Zentralbanken-Woche: Die Welt hält den Atem an

Inflation, geopolitische Spannungen, getrübte Ausblicke: Zentralbanken vor entscheidenden Weichenstellungen (Bild: Adobe Stock)
Inflation, geopolitische Spannungen, getrübte Ausblicke: Zentralbanken vor entscheidenden Weichenstellungen (Bild: Adobe Stock)

Es ist eine dieser Wochen, in denen die Finanzmärkte kollektiv die Luft anhalten. Einundzwanzig Institutionen, die zwei Drittel der Weltwirtschaft abdecken, legen die Zinssätze fest und die Frage ist überall dieselbe: Wann, bitte, wird das endlich wieder normal?

16.03.2026, 06:53 Uhr

Redaktion: asc

Die kurze Antwort: noch nicht. Der Grund: Die Inflation geht zurück. Aber nicht weit genug. Gewiss, die Zahlen sehen besser aus als noch vor zwei Jahren. Die OECD meldet für Januar 2026 eine Jahresinflation von 3,3 Prozent, nach 3,6 Prozent im Dezember 2025. Das klingt nach Entspannung. Und irgendwie ist es das auch. Nur eben nicht wirklich.

Denn wer genauer hinschaut, dem wird unwohl: Das allgemeine Preisniveau in den OECD-Ländern liegt heute 35,6 Prozent höher als vor der Pandemie, also verglichen mit Dezember 2019. Diese kumulierte Verteuerung ist für Haushalte und Unternehmen keine Statistik, sondern harter Alltag. Der Warenkorb ist schlicht teurer geworden, dauerhaft, und das vergisst sich nicht so schnell.

Was treibt die Preise noch immer an? Vor allem drei Dinge: die US-Zollpolitik, die Energiepreise infolge des anhaltenden Nahost-Konflikts und strukturell erhöhte Lebensmittelpreise. Ein Mix, der ungemütlich bleibt, egal wie sehr die Notenbanker beschwichtigen.

Tiefere Inflation, getrübte Ausblicke

Schauen wir uns die aus unserer Sicht wichtigsten Entscheidungen an: Die Fed, die US-Amerikanische Zentralbank, hat es im Januar noch einmal klar formuliert: Die wirtschaftliche Aktivität wachse in solidem Tempo, aber «die Inflation bleibt weiterhin etwas erhöht». Der Spielraum für Zinssenkungen sei «nur bedingt und nicht automatisch offen». Das ist Notenbank-Sprache für: Wir warten ab. Und das Investmenthaus Carmignac warnt zusätzlich, die Kernrate beim privaten Konsum dürfte 2026 über dem Fed-Ziel bleiben. Erfreulich ist das nicht.

Die EZB klingt ähnlich. Im Februar-Statement hiess es, die Inflation sollte sich mittelfristig bei 2 Prozent stabilisieren, «der bisherige Fortschritt ist jedoch nicht so solide, dass er eine entspannte Politik erlauben würde». Handelsunsicherheit und Geopolitik trüben den Ausblick.

Hier ein Überblick über die Situation, zusammengetragen von der AKB in ihrem Marktbericht:

BIP
2025*
BIP
2026*
BIP
2027*
Inflation
2025**
Inflation
2026**
Inflation
2027**
Schweiz 1,2 1,1 1,4 0,2 0,1 0,5
USA 1,7 1,9 2,0 2,9 3,1 2,5
Eurozone 1,2 1,0 1,1 2,1 2,0 1,9
Grossbritannien 1,3 1,2 1,3 3,4 2,6 2,1
Japan 1,2 0,7 0,6 3,0 1,8 1,3
China 4,9 4.2 4,0 0,1 0,5 0,7
Welt 3,1 2,9 3,0

Aktueller Stand: März 2026
* Veränderung reales Bruttoinlandprodukt gegenüber Vorjahr (in %)
** Veränderung Konsumentenpreisindex gegenüber Vorjahr (in %)

So reagiert die SNB

In Bern ist die Lage eine andere, fast schon surreal ruhige. Die Schweizer Inflation bewegt sich, wie die SNB selbst beschreibt, «entlang der Nullgrenze». Für 2026 prognostiziert die SNB eine Teuerung von 0,3 Prozent, das ist tief im Bereich dessen, was als Preisstabilität gilt.

Nach sechs Zinssenkungen in Folge zwischen 2024 und 2025 steht der Leitzins nun bei 0,00 Prozent. Null. Die SNB ist damit längst in einem Wartemodus, der an frühere Zeiten mit Negativzinsen erinnert, auch wenn die Schwelle dazu heute laut SNB hoch liegt. Eine Erhöhung? Frühestens in der zweiten Hälfte 2027, heisst es. Man sitzt also quasi im Warteraum und blättert Zeitschriften durch.

Am 19. März wird die SNB ihren Leitzins erwartungsgemäss bei 0,00 Prozent belassen. Der aufgewertete Franken und die Mini-Inflation lassen schlicht keinen Handlungsbedarf erkennen.

So reagieren die anderen Zentralbanken

Bei der Fed am 18. März rechnet niemand ernsthaft mit einer Überraschung. Jerome Powell wird Ruhe ausstrahlen, die Märkte werden nicken, und die erste mögliche Senkung liegt frühestens im September 2026 drin. Bis dahin: Hold.

Die EZB tagt ebenfalls am 18. und 19. März und lässt den Leitzins bei 2,00 Prozent. Das ist eine Art Balanceakt zwischen Inflationsrisiken, hauptsächlich durch Energie, und einer spürbaren Wachstumsschwäche im Euroraum. Nicht einfach.

Die Bank of England hält am 19. März ebenfalls still, Leitzins 3,75 Prozent. Die britische Inflation harrt hartnäckig bei rund 3,4 Prozent aus, was den Spielraum für Senkungen eben begrenzt. Auch da kein Aufatmen.

Die Reserve Bank of Australia ist diese Woche das eigentliche Gesprächsthema. Die Sitzung vom 16. und 17. März gilt als die einzige wirklich «live»-Sitzung dieser Zentralbanken-Woche. Gouverneurin Michele Bullock hat signalisiert, dass sie auch ohne den nächsten Quartalsbericht handeln könnte. Eine Erhöhung um 25 Basispunkte ist also möglich, und die Märkte beobachten das genau.

Inflationsdruck und Wachstumsrisiken

Hinter all dem steckt ein strukturelles Dilemma, das alle Notenbanken gleichermassen quält: Energiepreisschocks und geopolitische Spannungen erzeugen gleichzeitig Inflationsdruck und Wachstumsrisiken. Das ist klassisches Stagflationsumfeld. Und das erschwert klare geldpolitische Signale erheblich.

Man kann die Zinsen erhöhen und riskiert, das Wachstum abzuwürgen. Man kann sie senken und riskiert, die Inflation wieder anzufachen. Oder man wartet und hofft, dass sich die Lage von selbst klärt. Letzteres scheint gerade das beliebteste Rezept zu sein, von Bern bis Washington.

Ob das reicht? Das werden die nächsten Monate zeigen. Diese Woche jedenfalls atmen die Märkte noch nicht aus.

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