Der Franken ist der Gewinner der US-Midterms – was heisst das für die SNB?

Der Franken legte gegenüber dem Dollar und dem Euro zu (Bild/KI-Montage: Shutterstock)
Der Franken legte gegenüber dem Dollar und dem Euro zu (Bild/KI-Montage: Shutterstock)

Die Demokraten holen in den US-Zwischenwahlen laut Hochrechnungen beide Kammern des Kongresses. Die Märkte reagieren mit einer klaren Bewegung: Anleger verkaufen Dollar und Technologieaktien und kaufen Franken, Yen und US-Staatsanleihen. Ob daraus ein Trend wird, ist offen.

04.11.2026, 08:27 Uhr
Konjunktur | Notenbanken

Redaktion: asc

Der Dollar verlor im asiatischen Handel am Mittwoch 0,9 Prozent und fiel zeitweise auf 0,8133 Franken. Am Dienstagabend hatte er in New York noch bei 0,8209 Franken notiert. Bis zum Morgen erholte er sich leicht auf rund 0,817 Franken. Der Franken gehörte damit zu den stärksten Währungen im Feld, vor dem Yen, der um 0,7 Prozent auf 157,63 je Dollar zulegte. Der Euro stieg um 0,5 Prozent auf 1,1249 Dollar, der Dollarindex DXY gab um 0,3 Prozent auf 101,4 Punkte nach.

Auch gegenüber dem Euro legte der Franken zu. Der Euro sank am frühen Morgen um 0,3 Prozent auf 0,9157 Franken, nach 0,9186 am Vorabend. Damit geht die Bewegung über eine reine Dollarschwäche hinaus: Der Franken ist als sicherer Hafen gesucht.

Demokraten holen beide Kammern

Auslöser sind die Wahlresultate aus der Nacht. Hochrechnungen US-amerikanischer Medien zufolge haben die Demokraten die Mehrheit im Repräsentantenhaus gewonnen und im Senat die Schwelle von 51 Sitzen erreicht. Frühe Siege in North Carolina, South Carolina, New Hampshire und Illinois hatten den Ausschlag in diese Richtung gegeben. Präsident Donald Trump erklärte gegenüber der «New York Times», man werde mit den Demokraten zusammenarbeiten. Die Auszählung in einzelnen Wahlkreisen dürfte noch Tage dauern.

An den Aktienmärkten fiel die Reaktion deutlich aus. Die Futures auf den S&P 500 verloren zeitweise 1,4 Prozent, jene auf den Nasdaq 100 sogar 2,4 Prozent. In Tokio brach der Nikkei um 4,5 Prozent ein, der breitere Topix um 3,2 Prozent. Für den Schweizer Leitindex SMI wurde ein Start im Minus erwartet, die vorbörslichen Indikationen lagen zwischen 0,1 und 0,8 Prozent. Die Gewinne an der Wall Street vom Dienstag – der S&P 500 schloss 0,36 Prozent höher, der Nasdaq 100 0,68 Prozent – stammen noch aus der Zeit vor den ersten Resultaten.

US-Staatsanleihen dagegen waren gefragt. Die Rendite der zehnjährigen Treasuries sank in einer frühen Momentaufnahme um rund 6 Basispunkte auf 4,90 Prozent.

Weniger Stimulus, mehr KI-Aufsicht

Die Kombination ist ungewöhnlich: Anleger flüchten nicht pauschal aus US-Anlagen, sondern verkaufen Dollar und Aktien und kaufen gleichzeitig Treasuries. Strategen erklären das mit zwei Erwartungen an einen demokratisch kontrollierten Kongress.

Die erste betrifft die Staatsausgaben. «Der Dollar könnte von hier aus weiter fallen, weil ein demokratischer Durchmarsch die Staatsausgaben begrenzen würde», sagte Carol Kong, Devisenstrategin der Commonwealth Bank of Australia, gegenüber Reuters. Weniger Fiskalimpulse bedeuten tiefere Renditeerwartungen, und die hohen US-Zinsen waren bisher eine der wichtigsten Stützen des Dollars.

Die zweite betrifft den Technologiesektor. «Die Kursbewegungen passen zur Sorge, dass KI bei einem demokratischen Durchmarsch stärker unter Aufsicht gerät», sagte Moh Siong Sim, Devisenstratege bei OCBC in Singapur. Die schwächere Nasdaq spiegle auch die Befürchtung, dass strengere Regeln das US-Wachstum bremsen könnten. Die Commerzbank verweist auf den Zusammenhang mit dem Dollar: Die Währung habe in den vergangenen Monaten stark von der Begeisterung für US-Aktien und den damit verbundenen Kapitalzuflüssen profitiert. Verlangsamt sich das Investitionstempo bei der KI-Infrastruktur, fällt ein Teil dieser Zuflüsse weg.

Offen, ob die Bewegung hält

Mehrere Gegenkräfte relativieren die erste Reaktion. Sim selbst weist darauf hin, dass neue Bundesgesetze auch mit demokratischen Mehrheiten schwer durchzusetzen bleiben, weil Trump über ein Vetorecht verfügt. Zudem kann der Präsident in vielen Bereichen per Dekret regieren.

Charu Chanana, Anlagestrategin bei Saxo in Singapur, sieht zudem einen Stabilisator für Aktien: «Niedrigere Anleiherenditen könnten jedoch schliesslich für eine gewisse Entlastung sorgen, sodass der anfängliche Ausverkauf nicht unbedingt von Dauer sein muss.»

Für den Dollar bleibt die Geopolitik ein Faktor. Kong nennt eine Eskalation im Iran-Konflikt nach der Wahl als Risiko für ihre Prognose: In diesem Fall könnte der Ölpreis kräftig steigen und den Dollar wieder stützen. Brent notierte am Morgen bei knapp 104 US-Dollar je Fass, getragen von den Sorgen um die Strasse von Hormus. Die Commerzbank sieht längerfristig sogar einen positiven Effekt: Eine konstruktivere politische Debatte in Washington könnte die politische Risikoprämie im Dollar verringern.

Für die SNB kein Problem – vorerst

Für die Schweizerische Nationalbank (SNB) kommt der stärkere Franken in einer besonderen Lage. Die Teuerung ist im Oktober auf 1,5 Prozent gestiegen, am Markt wird bereits über eine Zinserhöhung im Dezember spekuliert. Ein festerer Franken verbilligt Importe und dämpft damit die Inflation – er nimmt der SNB einen Teil der Arbeit ab. Belastend wirkt er dagegen für die Exportindustrie, deren Produkte im Ausland teurer werden.

Unter dem Strich preisen die Märkte am Morgen nach der Wahl weniger Trump-Stimulus und mehr Kontrolle über den KI-Boom ein. Das ist eine Neubewertung, noch kein neuer Trend. Ob der Franken seinen Vorsprung hält, entscheidet sich daran, wie viel vom erwarteten Kurswechsel in Washington tatsächlich umsetzbar ist.

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