Attraktive Unternehmensanleihen aus Schwellenländern

Alfonso Papa, CEO bei ING Investment Management Schweiz AG
Alfonso Papa, CEO bei ING Investment Management Schweiz AG

Die Transformation vieler Schwellenländer in finanziell gesunde, stabile Volkswirtschaften hat auch jenseits von Staatsanleihen hervorragende Anlagemöglichkeiten geschaffen. Vor allem Unternehmensanleihen aus aufstrebenden Regionen sind eine schnell wachsende, relativ unentdeckte Anlagealternative, die mit attraktiven Renditen, Diversifikationsvorteilen und besten Alphachancen überzeugt.

07.05.2013, 15:49 Uhr

Redaktion: dab

Die Anlageklasse Schwellenländeranleihen ist in den letzten Jahren rasant gewachsen. Das Volumen der „Emerging Markets Debt“ (EMD) umfasst mittlerweile über elf Billionen US-Dollar, 85 Prozent davon sind in Lokalwährungen denominiert, der Rest in Hartwährungen. Die Entwicklung ist dynamisch, und die Emissionstätigkeit verlagert sich von Hartwährungen wie dem US-Dollar zunehmend auf Lokalwährungen sowie von Staatsanleihen auf Unternehmenspapiere.

Corporate Bonds in Lokalwährungen haben am gesamten EMD-Universum bereits einen Anteil von 35 Prozent. Sie bieten auch auf der Währungsseite attraktive Ertragschancen, sind aber für internationale Investoren noch relativ schwer zugänglich. In zehn Jahren sollte sich dies dank der wachsenden Marktreife geändert haben, bis dahin sind Hartwährungs-Unternehmensanleihen eine gut investierbare Alternative. Ihr Anteil am EMD-Universum beträgt derzeit nur rund zehn Prozent, sie sind aber das mit Abstand am schnellsten wachsende Subsegment der Anlageklasse.

Ein Grund für das rasante Wachstum der EMD Corporate Bonds ist, dass in Schwellenländern ansässige Unternehmen mittlerweile Zugang zu den internationalen Kapitalmärkten haben, indem sie die Staatsanleihen ihrer Herkunftsländer als Orientierungswert zur Bepreisung eigener Titel nutzen. Dabei müssen sie Anlegern immer geringere Risikoaufschläge zahlen, weil die Bonität der Schwellenländer wächst. 1994 wiesen noch weniger als zwei Prozent der Länder im J.P. Morgan EMBI Global Diversified Index den Investment-Grade-Status auf, heute sind es bereits 57 Prozent. Der Anteil der Investment-Grade-Papiere im Leitindex für EMD Corporate Bonds, dem J.P. Morgan CEMBI, liegt mit rund 74 Prozent sogar noch deutlich höher als im EMD-Staatsanleihenindex. Und innerhalb des Investment-Grade-Bereiches weist die Unternehmensanleihe-Benchmark Emittenten bis zu einem „AA“-Rating auf, die Emittentenqualität ist damit besser als beim Staatsanleihenindex.

Gefördert wurde die Emissionstätigkeit von Schwellenländerunternehmen auch dadurch, dass viele Länder in Asien, Lateinamerika, Osteuropa und anderen aufstrebenden Weltregionen ihre Rechnungslegungsstandards, den aufsichtsrechtlichen Rahmen und die Transparenz verbessert haben. Ausserdem erlangen Unternehmen aus diesen Länder immer häufiger globale Bedeutung, und durch den Ausbau ihres Geschäfts sind sie in der Lage, Emissionsvolumen anzubieten, die ihre Anleihen auch für internationale Investoren interessant machen.

Der EMD-Aufschwung wird sich fortsetzen, denn in der entwickelten Welt dominieren Rezessions-sorgen, während Schwellenländer eine dynamische Wirtschaftsentwicklung und günstige demographische Profile aufweisen. Auch ihre Staatsfinanzen sind dank disziplinierter Geld- und Fiskalpolitik oft gesund, und starke Exporte verhelfen zu guten Leistungsbilanzdaten und hohen Fremdwährungsreserven. Die acht grossen Schwellenländer China, Indien, Brasilien, Russland, Mexiko, Südkorea, Indonesien und Taiwan stehen schon heute für mehr als die Hälfte des globalen Wachstums. Der EMD-Anteil am Weltrentenmarkt, der laut Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) zuletzt etwa zwölf Prozent betrug, dürfte sich ihrem Beitrag zum globalen Bruttoinlandsprodukt (BIP) langfristig angleichen. Dieser lag zuletzt bei rund 36 Prozent, es bleibt also noch viel Luft nach oben.

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