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Vom Inflationsschock zur Wachstumsangst: Die neue Realität an den Märkten

Wie stellen sich die Finanzmärkte - und die Zentralbanken - auf die neue Realität ein? (Bild: Adobe Stock)
Wie stellen sich die Finanzmärkte - und die Zentralbanken - auf die neue Realität ein? (Bild: Adobe Stock)

Fünf Wochen nach Kriegsbeginn ist der Iran-Krieg zum dominanten makroökonomischen Faktor weltweit geworden. Was heisst das für Zentralbanken und wie stellen sich die Märkte auf die neuen Realitäten ein?

31.03.2026, 11:47 Uhr

Redaktion: asc

Die jüngsten Drohungen und Eskalationen machen klar: Der Krieg dauert wohl länger als von vielen zunächst angenommen. Die Sperrung der Strasse von Hormus und der Stopp der Katar-LNG-Lieferungen haben Rohöl auf über 110 US-Sollar je Barrel geführt, was einen Anstieg von rund 50 Prozent seit Kriegsbeginn ist. Das alleine schon für sich erzeugt eine klassische Stagflationskonstellation in vielen Ländern: Gleichzeitig steigen Preise und sinkt das Wachstum. Es ist das schlimmstmögliche Umfeld für Zentralbanken.

Die Märkte haben also das Narrativ verändert: vom sogenannten First-Order-Effekt, der lediglich von Zinserhöhungen spricht, hin zum Second-Order-Effekt. Dieser berücksichtigt die schwächere Nachfrage und das Rezessionsrisiko.

Fed: Vom Zinserhöhungs- zum Zinssenkungsszenario

Jerome Powell hat mit seiner Harvard-Rede diese Woche eine entscheidende Weiche gestellt: Die Fed habe wenig Kontrolle über Angebotsschocks – Zinserhöhungen würden Öl-Inflation nicht bekämpfen, sondern nur die Nachfrage abwürgen. Dies wird schon als Zeichen für eine Zinssenkung gedeutet. Die Rede hat Anfang der Woche den US-Bondmarkt in die stärkste Rally seit 17 Monaten getrieben, schreibt deshalb Bloomberg. Eine erste Zinssenkung ist frühestens für Juni 2026 denkbar – und nur bei geopolitischer Entspannung. Goldman Sachs setzt die US-Rezessionswahrscheinlichkeit auf 30 Prozent; PIMCO und JPMorgan warnen, der Markt unterschätze das Slowdown-Risiko weiterhin.

EZB: Das gefährlichste Dilemma

Die Eurozone ist strukturell stärker von Energieimporten abhängig als die USA und hat weniger fiskalischen Spielraum. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Leitzins bei 2,0% belassen, steht aber unter doppeltem Druck:

  • Inflationsdruck: Bantleon rechnet mit einem Anstieg auf 3,0–4,0 Prozent im Sommer; Terminmärkte preisen bereits zwei Erhöhungen ein

  • Wachstumsdruck: Gleichzeitig bricht das Euroraum-Wachstum ein – bei anhaltend hohem Ölpreis droht Stagnation in Q2/Q3 2026

Die EZB sitzt damit im härtesten Dilemma der drei Zentralbanken: Erhöht sie die Zinsen, würgt sie die Konjunktur ab. Senkt sie, riskiert sie Inflationsentankerung.

SNB: Nullzins bleibt – aber Interventionen wahrscheinlich

Kommen wir zur Schweizerischen Nationalbank (SNB). Die Schweiz ist durch den starken Franken besser geschützt als die Eurozone, aber nicht immun. Das KOF-Konjunkturbarometer ist im März überraschend auf 96,1 Punkte eingebrochen – 7,7 Punkte unter dem Vormonat, erstmals wieder unter 100 seit dem Zollschock 2025 . Die Eintrübung ist breit: Verarbeitendes Gewerbe, Auslandsnachfrage, Entstehungs- und Nachfrageseite zeigen alle gleichzeitig nach unten.

Im Vergleich zu den USA und dem Euroland ist die Lage der SNB konfortabler. Doch auch hier ist ein Dilemma auszumachen: Der starke Franken sinkt zwar den Inflationsdruck, gleichzeitig bremst er das Wachstum. Laut Beobachtern ist zwar der Nullzins in der Realität schon erreicht. Doch die Einführung von Negativzinsen wären politisch heikel. Das Hauptinstrument bleibt die Devisenintervention gegen Franken-Überbewertung.

Laut einer von der AWP verbreiteten Meldung hat die SNB schon im 4. Quartal mit Devisenverkäufen begonnen. Es ist das erste Mal seit zwei Jahren, dass die Währungshüter Devisen verkauft statt gekauft haben.

Das längerfristige Ölpreis-Szenario: Die grosse Unbekannte.

Entscheidend ist, wie lange der Ölpreis bei rund 110 US-Dollar pro Barrel anhält. Iran hat signalisiert, den Krieg längerfristig durchhalten zu können; Trump drohte gleichzeitig mit Angriffen auf iranische Öl- und Strominfrastruktur. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit des mittleren bis schlechten Szenarios deutlich.

Der Markt hat die richtige Frage gestellt: nicht wie hoch wird die Inflation, sondern wie tief fällt das Wachstum. Powell hat diese Frage diese Woche Implizit beantwortet – und damit global Kapital in Bonds und sichere Häfen (Franken, Gold) getrieben. Für die Schweiz bedeutet das: Der relative Schutz durch Währung und tiefe Inflation bleibt, aber als ein exportorientiertes Industrieland, wie die Schweiz es ist, kann sich einem globalen Wachstumsschock nicht entziehen .

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