazu würden die Lockerung der politischen Rahmenbedingungen, die das Wachstum fördern könnten, das "Mainstreaming" der chinesischen Aktien- und Anleihenallokation durch Indizes und Benchmarks sowie Aktienbewertungen, die bei sorgfältiger Auswahl nun einen guten Wert bieten können, gehören. "Darüber hinaus könnten die Massnahmen von Präsident Trump ironischerweise sogar Reformen in global relevanten chinesischen Unternehmen beschleunigen und China dadurch wettbewerbsfähiger machen", erklären die Experten.

Vorsicht vor Bewertungsfallen
Nach einem deutlichen Rückschlag im Jahr 2018 notiert der chinesische Aktienmarkt derzeit sowohl aus Sicht des Forward-Price-Earnings als auch aus Sicht des Price-to-Book unter seinem zehnjährigen historischen Durchschnittswert. So hat sich der Bewertungsabschlag gegenüber den entwickelten Märkten trotz des langfristigen Potenzials Chinas ausgeweitet. Das zukünftige Wachstum wird nach Erwartung der beiden Experten von Investec zunehmend von der Konsumnachfrage und den Dienstleistungen im Privatsektor getrieben.

Der Marktkonsens über die Gewinnerwartungen zeige nur vage den Gegenwind, dem China ausgesetzt sei. Obwohl die Konsumentenstimmung nach wie vor schwach sei und die Unsicherheiten über die Handelsspannungen mit den USA bestünden, habe sich auf dem chinesischen Markt ein Wertzuwachs entwickelt. "Dieser bereitet den Boden für eine Rally, sobald sich die Gewinnkorrekturen zu stabilisieren beginnen", sagen die Experten. Die Bewertungen an den chinesischen On- und Offshore-Märkten für festverzinsliche Wertpapiere seien im Vergleich zur Geschichte und zu globalen Wettbewerbern gleichermassen attraktiv.

Jede Deeskalation wäre ein Aufwärtskatalysator
"Die Politik der USA gegenüber China hat sich unwiderruflich verändert, wodurch sich die beiden grössten Volkswirtschaften der Welt von Partnern zu Konkurrenten entwickeln", urteilen die Experten. Dies führe zu einem erheblichen geopolitischen Risiko. Im Laufe des Jahres 2019 dürften die Spannungen folglich anhalten. Jede kurzfristige Deeskalation habe jedoch das Potenzial, einen Katalysator für eine Erholungsrallye zu sein. "Die lokalen Unternehmen in China sind heute stark genug, um einer grösseren Öffnung gegenüber dem internationalen Wettbewerb standzuhalten", denken Kuhnert und Wee.

Chinas politische Entscheidungsträger befinden sich an einem wichtigen Punkt für die Zukunft des Landes und seines Wirtschaftswachstumsmodells. Der Handelsstreit, neben dem Druck der hohen Verschuldung und der demographischen Probleme, erhöhe den Druck für die nächste Reformphase. Paradoxerweise könne ein solcher Wettbewerb dazu dienen, die chinesischen Unternehmen zu stärken. Sollte es zu einer Erhöhung der Standards und der Wettbewerbsfähigkeit kommen, könnte dies vom Markt sehr positiv aufgenommen werden.

Potenzial zur Förderung des Wachstums
"Die chinesischen Behörden haben Mitte 2018 eine Reihe von monetären und fiskalischen Konjunkturprogrammen gestartet, die bis weit in das Jahr 2019 hineinreichen dürften", so die Experten. Sie erwarten, dass die Impulse eine weitreichende wirtschaftliche Wirkung haben und dazu beitragen, die Auswirkungen der Handelszölle abzumildern und das Wachstum zu stabilisieren. Vorläufige Anzeichen einer Immobilienpreiskorrektur deuteten jedoch auf das Risiko einer breiteren Verlangsamung hin, dies angesichts des Fokus der Regierung auf die Wiederherstellung des Gleichgewichts der Wirtschaft weg von Wohnbauinvestitionen.

Chinas "new normal" bietet Chancen
Für 2018, das Jahr des Hundes, heben Kuhnert und Wee die Entwicklung Chinas als technologische Supermacht und seine wachsende Führungsrolle im Umweltbereich hervor. Diese beiden Themen zusammen mit dem Fokus auf Reformen und die Qualität des Wachstums sowie dessen sozialen und wirtschaftlichen Nutzen würden zu Chinas neuer Identität gehören, dem "new normal" des Landes. "Investoren sollten die Entwicklungen im Bereich der sauberen Energien und des Umweltschutzes genau beobachten, da sie voraussichtlich Investitionsmöglichkeiten schaffen werden", denken die Experten. Chancen ergeben sich demnach nicht nur bei der Umstrukturierung und der Reform in den Sektoren der "alten" Wirtschaft, sondern auch in den laufenden aufstrebenden Sektoren der "neuen" Wirtschaft.

"Mainstreaming" von chinesischen Wertpapieren
Das Jahr des Schweins dürfte ein entscheidendes Jahr für die Öffnung der chinesischen Kapitalmärkte gegenüber ausländischen Investoren sein, sowohl in Aktien als auch in festverzinslichen Wertpapieren, denken die Experten. "MSCI berät derzeit darüber, ob die Gewichtung der chinesischen A-Aktien in ihren wichtigsten Benchmark-Indizes von 5% auf 20% im Jahr 2019 erhöht werden soll", sagen sie. Auch auf der Anleihenseite würden operative Verbesserungen zur Erleichterung des Zugangs für ausländische Investoren bedeuten, dass Bloomberg Barclays ab April 2019 China in den weit verbreiteten Global Aggregate Index aufnimmt. Kuhnert und Wee denken, dass JP Morgan in der zweiten Jahreshälfte 2019 China in den GBI EM Global Diversified Index aufnimmt, während FTSE Russell mit dem World Government Bond Index folgen wird. "Das Wachstum des chinesischen Anleihenmarktes war beeindruckend; es dürfte in diesem Jahr sogar dasjenige Japans übertreffen", prognostizieren die beiden Experten.

Alle Artikel anzeigen