Greenpeace kritisiert: Nachhaltigkeits-Fonds bisher kaum wirksam

Der Finanzplatz müsse alle Aktivitäten auf die Pariser Klimaziele ausrichten, verlangt Greenpeace. (Bild: Shutterstock.com/design36)
Der Finanzplatz müsse alle Aktivitäten auf die Pariser Klimaziele ausrichten, verlangt Greenpeace. (Bild: Shutterstock.com/design36)

Sogenannt nachhaltige Anlagefonds gelinge es bisher nicht, wesentlich mehr Kapital in Richtung einer nachhaltigen Wirtschaft zu lenken als konventionelle Fonds, kritisiert eine Studie im Auftrag von Greenpeace Schweiz und Greenpeace Luxemburg. Greenpeace Schweiz spricht von "Greenwashing" und fordert klare Mindestanforderungen für nachhaltige Fonds.

20.06.2021, 16:58 Uhr

Redaktion: hf

Der Studie «Sustainability Funds Hardly Direct Capital Towards Sustainability» von Greenpeace zufolge werden die untersuchten Fonds ihrer Aufgabe bislang zu wenig gerecht. Nachhaltige Fonds hätten einen minimal besseren ESG-Impact-Score und wirkten nur minimal besser auf die Bereiche Umwelt, Gesellschaft und gute Geschäftsführung (ESG). Der Unterschied sei so klein, dass die sogenannt nachhaltigen Anlagefonds im ESG-Impact-Rating von Inrate kaum merklich besser bewertet werden als konventionelle Fonds. Nur umweltbezogene Themenfonds konnten den ESG-Impact-Score erhöhen, wenn auch minim.

"Die nachhaltigen Anlagen, die im Moment angeboten werden, sind nicht nur kaum nachhaltig, sie schaden sogar dem Klima", verschärft Greenpeace den Ton. Die Analyse könne zudem nicht nachweisen, dass die untersuchten Fonds die CO2-Emissionen investierter Unternehmen statistisch signifikant reduzierten.

"Ausschlusskriterien zu lasch formuliert"

«Nachhaltigkeit wird nicht umfassend genug betrachtet. Zudem setzen Asset Manager kaum spezifische und messbare Ziele für die Fonds bezüglich deren Wirkung auf Umwelt und Klima», bemängelt Larissa Marti, Expertin für Finanzwirtschaft von Greenpeace Schweiz. So würden zum Beispiel Ausschlusskriterien für Kohleunternehmen zu lasch formuliert, und Schlupflöcher blieben.

Es mangle auch an der nötigen Konsequenz: Bezüglich Nachhaltigkeit fokussierten die Anlagerichtlinien teils nur auf wenige Branchen wie die Rüstungs- oder die Zementindustrie und schlössen diese aus. Andere – komplexere – Bereiche wie die Landwirtschaft würden kaum genauer analysiert und in die Nachhaltigkeitsüberlegungen miteinbezogen.

Den Vorwurf, die gängigen nachhaltigen Anlagestrategien seien wenig wirksam, um mehr Geld für eine nachhaltige Wirtschaft bereitzustellen, erhebt die Umweltschutzorganisation auch, "weil die Erwartungen der Anlegerinnen und Anleger an nachhaltige Anlagefonds klar sind:" Eine repräsentative Umfrage vom Forschungsinstitut GFS Zürich im Auftrag von Greenpeace Schweiz zeigt, dass 36% der Befragten von solchen Fonds mindestens einen Umverteilungseffekt erwarten, also mehr Investitionen in nachhaltigere Unternehmen. 53% sind der Meinung, dass eine nachhaltige Geldanlage mindestens klimaverträglich und somit im Einklang mit den Pariser Klimazielen sein soll.

Die aktuelle Praxis laufe dem Ziel der Schweiz zuwider, ein führender Standort für Sustainable Finance zu werden, sagt Peter Haberstich, Projektleiter Klima und Finanzwirtschaft von Greenpeace Schweiz. Bundesrat und Parlament müssten verhindern, dass der Schweizer Finanzplatz "zu einem Discounter für Greenwashing wird."

Kongruenz mit dem Pariser Abkommen verlangt

Die Umweltorganisation fordert Mindestanforderungen für nachhaltige Anlagefonds: Entsprechende Fonds müssten in Wirtschaftsaktivitäten investiert sein, deren Emissionsabsenkpfad mit den Pariser Klimazielen und einer maximalen Erderwärmung von 1.5 Grad vereinbar sei. Die Rahmenbedingungen für einen solchen Standard seien von der Politik zu schaffen, nicht von der Branche selber, die Finanzwirtschaft habe mit Selbstregulierung bislang keine wirkungsvollen Lösungen erarbeitet.

Die Politik müsse schnellstmöglich dafür sorgen, dass der Finanzplatz alle seine Aktivitäten auf die Erreichung der Pariser Klimaziele und den Schutz der Biodiversität ausrichte.

Ob der Umwelt und dem Finanzplatz mit einem solchen strengen Regime geholfen wäre, ist zu bezweifeln. Der Markt schafft langfristig die besseren Anreize, auch und gerade zugunsten der Umwelt, als drastische, oft rein opportunistisch motivierte behördliche Massnahmen. Das diese Einsicht in der Öffentlichkeit überwiegt, zeigen die Abstimmungsresultate zu den Umweltschutzvorlagen von Mitte Juni.

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