Aktienmarktturbulenz signalisiert Wachstumsängste

Ariel Bezalel, Fondsmanager bei Jupiter
Ariel Bezalel, Fondsmanager bei Jupiter

Ariel Bezalel, Fondsmanager bei Jupiter hält eine nachhaltige Erholung des Ölpreises auf kurze Sicht für unwahrscheinlich.

27.08.2015, 15:37 Uhr

Redaktion: jog

Wir waren bereits seit einiger Zeit pessimistisch gegenüber den globalen Wachstumsaussichten gewesen, bevor es am Montag zu einem starken Ausverkauf an den globalen Aktienmärkten kam. Der plötzliche Einbruch bei einer Reihe von Frühindikatoren in der vergangenen Woche, gepaart mit einem weiteren globalen Rückgang der Rohstoffpreise, scheint von den Märkten als Indiz für eine Abschwächung der globalen Wirtschaftsaktivität – angeführt von China – betrachtet worden zu sein. Die im Vorfeld einer möglichen Zinserhöhung durch die US-Federal Reserve im September bereits von Nervosität geprägte Marktstimmung verschlechterte sich angesichts der Yuan-Abwertung durch China vor zwei Wochen zusätzlich. Dies führte zu einem weiteren erheblichen Wertverlust bei Währungen und Anlagen aus Schwellenländern, von denen sich viele bereits auf Rekordtiefwerten gegenüber dem Dollar befanden. Seit dem scharfen Abschwung der chinesischen Aktienmärkte am Montag ist die Volatilität sprunghaft gestiegen. Renditen „sicherer“ Anlagen wie langfristiger US-Treasuries und deutscher Bundesanleihen gaben nach, da Anleger riskanteren Vermögenswerten scharenweise den Rücken kehrten.

Investorenflucht in sicheren Anlagen
Über einige Monate hinweg haben wir eine über dem Konsens-Durchschnitt liegende Duration von 5 Jahren im Portfolio beibehalten. Denn wir sind der Auffassung, dass hohe Verschuldung, schwache Rohstoffpreise und andere deflationäre Kräfte in der Weltwirtschaft für eine Deckelung von Wirtschaftswachstum und Inflation sorgen werden. Infolgedessen hat der Fonds bislang von der Investorenflucht in sicheren Anlagen in dieser Woche profitiert. Zudem ist die Barbell-Strategie – die wir Ende 2014 übernommen haben und die unsere Position in längerfristigen australischen Staatsanleihen durch eine selektive Allokation in hochverzinsliche Anlagen ausgleicht – darauf ausgelegt, dass der Fonds der Volatilität auf den globalen Märkten standhalten kann. In jüngerer Zeit haben wir langfristige US-Treasuries sowie einige 2-jährige US-Treasuries gekauft, da wir eine Zinserhöhung durch die Federal Reserve derzeit für unwahrscheinlich halten. Diese ausgewogene Position hat sich in diesem Jahr bislang als natürliche Absicherung erwiesen, wodurch wir in Zeiten einer von Risikobereitschaft geprägten Stimmung profitieren, während in Zeiten angespannter Märkte das Risiko von Kapitalverlusten gemindert wird. Bei Unternehmensanleihen sorgt unsere pessimistische Haltung in Bezug auf Rohstoffe dafür, dass wir derzeit europäische High-Yield-Anleihen gegenüber US-amerikanischen bevorzugen, da diese ein starkes Energie-Exposure aufweisen. Diese Position hat sich in den letzten Monaten ausgezahlt, da die Schieferölproduzenten durch den globalen Ölpreiseinbruch zunehmend unter Druck gerieten.

Fragezeichen bezüglich globaler Nachfragestärke
Wir halten eine nachhaltige Erholung des Ölpreises auf kurze Sicht für unwahrscheinlich. Angesichts des bestehenden Angebotsüberschusses und der weiterhin großen Fragezeichen bezüglich der globalen Nachfragestärke könnte der Ölpreis künftig noch deutlicher sinken. In dem Bemühen, die Kontrolle über den Markt zu behalten, weigert sich die OPEC, die Produktion zu senken. Zudem werden die US-Schieferölproduzenten unseres Erachtens die Produktion vermutlich wieder hochfahren, sobald der Ölpreis ansteigt. Dies beschränkt das Potenzial deutlicher Preissteigerungen auf kurze Sicht. Unseres Erachtens sorgen Geschwindigkeit und Innovationsumfang bei Fracking-Technologien weiterhin für positive Überraschung. Und die Kosten für Schieferöl-Projekte in den USA sinken rasch, während die Produzenten versuchen, die korrekten Kalkulationen für niedrigere Ölpreise durchzuführen. Zwar könnte ein politischer Schock im Nahen Osten zu einem Anstieg der Ölpreise führen, jedoch ist auch noch mit zusätzlichem Angebot durch den Iran zu rechnen. Somit können mittel- bis langfristig die Ölpreise und daher auch die globalen Inflationsindikatoren noch stärker unter Druck geraten.


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