investrends.ch-Umfrage: Mehrheit erwartet Euro/Franken-Parität

Eine Mehrheit der Umfrageteilnehmerinnen und -teilnehmer erwarten, dass der CHF/EUR-Kurs Parität erreichen wird. (Bild: Shutterstock.com/Wolfilser)
Eine Mehrheit der Umfrageteilnehmerinnen und -teilnehmer erwarten, dass der CHF/EUR-Kurs Parität erreichen wird. (Bild: Shutterstock.com/Wolfilser)

Im Jahr 2021 hat der Euro gegenüber dem Franken um rund 4,5% abgewertet, wobei ein Grossteil der Abwertung in den letzten 12 Wochen stattfand. Grund genug für knapp 56% der Umfrageteilnehmerinnen und -teilnehmer anzunehmen, dass der Euro zum Franken auf Parität fallen wird.

31.12.2021, 13:59 Uhr

Redaktion: rem

Im Jahr 2021 hat sich der CHF/EUR-Kurs immer mehr der Parität angenähert. Ob es soweit kommen wird, fragte investrends.ch in der letzten Umfrage. Erstaunliche 39,4% der Teilnehmerinnen und Teilnehmer sagen ja, dies werde wahrscheinlich schon in der ersten Hälfte 2022 der Fall sein und 17% finden, dies trete in ein bis zwei Jahren ein.

Demgegenüber meinen 18,1%, der Euro werde sich erholen, weil Europas Wirtschaft stärker wachse als die der Schweiz. Und 25,5% sind überzeugt, dass sich die SNB mit Vehemenz und Erfolg gegen die Parität stemmen wird. Würde die SNB nicht intervenieren und es käme zur EUR/CHF-Parität, so würde sie Tür und Tor für Spekulanten öffnen und die Konsequenzen wären um einiges teurer, meint etwa Adrian Schneider, Leiter Investment Center der Graubündner Kantonalbank, im Interview mit investrends.ch.

Schwierige Interpretation der Wechselkurssituation

SNB-Präsident Thomas Jordan sagte an der Lagebeurteilung der Nationalbank vom 16. Dezember, die Interpretation der gegenwärtigen Wechselkurssituation sei im Hinblick auf die SNB-Geldpolitik wegen den angestiegenen internationalen Inflationsdifferenzen schwieriger geworden.

In der Tat hat sich der Franken seit Anfang 2021 um rund 4,5% aufgewertet (31.12.2021). Allein seit der letzten SNB-Lagebeurteilung (23.09.2021) sind es nominal und handelsgewichtet 3,5%, und seit Beginn der Pandemie sogar mehr als 6%. "Trotzdem betrachtet die SNB den Franken unverändert als hoch bewertet", sagte Jordan am Mediengespräch am 16. Dezember und erklärte, weshalb das so sei: "Der Grund ist die Inflation im Ausland, die zurzeit spürbar höher ist als in der Schweiz. Die nominale Aufwertung bedeutet daher nicht eine reale Aufwertung im gleichen Ausmass. Vielmehr hat sich der reale handelsgewichtete Wechselkurs des Frankens, bei dem Inflationsunterschiede zwischen dem In- und Ausland berücksichtigt werden, seit Pandemiebeginn kaum verändert."

Gleichzeitig habe ein grösserer Anstieg der Inflation in der Schweiz verhindert werden können, indem die SNB eine gewisse nominale Aufwertung zugelassen habe. Die nominale Aufwertung des Frankens habe dem Preisanstieg entgegengewirkt, weil sie Importe verbillige. Die Frankenaufwertung der letzten Monate habe also dazu beigetragen, die Preisentwicklung in der Schweiz vergleichsweise tief zu halten.

Vor dem Hintergrund der jüngsten Wirtschaftsentwicklung und des Inflationsausblicks sei die expansive Geldpolitik der SNB nach wie vor angebracht. Sie stelle angemessene monetäre Bedingungen sicher, indem sie den SNB-Leitzins bei -0,75% halte und bei Bedarf am Devisenmarkt interveniere. Dadurch unterstütze die SNB die wirtschaftliche Erholung und halte die Teuerung im Bereich der Preisstabilität.

Grosse Unsicherheit

In seinem Ausblick sagte Jordan, dass wir uns heute in einer Situation befinden, in der die Unsicherheit über den weiteren Pandemieverlauf und die zukünftige Ausrichtung der internationalen Geldpolitik gross ist. So sind die US-Währungshüter in Alarmstimmung, denn sie halten den Preisauftrieb nicht mehr länger nur für ein vorübergehendes Problem. Um sich gegen den Preisdruck zu stemmen, fassen sie die Zinswende für 2022 fest ins Auge. Diese dürfte laut Experten im Frühjahr oder spätestens Mitte 2022 in Gang gesetzt werden. Mit insgesamt drei Erhöhungsstufen könnte der geldpolitische Schlüsselsatz Ende 2022 dann in einer Spanne von 0,75% bis 1,0% liegen.

Für die US-Notenbank ist laut Experten der Handlungsdruck grösser als für die Europäische Zentralbank (EZB), da auch die Inflationsraten noch weit höher liegen als in der Euro-Zone. Die EZB hat signalisiert, dass zuerst der Ausstieg aus ihren Anleihekaufprogrammen abgeschlossen werden soll, bevor die Zinswende folge. Solange aber das bereits bis Oktober 2022 programmierte APP-Programm nicht abgeschaltet sei, sei daran nicht zu denken. Es ist daher laut Experten erst 2023 mit höheren Zinsen im Euro-Raum zu rechnen.

"Wir wissen inzwischen alle hinlänglich, dass Unsicherheit immer wieder zu erhöhter Nachfrage nach Franken führen und verstärkten Aufwertungsdruck auslösen kann», so der SNB-Präsident in seinen Ausführungen am Mediengespräch vom 16. Dezember. "Dies könnte rasch wieder die Konjunktur belasten und je nachdem sogar die Inflation wieder in den negativen Bereich fallen lassen. Wir werden deshalb weiterhin die Entwicklung des Frankenkurses genau beobachten und in unserer Analyse die gesamte Währungssituation berücksichtigen. Und wir werden bei Bedarf reagieren, um die Preisstabilität in der Schweiz zu gewährleisten und die konjunkturelle Erholung weiter zu unterstützen."

Inzwischen fehlen am letzten Tag des Jahres 2021 (ca. 14 Uhr) beim CHF/Euro-Kurs nur noch 3,4% Abwertung des Euro bis zur Parität. Angesichts der Unsicherheiten und Unwägbarkeiten dürfte es 2022 eine grosse Herausforderung für die SNB werden, der Parität entgegen zu halten.

Derweil brummen die Börsen. Der SMI lag am 31. Dezember um die gleiche Zeit bei 12'875 Punkten, nachdem er gestern mit 12'980 Punkten das Jahreshoch erreicht hatte. Wie geht es nach dieser Jahresendrally im neuen Jahr an der Schweizer Börse weiter? Wo wird der SMI Ende 2022 stehen? Dazu können Sie, liebe Leserinnen und Leser, in der neuen investrends.ch-Umfrage Ihre Meinung abgeben. Hier geht es zur Umfrage.

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