27.03.2026, 11:48 Uhr
Die Private-Credit-Branche, die eine Dekade lang als krisenresistente Renditemaschine galt, erlebt ihren ersten echten Stresstest im industriellen Massstab. Was sich im ersten Quartal 2026 abspielt, ist mehr als ein...
Eine neue Analystenumfrage von Fidelity International zeigt: Künstliche Intelligenz befeuert einen breiten Investitionszyklus – doch für Millionen von Verbrauchern bleibt der Aufschwung unerreichbar.
Die Stimmung in den Chefetagen weltweit ist so gut wie seit der Pandemie nicht mehr. Doch hinter diesem Optimismus verbirgt sich eine wachsende Spaltung: Während Unternehmen rund um KI-Infrastruktur boomen, geraten Konsumenten unter steigendem Druck. Das ist das Kernergebnis der diesjährigen Analystenumfrage von Fidelity International, für die mehr als 120 Aktien- und Anleiheanalysten ausgewertet wurden – gestützt auf rund 20.000 Gespräche mit Unternehmensführungen weltweit.
Was die Investitionslaune antreibt, ist für die befragten Analysten eindeutig: KI. Die Welt erlebt derzeit einen der grössten Investitionszyklen seit Jahren – von Rechenzentren über Stromnetze bis hin zu den Rohstoffen, die für den Aufbau dieser Infrastruktur benötigt werden. Die Folge: Nicht nur der IT-Sektor profitiert. Rund 81 Prozent der befragten Unternehmensleiter aus dem Technologiebereich zeigen sich für das kommende Jahr zuversichtlich – aber auch 65 Prozent aus dem Rohstoffsektor.
«Es handelt sich nicht nur um eine eng begrenzte Technologierally», so Niamh Brodie-Machura, Chief Investment Officer Equities bei Fidelity International. Die KI-Ausgaben strahlten entlang der gesamten Energie- und Industriewertschöpfungskette aus und verlängerten den Investitionszyklus weit über die grossen Tech-Plattformen hinaus.
Doch das Bild hat eine deutliche Schattenseite. Nur 8 Prozent der Analysten glauben, dass der Inflationsdruck in den nächsten zwölf Monaten nachlassen wird. Vierzig Prozent rechnen sogar mit weiteren Kostensteigerungen – besonders in Rohstoff- und Industriesektoren. Gleichzeitig sind die Erwartungen an das Lohnwachstum auf den tiefsten Stand seit drei Jahren gesunken.
Diese Schere – steigende Inputkosten hier, schwächere Kaufkraft dort – trifft vor allem den Mittelstand. Steigende Kraftstoffpreise, anhaltender Inflationsdruck und geopolitische Verwerfungen belasten Haushalte mit mittleren Einkommen besonders stark. Der Konflikt im Nahen Osten, der sich seit Anfang März zu einer ernsthaften Angebotsstörung ausgeweitet hat, verschärft die Lage zusätzlich.
Das Ergebnis ist eine Wirtschaft, die in zwei Geschwindigkeiten läuft. Auf der einen Seite: Unternehmen mit direktem Zugang zur KI-Infrastruktur, starken Bilanzen und Preissetzungsmacht – sie investieren, wachsen und blicken optimistisch in die Zukunft. Auf der anderen Seite: Konsumnahe Branchen, Healthcare-Unternehmen und all jene, die von finanziell angespannten Haushalten abhängen – sie kämpfen mit schrumpfenden Margen und gedämpfter Nachfrage.
Auch die Gesundheitsbranche gerät zunehmend unter Druck: Da Regierungen weltweit ihre Verteidigungsbudgets ausweiten, könnten öffentliche Gesundheitsausgaben zunehmend unter Druck geraten.
«Die Lücke zwischen Gewinnern und Verlierern wird grösser», fasst Brodie-Machura zusammen. In einem solchen Umfeld steige die Bedeutung von Fundamentalanalyse und aktiver Titelselektion. Die Botschaft der diesjährigen Umfrage sei klar: KI forme den Unternehmenszyklus neu – aber die Vorteile seien noch lange nicht gleichmässig verteilt.