«Alternative Anlagen sind kein Nischenthema mehr»

Dr. iur. Alexander Lindemann, Gründer und Präsident des Swiss Alternative Investment Forum
Dr. iur. Alexander Lindemann, Gründer und Präsident des Swiss Alternative Investment Forum

Am 4. Februar findet das Swiss Alternative Investment Forum in Zürich statt. Im Gespräch erklärt Gründer und Präsident Alexander Lindemann, warum Energiesicherheit, Real Estate Development, Venture Capital und Kunst dieses Jahr im Fokus stehen – und weshalb der Schweizer Kapitalmarkt mehr Sichtbarkeit braucht.

19.01.2026, 22:27 Uhr

Redaktion: asc

Herr Lindemann, das Swiss Alternative Investment Forum geht in eine neue Runde. Was war 2018 die Initialzündung für die Gründung?

Wir haben damals eine Lücke gesehen. Private-Markets-Investitionen in der Schweiz belaufen sich auf rund 360 Milliarden Franken – ohne Immobilien. Das ist eine enorme Summe, doch der Austausch zwischen den verschiedenen Akteuren war fragmentiert. Es fehlte eine Plattform, auf der sich institutionelle Investoren, Unternehmer, Fondsmanager und Vertreter aus Politik und Wissenschaft auf Augenhöhe begegnen konnten. Diese Lücke wollten wir schliessen.

Das übergeordnete Swiss Capital Market Forum versteht sich als politisch unabhängig. Warum ist das wichtig?

Weil ehrliche Diskussionen nur ohne ideologische Scheuklappen funktionieren. Der Kapitalmarkt ist das Nervensystem unserer Volkswirtschaft. Wenn wir über Regulierung, Standortpolitik oder neue Anlageklassen sprechen, brauchen wir Fakten und unterschiedliche Perspektiven – keine Parteiprogramme. Unsere Veranstaltungen sollen Raum für persönliche Begegnungen und anregende Debatten schaffen, zum Wohl des gesamten Finanzplatzes.

Dieses Jahr haben Sie vier sehr unterschiedliche Panels zusammengestellt. Beginnen wir mit dem Thema Energie – moderiert von Jakob Schaad. Warum dieser Fokus?

Weil es uns alle umtreibt. Europa gestaltet sein Energiesystem unter massivem geopolitischem Druck neu. Das ist keine abstrakte politische Frage, sondern hat sehr konkrete Auswirkungen auf Portfolios. Die Frage, ob die energiepolitische Entkopplung von Russland in den Märkten bereits realistisch eingepreist ist, wird viel zu selten gestellt.

Was meinen Sie damit?

Viele Anleger unterschätzen nach meiner Einschätzung noch immer die Transitionsrisiken. Gleichzeitig entstehen enorme Chancen: Welche Energie-Assets werden zu langfristig stabilen, cashflow-starken Infrastrukturanlagen? Wo droht hingegen «stranded capital»? Und was bedeutet es, wenn Energiesicherheit plötzlich Vorrang vor Effizienz und Kosten erhält? Diese Fragen diskutiert Jakob Schaad mit Experten aus Energiemärkten, Private Capital, Equity Research und Energiediplomatie.

Darunter auch André Pienaar von C5 Capital, der im Beirat des US Institute for Peace sitzt. Ein ungewöhnlicher Gast für ein Investmentforum.

Gerade das macht es spannend. Energiepolitik ist heute untrennbar mit Sicherheitspolitik verbunden. Pienaar bringt eine Perspektive ein, die über reine Renditebetrachtungen hinausgeht. Daneben haben wir René Baggenstos, der als CEO von Enerprice und Direktor der IG Energiegase den Schweizer Markt kennt wie kaum ein Zweiter, Jens Zimmermann von Gabelli Funds für die Aktienanalyse-Sicht, und Nermina Terzić für die Dimension der globalen Energiediplomatie.

Das zweite Panel widmet sich Immobilien in der Entwicklungsphase. Ist das nicht ein eher traditionelles Thema?

Nur auf den ersten Blick. Development-Investments sind hochkomplex mit entsprechendem Risiko-Rendite-Profil. Real Estate ist eine Anlageklasse, die in den letzten Jahren viel Ernstes erlebt hat: steigende Zinsen, neue Regulatorik, ESG-Druck, volatile Kapitalmärkte – und gleichzeitig eine strukturelle Nachfrage, die ungebrochen bleibt. Andreas Campi, Geschäftsführer Entwicklung der Halter AG wird aus der Praxis berichten, wo die grössten Fallstricke liegen, aber auch wo echte Chancen entstehen, mit einem Blick in die Zukunft der Immobilienentwicklung. Das Timing ist günstig: Nach Jahren steigender Zinsen und Baukosten sortiert sich der Markt gerade neu. Dan Amar, CEO von foxstone zeigt dabei auch alternative Möglichkeiten der Anlageformen.

Beim Venture-Capital-Panel präsentiert die SECA ihren neuen Bericht. Wie steht die Schweizer VC-Szene da?

Thomas Heimann wird uns die neuesten Zahlen und Markt-Insights vorstellen. Danach wird es sehr praktisch: Im zweiten Teil geht es um VC-Exits – also die Frage, wie Verkäufe, Übernahmen und Exits in der Praxis funktionieren. Was müssen Käufer, Gründer und Fonds wissen? Tatiana Zakharova moderiert ein Panel mit Matthias Fehr von HBM Partners, Nils Granath von der ZKB und Cédric Mutz von Emerald Technology Ventures.

Das vierte Panel dreht sich um Kunst als Anlageklasse. Ist das nicht eher etwas für Liebhaber?

Diese Wahrnehmung wollen wir hinterfragen. Der Kunstmarkt hat sich professionalisiert, mit der ARTEX gibt es mittlerweile sogar eine eigene Börse für Kunstanteile. Frederick Nizard, der das Panel moderiert, kennt beide Welten – die des traditionellen Auktionshauses und die der neuen Handelsplattformen. Mit Tamer Ozmen, Gründer von Mintus Art Investments, Adam Chinn, dem früheren COO von Sotheby's, und Yassir Benjelloun-Touimi, Mitgründer von Artex, haben wir drei Protagonisten, die den Wandel aus erster Hand erlebt haben.

Globale alternative Anlagen sollen laut Prognosen von 16 Billionen Dollar auf 30 Billionen Dollar bis 2030 wachsen. Woher kommt dieser Boom?

Institutionelle Anleger schichten bewusst um. Die durchschnittliche Private-Equity-Allokation ist von etwa 4,3 auf fast 7 Prozent gestiegen. Die Gründe liegen auf der Hand: In einer Welt niedriger oder volatiler Zinsen suchen Pensionskassen und Versicherungen nach stabilen Cashflows und Inflationsschutz. Infrastruktur, Energiewende, digitale Netze – all das erfordert massives privates Kapital, das über klassische Anleihen oder Aktien nicht mobilisiert werden kann.

Was nehmen die Teilnehmer idealerweise mit nach Hause?

Konkrete Einschätzungen, neue Kontakte und vielleicht die eine oder andere Investmentidee. Das Forum dauert von 14 bis 18 Uhr, anschliessend gibt es bis 20 Uhr einen Networking-Apéro. Oft entstehen dort die interessantesten Gespräche.

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Am 4. Februar 2026 bringt das Swiss Alternative Investment Forum führende Entscheider aus Private Markets,
Alternative Investments und dem Schweizer Finanzplatz im Zunfthaus zur Zimmerleuten in Zürich zusammen.

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