Werbung

Green: Die Hintergründe des grössten Datencenter-Deals der Schweiz und die Pläne des australischen Eigentümers

Der Metro-Campus Zürich wird mit 100% erneuerbarer Energie betrieben und wird laufend ausgebaut (Bild: Green)
Der Metro-Campus Zürich wird mit 100% erneuerbarer Energie betrieben und wird laufend ausgebaut (Bild: Green)

Die Übernahme des grössten Schweizer Rechenzentrums-Betreibers Green durch den australischen IFM Investors markiert den grössten Datacenter-Deal in der Geschichte des Landes – nun äussert sich der Eigentümer über den Kauf und die weiteren Pläne.

09.02.2026, 07:47 Uhr

Redaktion: asc

Green entstand 1995 aus der Informatikabteilung des Schweizerischen Bauernverbandes unter dem Namen agri.ch. Später baute der heutige SVP-Nationalrat Franz Grütter aus dem Internet-Anbieter ein Powerhouse im Bereich der Datacenter. Zu den Kunden gehören heute Grossbanken, Versicherungen, aber auch die ABB und die SIX Group. Sowohl die Rechenzentren als auch die Abwärmenutzungen werden regelmässig ausgezeichnet. Datacenter, wie die von Green, sind zentral für das Funktionieren der Wirtschaft und sie sind das entscheidende Rückgrat für KI-Anwendungen.

Green: IFM Investors erhielt 2025 den Zuschlag

Und so kam es, dass sich bei Green potenzielle Käufer die Klinke in die Hand gaben. Laut Bloomberg hatten sich unter die Swiss Life, der kanadische Pensionskassenriese Ontario Municipal Employees Retirement System, oder auch eine der grossen US-Private-Equity-Firmen KKR & Co für den Kauf des Unternehmens interessiert.

2025 wechselte schliesslich der grösste Schweizer Rechenzentrumsbetreiber für geschätzte 2 bis 2,5 Milliarden Schweizer Franken den Besitzer. Es ist wohl einer der grössten Infrastruktur-Deals in der Schweiz. Die französische Beteiligungsgesellschaft InfraVia, die Green 2018 für rund 214 Millionen Franken von Altice übernommen hatte, realisierte damit einen beachtlichen Wertzuwachs.

Hinter dem Käufer, dem IFM Global Infrastructure Fund, steckt IFM Investors, mit einem verwalteten Vermögen von gegen 170 Milliarden Franken einer der ganz grossen Infrastrukturinvestoren der Welt. IFM wurde in den 1990er Jahren gegründet und ist mehrheitlich in der Hand von australischen und britischen Pensionskassen.

An einem Gespräch in Zürich gaben die verantwortlichen Manager von IFM nun bekannt, was ihre Motive hinter dem Kauf waren, welche Pläne sie mit Green haben und wie sich der Sektor Infrastruktur weiterentwickelt. «Noch vor fünf oder zehn Jahren hätte man ein Rechenzentrum vielleicht als eine Erweiterung von Immobilien-Investments gesehen», sagte David Cooper, Leiter des Bereiches Infrastructure Debt für EMEA und Australien. «Heute zählen wir Rechenzentren zur klassischen Versorgungsinfrastruktur: Sie müssen rund um die Uhr verfügbar sein, 365 Tage im Jahr.»

Infrastruktur als weltweiter Trend

Die Transformation der Branche sei im vollen Gang, so der IFM-Manager: Die Verlagerung von Unternehmensanwendungen in die Cloud, explodierende Anforderungen durch künstliche Intelligenz und – nicht zuletzt – ein wachsendes Bewusstsein für Datensouveränität. So sieht man derzeit zwei grosse Entwicklungen: Grosse Datenzentren, die relativ unkritische Daten für verschiedene Volkswirtschaften bearbeiten, und kleinere regionale Zentren, die kritische Daten in den einzelnen Ländern behalten.

Doch der derzeitige Boom hat seine Schattenseiten: In den USA wird die KI-Infrastruktur derzeit in einem rasanten Tempo ausgebaut. Deepa Bharadwaj, bei IFM Investors verantwortlich für das europäische Infrastruktur-Geschäft, bestätigt das: «Mein Team und ich erhalten praktisch alle zwei Wochen ein Rechenzentrum-Angebot auf dem Tisch», sagt sie.

Doch IFM, sehr auf klassische Infrastruktur, wie Strassen, Stromnetze oder auch Flughäfen fokussiert, musste sich zunächst die Frage stellen, welche Auswahlkriterien man im Bereich Datacenter zulassen möchte. Bharadwaj beschreibt den Auswahlprozess heute aus Sicht von IFM als langwierig und selektiv. Zentral sei auch, dass das Unternehmen längerfristig Bestand habe, da IFM sich als langfristiger Investor sieht mit einem Anlagehorizont von über 30 Jahren. «Wir investieren nicht in Grundstücke mit der Hoffnung, dass die Kunden dereinst schon kommen werden,» so Bharadwaj.

Deshalb mache die Investition in Green Sinn. Es sei eine etablierte Frirma in einem regulierten Markt mit hohen Eintrittsbarrieren; mit einem gesicherten Zugang zu Land, Strom und Wasser sowie langfristigen Verträgen mit Hyperscalern und erstklassigen Unternehmenskunden. Auch die Tatsache, dass auch das Green-Management-Team langfristig denkt, spreche für die Investition.

Vorsicht vor dem KI-Hype

Trotz des KI-Booms, der die Nachfrage nach Rechenkapazitäten in die Höhe treibt, bleiben die IFM-Strategen deshalb zurückhaltend. «Wir meiden Rechenzentren, deren Hauptzweck das Training von KI-Modellen ist», erklärt David Cooper. «Viele davon in den USA haben eine begrenzte Lebensdauer. Nach vier oder fünf Jahren wird der Bedarf nicht mehr da sein.»

Stattdessen konzentriert sich IFM auf das Vorhandensein einer weniger glamouröse, aber stabilen Nachfrage: Cloud-Dienste für Unternehmenskunden, die ihre IT-Infrastruktur auslagern, sowie strenge Anforderungen an Cybersicherheit und Datenschutz. Nur so gelten Rechenzentren im Sinn von IFM auch als echte Infrastruktur-Investitionen.

Expansion in der Schweiz und Deutschland

Für Green plant IFM demgemäss eine kontrollierte Expansion, zunächst mit Fokus auf den Heimmarkt Schweiz, wo das Unternehmen an vier Standorten operiert und zwei weitere Hochleistungs-Rechenzentren für 2026 plant. «Wir sehen aber auch Chancen in Deutschland», sagt Bharadwaj.

Der limitierende Faktor sei weniger das Kapital oder die Grundstücke, sondern der Netzanschluss. «Verbindungen zum Stromnetz dauern lange. Die Stromnetze müssen aufgerüstet werden, die Netzanschlüsse müssen modernisiert werden», erklärt die IFM-Managerin. «Das ist meiner Meinung nach eine der grössten Herausforderungen – auch in Deutschland.»

Green gilt in der Branche als Vorreiter bei Nachhaltigkeit. Dies ist ein Faktor, der für IFM entscheidend war. «In unseren beiden Rechenzentrum-Investments denken wir ständig über die Optimierung von Ressourcen nach», sagt Bharadwaj. «Green speist zum Beispiel Abwärme zurück ins System.» Bei steigendem Druck auf Wasserverbrauch und Stromnetze durch Rechenzentren werde Ressourceneffizienz vom Nice-to-have zur Betriebsnotwendigkeit. In den USA betreibt der Fonds bereits Switch Data Centers; das dort gesammelte Know-how soll nun Green zugutekommen.

Erster Schweizer Deal – aber nicht der letzte

Mit der Green-Übernahme investierte IFM erstmals direkt in Schweizer Infrastruktur – eine wichtige Botschaft auch an die heimischen Pensionskassen, die seit 2013 zu den Investoren des Fonds gehören. «Ich wurde immer gefragt: Investiert ihr auch in der Schweiz?», sagt Bharadwaj. «Bis letztes Jahr musste ich immer verneinen.»

Nun habe sich das geändert. Ob weitere Akquisitionen in der Schweiz oder Europa folgen, bleibt offen. Das Interesse seit nach wie vor da, betont auch die Verantwortliche für das Geschäft in der Schweiz, Anna Demarmels. Die politische Stabilität und die stabile Währung sind nur eine der Gründe, die den Standort attraktiv machten.

Tatsache sei jedoch, dass es in der Schweiz aus mehreren Gründen nicht einfach sei: Zunächst würden viele Infrastrukturprojekte von der öffentlichen Hand finanziert. Eine zusätzliche Finanzierung durch Private sei weniger dringlich. Was grundsätzlich für die Schweiz spreche. Komme hinzu, dass in der Schweiz viele Infrastrukturprojekte nach wie vor auch durch Banken finanziert würden. Dies zu Konditionen, bei welchen man nicht bereit sei, mitzubieten. Auch das, so die IFM-Manager, eigentlich ein gutes Zeichen für die Schweiz.

Alle Artikel anzeigen

Diese Website verwendet Cookies, um Ihnen eine bestmögliche Nutzung zu ermöglichen. Mit der Annahme der Cookies bestätigen Sie, dass Sie ein professioneller Anleger mit Sitz in der Schweiz sind.> Datenschutzerklärung