23.01.2026, 11:19 Uhr
Die Genfer Privatbank UBP hat 2025 erfolgreich geschäftet und mehr verdient. Vor allem die verwalteten Vermögen stiegen dank Übernahmen deutlich in die Höhe.
Der weltweite Mangel an Grafikprozessoren entwickelt sich 2026 zur entscheidenden Engstelle der KI-Ökonomie. Anders als der Chipmangel der frühen 2020er Jahre, der vor allem durch pandemiebedingte Lieferkettenprobleme entstand, handelt es sich diesmal um eine strukturelle Neuordnung: Was bedeutet dies für Anleger?
Auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas im Januar 2026 blieb der traditionelle Ankündigungsreigen neuer Grafikkarten aus. Nvidia, AMD und Intel präsentierten keine einzige neue dedizierte GPU für Endverbraucher. Nvidia bestätigte offiziell, dass 2026 erstmals seit Jahren keine neuen Gaming-Grafikkarten erscheinen werden. Auch der übliche «Super-Refresh», bei dem ältere Modelle mit mehr oder schnellerem Speicher aufgewertet werden, fällt aus.
Was ist passiert? Im Zentrum der Krise steht eine handfeste Materialknappheit beim Speicher. Der Boom bei High Bandwidth Memory (HBM) für KI-Rechenzentren hat die Produktionskapazitäten der drei grossen Hersteller Samsung, SK Hynix und Micron umgeleitet. «Die Knappheit, die wir erleben, ist wirklich beispiellos», sagte Micron-Vizepräsident Manish Bhatia bei einer Grundsteinlegungszeremonie für ein neues Werk. Und TrendForce-Analyst Tom Hsu bestätigt: Ein Preisanstieg von 50 bis 55 Prozent bei DRAM-Speicher innerhalb eines Quartals sei «präzedenzlos».
Die Speicherkrise hat konkrete Auswirkungen auf das Produktportfolio. Berichten zufolge plant Nvidia, die Produktion der GeForce RTX 50-Serie im ersten Halbjahr 2026 um 30 bis 40 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu reduzieren. Besonders betroffen sind Modelle mit grossem Videospeicher: Die RTX 5070 Ti und die 16-GB-Version der RTX 5060 Ti sollen auf der Streichliste sein, so Brancheninsider.
Jedoch bestätigt der Computerhersteller ASUS gegenüber Hardware Unboxed, dass die RTX 5070 Ti nicht mehr produziert werde, sobald aktuelle Lagerbestände aufgebraucht sind. Nvidia widersprach zwar und betonte,«alle GeForce-SKUs weiterhin liefern» zu wollen, räumte aber ein, dass «Speicherkapazitäten eingeschränkt» seien.
In Deutschland melden erste Distributoren bereits Lieferengpässe bei High-End-Grafikkarten. Die nächste GPU-Generation (Codename «Rubin») wurde auf frühestens Mitte 2027 verschoben. Absurd erscheint die Wiederauflage der 2020 erschienenen RTX 3060, die noch mit dem besser verfügbaren GDDR6-RAM gefertigt werden kann.
Hinter diesen sehr technisch anmutenden Schlagzeilen steckt strukturelle Neuordnung des Chip-Geschäfts, die letztlich mit dem gewaltigen Bedarf , der sich aus den Rechenzentren heraus ergibt, zusammenhängt. Einige Zahlen verdeutlichen den Prioritätenwechsel: Im dritten Quartal 2025 entfielen bei Nvidia über 80 Prozent des Umsatzes auf das Rechenzentrumsgeschäft, nur noch 10 bis 15 Prozent auf Gaming. Bloomberg Intelligence prognostiziert, dass der Markt für KI-Beschleuniger bis 2033 auf 604 Milliarden Dollar anwachsen wird, von 116 Milliarden Dollar im Jahr 2024.
Laut dem Blog «Tom's Hardware» werden Rechenzentren 2026 rund 70 Prozent aller produzierten Speicherchips verbrauchen. Von diesem Mangel sind längst nur die Computerindustrie oder die Gamer betroffen: Auch die bereits arg gebeutelte Automobilindustrie steht sich laut dem Wall Street Journal vor Produktionsverzögerungen. Eine Sitution, die der Zeit der Covid-Pandemie vergleichbar sei.
Was die einen als «RAMpocalypse» bezeichnen, sehen die anderen viel positiver: Analyst Ben Bajarin von Creative Strategies bezeichnet die aktuelle Situation als «Gigacycle» und erwartet, dass die globalen Halbleiterumsätze von 650 Milliarden Dollar im Jahr 2024 auf über eine Billion Dollar bis Ende des Jahrzehnts steigen.
Die Nachfrage nach Superchips aufgrund der Entwicklungen der Künstlichen Intelligenz ist das eine. Der Kampf um Grafikchips ist längst auch geopolitisch aufgeladen. Die Trump-Administration hat im Januar 2026 neue Exportregeln für KI-Chips nach China erlassen. Nvidia darf H200-Chips unter bestimmten Bedingungen exportieren, muss aber 25 Prozent der Erlöse als Abgabe an das US-Finanzministerium abführen. Zudem dürfen Lieferungen nach China maximal 50 Prozent der an US-Kunden gelieferten Menge betragen.
Parallel dazu hat China seinerseits Importbeschränkungen für Nvidia-Chips verhängt, um die heimische Chipproduktion zu fördern. Laut Analysten von SemiAnalysis hängen etwa 60 Prozent der führenden KI-Modelle in China von Nvidia-Hardware ab. Chinesische Unternehmen hatten für 2026 H200-Chips im Wert von über 54 Milliarden Dollar bei Nvidia bestellt, weit mehr als die verfügbaren 700'000 Chips im Lagerbestand.
Für Endkunden fühlt sich die Lage wie ein Déjà-vu an. IDC prognostiziert für 2026 einen Rückgang des PC-Marktes um mindestens 4,9 Prozent und einen Einbruch der Smartphone-Verkäufe um 5 Prozent. Die Speicherkosten machen mittlerweile bis zu 20 Prozent der Hardwarekosten eines Laptops aus, gegenüber 10 bis 18 Prozent im ersten Halbjahr 2025.
PC-Hersteller wie Lenovo, Dell, HP, Acer und ASUS haben Preiserhöhungen von 15 bis 20 Prozent angekündigt. Dell-COO Jeffrey Clarke sagte gegenüber Analysten: «Ich sehe nicht, wie sich das nicht auf die Kundenbasis auswirken wird.» Reuters berichtet, dass auch Xiaomi vor spürbaren Preiserhöhungen bei Smartphones warnt.
Für Videoprofis und Kreative wird die Lage paradox: Mehr GPU-Leistung wird für lokale generative KI-Modelle benötigt, doch die schnellsten Grafikkarten verschwinden aus den Regalen, bevor sie überhaupt breiter verfügbar waren. Das deutsche Fachmagazin slashCAM empfiehlt: Wer eine aktuelle Workstation besitzt, sollte sie hegen und pflegen; Neuanschaffungen zu Budget 2025 sind nicht mehr realisierbar.
Der Ausbau von Kapazitäten ist im vollen gang. Micron baut derzeit zwei grosse Fabriken in Boise, Idaho, die 2027 und 2028 mit der Produktion beginnen sollen, sowie ein weiteres Werk in Clay, New York, das 2030 online gehen soll. SK Hynix investiert 13 Milliarden Dollar in die weltgrösste HBM-Montagefabrik. Doch der Bau dauert Jahre.
TrendForce-Analystin Avril Wu, die den Speichersektor seit fast 20 Jahren verfolgt, resümiert: «Dieses Mal ist es wirklich anders. Es ist wirklich die verrückteste Zeit überhaupt.» Die Analysten von IDC spricht von einer «möglicherweise permanenten, strategischen Umverteilung der weltweiten Silizium-Wafer-Kapazität».
Die Kombination aus hoher KI-Nachfrage, priorisierter Speicherfertigung für Rechenzentren und begrenzten Erweiterungsmöglichkeiten bestehender Produktionsanlagen hat Auswirkungen für Anleger.
Die Speicherchip-Giganten Samsung, SK Hynix und Micron haben 2026 eine starke Halbleiterrally angeführt. Die Aktien von SK Hynix und Samsung sind seit Jahresbeginn um 11,5 Prozent und 15,9 Prozent gestiegen, diejenigen von Micron um 16,3 Prozent.
Wall-Street-Analysten erwarten im Durchschnitt einen Gewinn pro Aktie von 31,20 Dollar für Micron in 2026 – mehr als das Vierfache des Vorjahresgewinns. Bei einem Aktienkurs von rund 331 Dollar handelt die Aktie zu weniger als dem 11-fachen der erwarteten Gewinne. Micron ist nicht allein. Bernstein-Analysten schreiben etw, dass auch ASML enorm von der für 2026 und 2027 geplanten Kapazitätserweiterungswelle und von dem kommenden DRAM-Superzyklus profitieren werde.
Analysten sehen Nvidia weiterhin positiv: Die KI-Investitionen sollen 2026 um 50-60 Prozent gegenüber dem Vorjahr wachsen, wobei 39 Prozent davon auf GPUs entfallen. Kursziele liegen bei 210 Dollar bis Mitte 2026 und 340 Dollar für 2027.
Bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 46 erscheint Nvidia als gute Wette für eine weitere Outperformance in 2026. Wall-Street-Analysten erwarten einen Gewinn pro Aktie von 7,46 Dollar für das Geschäftsjahr 2027 und haben ein durchschnittliches Kursziel von 258 Dollar. Das wäre ein Plus von 41 Prozent.
Gleichwohl sind die Risiken da. Goldman-Sachs-CEO David Solomon sagte laut FORTUNE, er erwarte, dass «viel Kapital eingesetzt wurde, das keine Renditen liefern wird».
Der Grund für die Skepsis: Das KI-Ökosystem ist mit systemischem Risiko in Form von zirkulärer Finanzierung konfrontiert. Ein Wachstum auf Pump und viele Querverstrickungen: Oracle investiert 300 Milliarden in Datenzentren für OpenAI, Nvidia ist Hauptlieferant. Gleichzeitig investiert Nvidia 100 Milliarden in OpenAI. Das gesamte System ist so stark fremdfinanziert, dass es nicht allein aus organischen Cashflows finanziert werden kann.
Goldman-Sachs-Analysten rechneten vor, dass diese Hyperscaler-Unternehmen im vergangenen Jahr 121 Milliarden Dollar an Schulden aufgenommen haben. Morgan Stanley schätzt, dass Big-Tech-Unternehmen bis 2028 etwa 3 Billionen Dollar für KI-Infrastruktur ausgeben werden, wobei ihre eigenen Cashflows nur die Hälfte davon decken.
Der legendäre Investor Jeremy Grantham warnt, dass der KI-Boom eine klassische Blase ist und prognostiziert einen Marktsturz von 50 Prozent bis 2026, ähnlich wie bei der Dotcom-Krise. Andere sind vorsichtiger mit solchen Prognosen: Forrester prognostiziert eine KI-Marktkorrektur in 2026, da Unternehmen mit der wachsenden Kluft zwischen aufgeblähten Herstellerversprechen und tatsächlichem Mehrwert kämpfen. Laut einem MIT-Bericht erzielen 95 Prozent der Organisationen null Rendite bei Investitionen in generative KI.
Die Situation ist also aus Sicht der Anleger zweigeteilt: Kurzfristig profitieren Speicherhersteller (Micron, Samsung, SK Hynix) und Ausrüstungslieferanten (ASML, Lam Research) massiv von der Knappheit. Nvidia bleibt trotz Produktionskürzungen bei Consumer-GPUs stark, da das margenstärkere Datacenter-Geschäft boomt. Längerfristig warnen Analysten vor Klumpenrisiken durch zirkuläre Finanzierungsstrukturen und die Möglichkeit, dass die aktuelle Unterversorgung in ein Überangebot kippen könnte, wenn alle geplanten Datenzentren gleichzeitig ans Netz gehen.