Gender-Studie: Immer noch kaum weibliche CEO

Der Frauenanteil im Management und in den Verwaltungsräten ist gestiegen, die Entscheidungsträger sind aber meistens männlich.  (Bild: Shutterstock.com/fizkes)
Der Frauenanteil im Management und in den Verwaltungsräten ist gestiegen, die Entscheidungsträger sind aber meistens männlich. (Bild: Shutterstock.com/fizkes)

Der Frauenanteil in Verwaltungsräten hat sich in den letzten zehn Jahren weltweit verdoppelt. Die Gender-Studie der Credit Suisse zeigt ausserdem, dass es eine signifikante Korrelation zwischen einem grösseren Anteil von Frauen in Entscheidungspositionen in Unternehmen und ihrer Börsen- und Unternehmensleistung gibt.

17.10.2019, 05:00 Uhr

Redaktion: lek

Der Frauenanteil in Verwaltungsräten liegt gemäss des "CS Gender 3000" - Berichts, der vom Credit Suisse Research Institute (CSRI) veröffentlicht wurde, weltweit bei 20,6%. Dieser Anteil hat sich seit Beginn des laufenden Jahrzehnts ungefähr verdoppelt und seit dem letzten Bericht im Jahr 2016 einen Anstieg von rund 15,3% verzeichnet.

Weltweiter Anstieg mit grossen regionalen Unterschieden

Trotz dieser allgemeinen Erhöhung des Frauenanteils in Verwaltungsräten gibt es erhebliche Unterschiede je nach Region: In Japan beträgt der Anteil nur 5,7%, in Europa hingegen liegt er bei fast 29,7%. Zu Japan muss erwähnt werden, dass der Anteil zu Beginn des Jahrzehnts bei unter 1% lag und regulatorische Massnahmen getroffen wurden, um die Vertretung von Frauen in Verwaltungsräten zu verbessern. In Europa hält der Rückenwind ebenfalls durch eine Reihe von Regulatorien und Initiativen, welche die Geschlechtervielfalt in Verwaltungsräten fördern, weiter an. Die Studie zeigt denn auch generell, dass der grösste Frauenanteil in Länder aufweisen, in denen es Quoten oder ähnliche Ziele gibt. Dazu zählen unter anderem Norwegen, Frankreich, Schweden und Italien.

In Nordamerika wurden die deutlichsten Verbesserungen ohne formellen regulatorischen Druck erzielt: Der Anteil von Frauen in Verwaltungsräten stieg von 17,3 % im Jahr 2015 auf knapp ein Viertel an. Der starke Aufwärtstrend in Nordamerika hat sich in Südamerika nicht gezeigt, wo nur eine leichte Verbesserung auf 7,8 % zu beobachten war. Die Region Asien-Pazifik verzeichnet ebenfalls nur einen schwachen Aufwärtstrend – allerdings schwankt die Bandbreite von Land zu Land beträchtlich, mit Werten zwischen 3% bis zu 30%. Global gesehen waren die Länder mit dem grössten proportionalen Anstieg in den letzten fünf Jahren Malaysia, Frankreich, Australien, Deutschland und Österreich (zwischen 9,4% und 12,8%).

Top-Manager nach wie vor männlich

Seit der letzten Studie vor drei Jahren ist der weltweite Frauenanteil im Management von 14% auf 17% angestiegen. Regional betrachtet gibt es in den USA (21%) und ind der Region Asien Pazifik (19%) mehr weibliche Manager als in Europa (17%). In vielen europäischen Ländern existiert nicht nur für die Verwaltungsräte, sondern auch für die Chefetagen ein regulatorischer und politischer Fokus auf Quoten. Der Anstieg von Frauen im Management war in den USA und in der Region Asien-Pazifik hingegen eher organischer Natur.

Die Auswirkungen dieses Trends auf die obersten Geschäftsführungspositionen sind allerdings begrenzt. Nur knapp 5% der im Rahmen von «CS Gender 3000» befragten Unternehmen haben weibliche CEO und weniger als 15% besetzen den CFO-Posten mit einer Frau. Obwohl Frauen vermehrt im Management der Unternehmen anzutreffen sind, liegen ihre Positionen weiterhin meist ausserhalb von Bereichen mit operativer Entscheidungsbefugnis. So sind zum Beispiel 80% aller IT-Verantwortlichen männlich. Die Unterschiede in der sogenannten "Power Line" sind in der Region Asien Pazifik weniger deutlich als in anderen Regionen. Diese Region verfügt über die grösste Anzahl an weiblichen CEO (5,6%) und CFO (18,9%).

Bessere Performance bei höherem Frauenanteil

Obschon die Studie keine klare Beziehung zwischen Ursache und Wirkung ausmachen konnte, hatte bereits der letzte Bericht 2016 aufgezeigt, dass starke Zusammenhänge zwischen der Vielfalt in Verwaltungsräten und der Outperformance der Aktienkurse bestehen. Zudem ist auch der Effekt erkennbar, dass die Rentabilität höher ist, wenn die Unternehmen innerhalb der eigenen Branche analysiert werden. Auf branchenbereinigter Basis zeigt der Bericht, dass die Spanne zwischen den EBITDA-Margen von Unternehmen mit mehr Vielfalt und denen mit weniger Vielfalt 229 Basispunkte beträgt. Ein höherer Frauenanteil im Senior Management weist auch eine um 2.4% höhere Cashflow-Rendite auf das investierte Kapital auf und ist im Zeitverlauf weniger volatil.

Den vollständigen "CS Gender 3000"-Bericht finden Sie hier.

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