Beschattungsskandal rückt Credit Suisse in schlechtes Licht

Die Beschattung und Bedrohung von Iqbal Khan durch Detektive bringt die Credit Suisse in Bedrängnis.
Die Beschattung und Bedrohung von Iqbal Khan durch Detektive bringt die Credit Suisse in Bedrängnis.

Die Credit Suisse soll Iqbal Khan, den früheren Chef der internationalen Vermögensverwaltung, ausspioniert haben. Der CS-Verwaltungsrat hat eine Untersuchung eingeleitet. Auch die Zürcher Oberstaatsanwaltschaft hat bereits ein Strafverfahren wegen Nötigung und Drohung eröffnet.

24.09.2019, 08:45 Uhr

Redaktion: rem

Angeblich sollen Privatdetektive, welche den früheren Chef der internationalen Vermögensverwaltung Iqbal Khan im Auftrag der Bank beschatteten, gegen diesen tätlich geworden sein. Khan war im Sommer überraschend zurückgetreten und hatte Ende August seinen Eintritt in die UBS verkündigt. Vor seinem Abgang bei der Credit Suisse soll er sich mit CEO Tidjane Thiam zerstritten haben. Und Thiam steht nun in der medialen Öffentlichkeit im Verdacht, Detektive auf Iqbal Khan angesetzt zu haben, um zu klären, ob dieser gegen seine Trennungsvereinbarung verstossen und etwa CS-Kunden für seinen neuen Arbeitgeber UBS abgeworben habe.

Laut den Medienberichten war Iqbal Khan mit seiner Frau zum Einkaufen nach Zürich gefahren und stellte dabei fest, dass er von einem Fahrzeug verfolgt wurde. Beim Restaurant Metropol stoppte er und versuchte, mit seinem Smartphone die Nummer des Verfolgerautos, das ebenfalls anhielt, zu filmen. Drei Männer stiegen aus und versuchten, ihm sein Smartphone abzunehmen. Als Passanten auf den Streit aufmerksam geworden sind, ergriffen die Männer die Flucht. In der Folge konnten die dilettantischen Detektive vorübergehend festgenommen werden. Noch ist nicht bekannt, welche Ermittler für die Überwachung zuständig waren.

Die CS selbst bestritt den Vorfall nicht, relativierte aber die Berichterstattung: Am Wochenende sei die Credit Suisse verschiedentlich in Medienberichten genannt worden, wobei in einer sensationsgetriebenen Darstellung die Fakten und Vorgänge nicht akkurat beschrieben worden seien, hielt sie in einer Mitteilung fest. Gegenüber der "Sonntags-Zeitung" hatte die Grossbank erklärt, dass es sich um eine private Angelegenheit handle.

Untersuchung eingeleitet

Am Montag liess der Verwaltungsrat der Credit Suisse verlauten, dass er die Medienberichte im Zusammenhang mit dem Wechsel von Iqbal Khan, dem ehemaligen CEO International Wealth Management, zur UBS zur Kenntnis genommen habe. Der Verwaltungsrat habe sich entschieden, eine Untersuchung der Vorfälle einzuleiten. Die mit dieser Untersuchung betrauten Personen würden direkt an den Verwaltungsratspräsidenten Urs Rohner berichten. Sobald die Untersuchung abgeschlossen sei, werde der Verwaltungsrat über deren Ergebnisse informieren. Bis dahin könnten keine weiteren Angaben gemacht werden. Die Zürcher Staatsanwaltschaft hat bereits ein Strafverfahren wegen Nötigung beziehungsweise Drohung eröffnet und untersucht nun, ob dies eine illegale Aktion der CS war, für welche die Bank die Verantwortung übernehmen muss oder nicht.

"Hat sich der Vorfall tatsächlich im beschriebenen Rahmen zugetragen, sind neben den Ermittlern auch deren Auftraggebeber belangbar", schreibt die "NZZ". Und sollte jemand auf Kaderstufe diesen Auftrag in Eigenregie vergeben haben, wäre dies mit Sicherheit keine private Angelegenheit mehr. "Inside Paradeplatz" mutmasst sogar, dass die Überwachung von CEO Tidjane Thiam gebilligt worden sein muss. Anderes sei nicht vorstellbar. Kein Sicherheitschef würde ein Ex-Konzernleitungsmitglied von sich aus drangsalieren. "Thiam und seine engsten Verbündeten stehen somit in der Verantwortung. Sie haben für die Aktion gegen Khan geradezustehen."

Die Untersuchungen werden Aufschluss geben. Doch eines ist bereits jetzt klar: Der Reputationsschaden durch den Skandal ist für die Credit Suisse gross - unabhängig davon, was die Untersuchungen zutage bringen werden und wer dafür geradestehen muss.

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