Das globale Vermögen nimmt markant zu

2020 stieg die Zahl der Millionäre weltweit um 5,2 Millionen auf 56,1 Millionen. (Bild: Shutterstock.com/Tylor Olson)
2020 stieg die Zahl der Millionäre weltweit um 5,2 Millionen auf 56,1 Millionen. (Bild: Shutterstock.com/Tylor Olson)

Der Vermögensaufbau zeigte sich im Jahr 2020 weitgehend immun gegenüber der Covid-19-Pandemie. Das weltweite Gesamtvermögen nahm um 7,4% zu und das Vermögen pro Erwachsenem stieg um 6% auf einen Höchstwert, wie der Global Wealth Report der Credit Suisse zeigt. Schätzungen zufolge soll das globale Vermögen in den nächsten fünf Jahren um 39% zunehmen.

22.06.2021, 18:15 Uhr

Redaktion: rem

Die Pandemie hatte im ersten Quartal 2020 erhebliche kurzfristige Auswirkungen auf die globalen Märkte. Die Verfasser des Berichts gehen davon aus, dass zwischen Januar und März 2020 weltweit schätzungsweise 17,5 Bio. USD des weltweiten Gesamtvermögens privater Haushalte verloren gingen, was einem Rückgang von 4,4% entspricht. Bis Ende Juni war dieser Rückgang grösstenteils aufgeholt. Überraschenderweise setzten die Aktienkurse in der zweiten Jahreshälfte 2020 ihren Aufwärtstrend fort und erreichten zum Jahresende Rekordwerte. Auch der Wohnungsmarkt profitierte vom vorherrschenden Optimismus, sodass die Hauspreise so stark stiegen wie seit vielen Jahren nicht mehr.

Abwertung des US-Dollars gab Auftrieb

Als Ergebnis wuchs das weltweite Vermögen privater Haushalte im Jahresverlauf um 28,7 Bio. USD. auf 418,3 Bio. USD. Zum aktuellen US-Dollar-Kurs stieg das Gesamtvermögen um 7,4% und das Vermögen pro Erwachsenem um 6,0%. Die allgemeine Abwertung des US-Dollar trug jedoch mit 3,3 Prozentpunkten zum Wachstum bei. Bei gleichbleibenden Wechselkursen gegenüber dem Jahr 2019 wäre das Gesamtvermögen um 4,1% und das Vermögen pro Erwachsenen um 2,7% gewachsen, so der Report.

Die Aufschlüsselung nach Regionen zeigt, dass das Gesamtvermögen in Nordamerika um 12,4 Bio. USD und in Europa um 9,2 Bio. USD gestiegen ist. Auf diese beiden Regionen entfiel der Grossteil der Vermögenszuwächse im Jahr 2020, wobei China weitere 4,2 Bio. USD und der asiatisch-pazifische Raum (ohne China und Indien) weitere 4,7 Bio. USD beisteuerte. Indien und Lateinamerika verzeichneten im Jahr 2020 beide Vermögenseinbussen. Das Gesamtvermögen sank in Indien um 594 Mia. USD bzw. 4,4%. Verstärkt wurde diese Abnahme durch Wechselkursabwertungen: Bei festen Wechselkursen hätte der Verlust 2,1% betragen. Lateinamerika weist mit einem Rückgang des Gesamtvermögens um 11,4% oder 1,2 Bio. USD die schlechteste Entwicklung auf.

Die Gesamtverschuldung stieg um 7,5% – sie wäre wahrscheinlich noch deutlich höher ausgefallen, wenn die Haushalte nicht durch die Konsumeinschränkungen zum Sparen gezwungen gewesen wären. Die Gesamtverschuldung stieg in China und Europa merklich an, während sie in Afrika und in Lateinamerika selbst unter Berücksichtigung der Wechselkursabwertung zurückging.

Mitnahmeeffekte aus ungeplanten Ersparnissen und die vorherrschenden niedrigen Zinsen sorgten in der zweiten Hälfte des Jahres 2020 für eine Belebung des Wohnungsmarkts. Dies schlug sich in einem überdurchschnittlich guten Jahr für Hausbesitzer in den meisten Ländern nieder.

Globales Vermögensniveau 2020

Wie der Report weiter zeigt, unterscheiden sich die Auswirkungen der Pandemie auf den Wohlstand in den einzelnen Bevölkerungsgruppen aufgrund von zwei Hauptfaktoren: Portfoliozusammensetzung und Einkommensschocks. Das Vermögen derjenigen Gruppen, die einen höheren Anteil an Aktien in ihrem Vermögen haben, zum Beispiel Personen im späten mittleren Alter, Männer und allgemein wohlhabendere Gruppen, schnitten tendenziell besser ab. In den meisten Märkten haben Hauseigentümer aufgrund steigender Immobilienpreise Kapitalgewinne erzielt.

Auch die Einkommensschocks unterschieden sich während der Pandemie deutlich. In vielen Ländern mit hohem Einkommen wurde der Verlust von Arbeits- oder Unternehmenseinkommen durch Soforthilfe und beschäftigungspolitische Massnahmen abgemildert. In Ländern ohne Einkommenshilfe waren gefährdete Gruppen wie Frauen, Minderheiten und junge Menschen besonders betroffen.

Weibliche Arbeitskräfte litten zu Beginn überdurchschnittlich unter der Pandemie. Dies weil sie vermehrt in hart betroffenen Branchen wie Gastronomie, Hotellerie, Einzelhandel und personenbezogenen Dienstleistungen berufstätig sind. Die Erwerbsbeteiligung ging im Laufe des Jahres 2020 sowohl bei Männern als auch bei Frauen zurück. Das Ausmass des Rückgangs war jedoch ähnlich, zumindest in den meisten Industrieländern.

Vermögensunterschiede werden grösser

Die Vermögensunterschiede zwischen Erwachsenen haben im Jahr 2020 zugenommen. Die Zahl der Millionäre stieg weltweit um 5,2 Millionen auf 56,1 Millionen. Demzufolge benötigt ein Erwachsener heute mehr als 1 Mio. USD, um zum weltweit reichsten 1% zu gehören. Vor einem Jahr waren 988’103 USD notwendig, um zum obersten 1% zu gehören. Somit ist 2020 das Jahr, in dem zum ersten Mal mehr als 1% aller Erwachsenen weltweit nominal Dollar-Millionäre sind.

Die Gruppe der sehr vermögenden Personen (UHNWIs) wuchs sogar noch schneller und verzeichnete einen Zuwachs von 24% – die höchste Steigerungsrate seit 2003, so der Report. Seit dem Jahr 2000 ist die Zahl der Personen mit einem Vermögen zwischen 10’000 USD und 100’000 USD am stärksten gestiegen und hat sich von 507 Millionen im Jahr 2000 auf 1,7 Milliarden Mitte 2020 mehr als verdreifacht. Dies erklärt sich durch den zunehmenden Wohlstand in den Schwellenländern, insbesondere in China, sowie die wachsende Mittelschicht in den Entwicklungsländern.

40% Vermögenswachstum in fünf Jahren

Das globale Vermögen wird Schätzungen zufolge in den nächsten fünf Jahren um 39% zunehmen und im Jahr 2025 583 Bio. USD erreichen. Auf Länder mit geringen bis mittleren Einkommen entfallen 42% dieses Anstiegs, obwohl sie nur 33% des aktuellen Vermögens ausmachen. Das Vermögen pro Erwachsenem wird voraussichtlich um 31% steigen und die Marke von 100’000 USD überschreiten. Auch die Zahl der Millionäre wird in den kommenden fünf Jahren markant auf fast 84 Millionen steigen, bei den UHNWIs wird ein Zuwachs auf 344’000 erwartet.

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