27.10.2026, 07:09 Uhr
Der S&P 500 notiert nahe am Rekord, doch die Gewinne tragen immer weniger Titel. Johannes Hesche, Fondsmanager des ACATIS Value Event Fonds, hält dagegen: Bei vielen Qualitätsaktien passen steigende Gewinne und...
Seit heute ist an der SIX Swiss Exchange der VanEck China Semiconductor UCITS ETF handelbar. Er investiert in 25 chinesische Halbleiterhersteller und Ausrüster, die in klassischen Chip- und China-Portfolios kaum vorkommen. Die Wette gilt der chinesischen Selbstversorgung bei Chips, mit hoher Bewertung und hohen Schwankungen.
Nach Angaben von VanEck ist es der erste UCITS-ETF in Europa, der ausschliesslich in chinesische Halbleiterunternehmen investiert. Aufgelegt wurde der Fonds am 23. Oktober, die Gesamtkostenquote beträgt 0,65 Prozent. In den USA ist ein Schwesterprodukt unter demselben Ticker seit dem Sommer am Markt.
Der neue ETF ergänzt den VanEck Semiconductor UCITS ETF, der 2020 als erster Halbleiter-ETF Europas lanciert wurde. Laut ETF Book verwaltet dieser inzwischen mehr als 8 Milliarden US-Dollar und gehört zu den grössten Sektor-ETFs Europas. Seine Schwergewichte sind amerikanische und taiwanesische Konzerne. Chinesische Anbieter kommen darin praktisch nicht vor.
«China baut in diesem Bereich eine völlig unabhängige Wertschöpfungskette auf, vom Design über die Fertigung bis hin zur Verpackung», sagt Martijn Rozemuller, CEO Europa bei VanEck. «Dennoch sind diese chinesischen Unternehmen in herkömmlichen Halbleiter- oder allgemeinen China-Portfolios kaum vertreten. Mit unserem ETF wollen wir diese Lücke für Anleger schliessen.»
China gehört weltweit zu den grössten Abnehmern von Chips, hat aber lange deutlich weniger produziert, als es selbst benötigt. Die Selbstversorgung ist zur nationalen Priorität geworden, Peking lenkt gezielt Gelder in heimische Anbieter. Das zeigt sich bei den Investitionen in Produktionsanlagen: Laut dem Branchenverband SEMI wurden 2025 in China Halbleiterausrüstungen für 49,3 Milliarden US-Dollar verbaut. Das war gut ein Drittel des weltweiten Volumens von 135,1 Milliarden US-Dollar und mehr als in jedem anderen Land. Taiwan folgte mit 31,5 Milliarden, Südkorea mit 25,8 Milliarden US-Dollar.
«Das Ergebnis ist ein gesichertes Auftragsbuch, das es den chinesischen Unternehmen ermöglicht, zu wachsen, bevor sie sich hinsichtlich Kosten und Qualität im weltweiten Wettbewerb behaupten müssen», sagt Moritz Henkel, Produktmanager bei VanEck.
Verstärkt wird diese Entwicklung durch die verschärften US-Exportkontrollen. Wo westliche Anbieter den Zugang zum chinesischen Markt verlieren, springen heimische Firmen ein. VanEck nennt zwei Beispiele: Chinesische Rechenzentren, die keine Nvidia-Grafikprozessoren mehr kaufen können, wenden sich an Cambricon. Chipfabriken, die keine Anlagen von Applied Materials oder Lam Research mehr erhalten, greifen auf NAURA zurück.
Für VanEck ist der geopolitische Druck deshalb nicht nur ein Risiko, sondern auch eine Chance. Er kann allerdings in beide Richtungen wirken: Neue Sanktionen, Handelsbeschränkungen oder Eingriffe Pekings können die Kurse ebenso stark belasten.
Der ETF bildet den MarketVector China Semiconductor 10% Capped Screened Index ab. Aufgenommen werden nur Unternehmen, die mindestens 50 Prozent ihres Umsatzes mit Halbleitern oder Halbleiterausrüstung erzielen. Konzerne, für die Chips nur ein Nebengeschäft sind, bleiben aussen vor. Einzelne Positionen sind auf 10 Prozent begrenzt. Der Fonds repliziert physisch und thesauriert die Erträge.
Wie das Portfolio aussieht, zeigt der US-Schwesterfonds, der den verwandten MarketVector China Semiconductor 25 Index abbildet. Zu dessen grössten Positionen gehörten im Sommer der KI-Chip-Entwickler Cambricon, der Prozessorhersteller Hygon, die Ausrüster Advanced Micro-Fabrication Equipment (AMEC), NAURA und Piotech sowie der Speicherchip-Spezialist GigaDevice. Die zehn grössten Titel machten knapp 60 Prozent aus.