Börsen starten vor Neujahr nochmals durch

Die Börsen haben zum Jahresende eine regelrechte Rally hingelegt. (Bild: Shutterstock.com/Rodrigo Garrido)
Die Börsen haben zum Jahresende eine regelrechte Rally hingelegt. (Bild: Shutterstock.com/Rodrigo Garrido)

Die Börsen sind in der Silvesterwoche nochmals mit Vollgas durchgestartet. Der SMI konnte seine Jahresbilanz ins Plus drehen. Im Dezember hat sich zudem die Stimmung zur Entwicklung der Schweizer Wirtschaft weiter aufgehellt. Trotz der zweiten Welle der Pandemie und der Verschärfung der Bekämpfungsmassnahmen durch den Bundesrat bleiben die Analysten optimistisch.

31.12.2020, 11:22 Uhr

Redaktion: rem

Die Börsen haben zum Jahresende eine regelrechte Rally hingelegt. Blickte man beim SMI am 23. Dezember 2020 nach Handelsschluss (10'412 Punkte) vier Wochen zurück, so zeigte sich ein Minus von 0,73%. Der breitere SPI (12'991 Punkte) hielt sich dagegen besser, aber konnte mit 0,03% in diesem Zeitraum nur unwesentlich zulegen. In der Silvesterwoche holten nun sowohl der SMI als auch der SPI kräftig auf: Der Leitindex schloss am 30. Dezember bei 10'703,51 Punkten und der breitere Nebenwerte-Index notierte bei 13'327,88 Punkten. Damit konnten der SMI über die letzten vier Wochen gesehen 2,57% und der SPI 2,83% zulegen. Das Corona-Jahr 2020 beendete der SMI somit mit einem Plus von 0,82% und der SPI legte seit dem 1. Januar 3,82% zu. Der Swiss Leader Index (SLI) verzeichnete über die letzten zwölf Monate ebenfalls eine satte Zunahme von 3,0% (1682,10 Punkte).

Beim Dow Jones lag das Jahresplus vor dem letzten Handelstag in diesem Jahr bei 6,56% (30'409,6 Punkte). Am Sylvestertag legte er nochmals um 0,65% auf das Allzeithoch von 30606,48 Punkte zu. Ende November hatte der Kursanzeiger des US-Leitindexes zum ersten Mal in seiner Geschichte die Latte von 30'000 Punkten überschritten und ein Allzeithoch markiert. Mit rund 47% auf 12'888,28 Punkte fast schon astronomisch gestiegen ist der Technologie-Index Nasdaq im 2020. Sehr stark abgeschlossen hat das Jahr auch der japanische Nikkei mit einem Plus von 16,01%. Düster sieht es 2020 hingegen beim EuroSTOXX 50 aus: Trotz starken letzten zwölf Wochen (+9,5%) verlor er über das ganze Jahr gesehen rund 5,2%.

Optimistische Finanzanalysten

Das Stimmungsbarometer zur Konjunkturentwicklung in der monatlichen Umfrage der CFA Society Switzerland und der Credit Suisse unter Finanzanalysten steigt auf 46,8 (Vormonat: 30,0 Punkte) und steht damit nur wenig unter dem Höchstwert vom Juni 2020 mit 48,7 Punkten, wie die Credit Suisse am Mittwoch mitteilte. Im März war der CS-CFA-Indikator auf -45,8 Punkte deutlich in den negativen Bereich abgerutscht.

Den Aktienmärkten trauen die Befragten dank der Impfstoffe und einem Ende der Pandemie trotz der starken November-Rally weiteres Kurspotenzial zu. Die Jahresend-Rally 2020 der letzten Tage hat ihre Einschätzung vorerst bereits bestätigt. Die Erwartungen der Experten hellten sich auch mit Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung im nächsten halben Jahr in der Eurozone, in den USA und in China deutlich auf. Allerdings seien sowohl die Mutation des Virus in Grossbritannien und Südafrika als auch die Impfstoffzulassung in der Schweiz erst gegen Ende der Umfrageperiode bekannt geworden, und 80% der Teilnehmer hätten bereits davor geantwortet. Die späteren Antworten zeigten zwar keine systematisch bessere oder schlechtere Einschätzung, aber aufgrund der noch unsicheren Lage dürften die Folgen dennoch nicht in den Umfrageergebnissen berücksichtigt sein, schreibt die CS.

Die Analysten beurteilen auch die aktuelle wirtschaftliche Lage weniger negativ als im Vormonat. Der weltweite Aufschwung in der Industrie scheine die Einschränkungen im Dienstleistungssektor zu kompensieren. Nur noch ein Drittel der Befragten sehe die aktuelle Konjunkturlage in der Schweiz als schlecht an, verglichen mit 60% am Höhepunkt der Krise. Das spiegele sich auch in den Arbeitsmarktaussichten wider: Noch 63% der Analysten prognostizieren einen Anstieg der Arbeitslosenquote im nächsten halben Jahr. Diese sei aber so tief wie seit Februar nicht mehr.

Wachstumsrate nächste drei Jahre über dem Trend

Die Inflationserwartungen der Finanzanalysten sind für alle Regionen leicht gestiegen. Aber der Anteil der Befragten, die keine Veränderung erwarteten, bleibt mit 57% (USA) bis 75% (Schweiz) unverändert hoch. Dagegen rechnet kein einziger Analyst mehr mit einem erneuten Rückgang. Bei den kurzfristigen Zinssätzen schliessen praktisch alle Analysten eine Veränderung in den nächsten sechs Monaten aus. Am langen Ende wird am ehesten für die USA ein leichter Anstieg erwartet. Rund die Hälfte der Befragten erwarte aber keine Veränderung.

Die Einstufung der Schweiz als "Währungsmanipulatorin" durch das US-Finanzministerium dürfte keine abrupte Aufwertung des Frankens zur Folge haben. Die Hälfte der Befragten erwartet aber wie in den vergangenen Monaten einen Anstieg zum Dollar. Gegenüber dem Euro lautet der Konsens auf eine Seitwärtsbewegung.

Die Analysten erwarten für die nächsten drei bis fünf Jahre eine Wachstumsrate über dem Trend. Trotz der zweiten Welle liegt die Prognose unverändert bei 1,6% und bleibt damit höher als in den Umfragen der ersten Jahreshälfte und auch höher als vor der Pandemie. Langfristige Schäden durch Zweitrundeneffekte scheinen sich in Grenzen zu halten. Ein Fünftel der Befragten erwartet gar, dass ein starker Aufschwung mehrere Jahre anhalten könnte und das Durchschnittswachstum über die nächsten drei bis fünf Jahre bei über 2% liegen wird, fasst die Nachrichtenagentur AWP die Mitteilung der Credit Suisse zusammen.

Die CFA Society Switzerland und die Credit Suisse führen die monatliche Umfrage unter Finanzanalysten seit Januar 2017 durch. 47 Experten aus der Schweizer Finanzbranche haben zwischen dem 16. und 21. Dezember teilgenommen.

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