20.03.2026, 06:19 Uhr
Die Genfer Privatbank Lombard Odier und der britische Vermögensverwalter Polar Capital spannen zusammen – und lancieren einen gemeinsamen Fonds, der gezielt auf Wachstum im globalen Gesundheitsbereich setzt. Der...
Eine grosse Umfrage unter den wichtigsten Sekundärmarkt-Investoren zeichnet ein erstaunlich optimistisches Bild. Trotz geopolitischer Spannungen und Zollstreitigkeiten blickt die Branche, die für das Funktionieren von Private Equity zentral ist, mit breiter Brust auf 2026.
Es gibt Märkte, die sich von der Welt da draussen kaum beeindrucken lassen. Der Private-Equity-Sekundaermarkt scheint gerade einer davon zu sein. Das Beratungshaus Houlihan Lokey hat für seinen ersten sogenannten LP Compass 58 der aktivsten Käufer und Verkäufer von Sekundärmarktbeteiligungen befragt. Herausgekommen ist ein Stimmungsbild, das man in dieser Klarheit selten sieht: Euphorie, gepaart mit konkreten Zahlen.
Das wichtigste Ergebnis zuerst: 86 Prozent der Befragten erwarten, dass das Handelsvolumen im Jahr 2026 neue Rekorde bricht. Das wäre eine aussergewöhnliche Leistung, denn 2025 war nach Schätzungen von Houlihan Lokey bereits ein historisches Jahr mit einem Transaktionsvolumen von rund 225 Milliarden US-Dollar. Nur 2 Prozent der Teilnehmer rechnen mit einem Rückgang, und selbst diese kleine Minderheit erwartet lediglich einen moderaten Einbruch.
Was treibt diesen Optimismus? Die Antwort liegt weniger in einer einzelnen grossen Entwicklung als in einem Zusammenspiel mehrerer Faktoren. An erster Stelle steht das, was Investoren als «Liquiditätsproblem» kennen: Private-Equity-Fonds schütten schlicht zu wenig aus, weil traditionelle Exitwege wie Unternehmensverkäufe und Börsengänge kaum funktionieren. 81 Prozent der Befragten nennen den Mangel an Ausschüttungen als zentralen Wachstumstreiber, 71 Prozent verweisen auf den schwachen Markt für Fusionen, Übernahmen und Börsengänge.
Das klingt paradox: Ein gestörtes Marktumfeld als Wachstumsmotor. Aber genau das ist die Logik des Sekundärmarkts. Wer sein Geld nicht zurückbekommt, verkauft eben seinen Fondsanteil an jemanden anderen.
Doch der Sekundärmarkt ist längst kein reines Notventil mehr für gedrängte Investoren. Knapp 70 Prozent der Befragten sehen das Wachstum ausserhalb klassischer Buyout-Strategien als wichtigen Treiber, etwa in den Bereichen Infrastruktur und Private Credit. Zwei Drittel verweisen auf neue Kapitalstroeme aus sogenannten Evergreen-Fonds und anderen Retailprodukten, die den Markt fuer Privatanleger oeffnen. Fast die Hälfte sieht neue institutionelle Investoren als weitere Impulsgeber.
Das ist eine strukturelle Verschiebung, keine Eintagsfliege. Der Sekundärmarkt reift von einem Spezialitäten-Segment zu einem zentralen Werkzeug des Portfoliomanagements heran.
Wer in einem boomenden Markt auf guenstige Einkaufspreise hofft, wird von der Umfrage ernuechert. 96 Prozent der Befragten rechnen damit, dass die Preise 2026 stabil bleiben oder leicht steigen. Nur 4 Prozent erwarten einen moderaten Rückgang, niemand einen signifikanten Einbruch.
Konkret zeigte sich das bereits in der zweiten Jahreshälfte 2025: Bei LP-gefuehrten Transaktionen wurden fast ein Drittel der Deals zu 90 Prozent des Nettoinventarwerts oder darueber abgeschlossen, 7 Prozent sogar zu pari oder hoeher. Gleichzeitig wurden mehr als ein Viertel der Deals unter 80 Prozent des Nettoinventarwerts gehandelt, typischerweise ältere, schwerer verkäufliche Portfoliorückstände.
Bei GP-gefuehrten Transaktionen, bei denen ein Fondsmanager selbst den Prozess initiiert, wird in der Regel zu pari oder mit nur minimalem Abschlag gehandelt. Das spiegelt den Charakter dieser Dealsstruktur wider: Es geht meist um einzelne Topunternehmen, nicht um gemischte Fondsanteile.
Interessant ist, was die Befragten von den verschiedenen Dealtypen erwarten. Bei LP-Transaktionen sind die Ansprueche vergleichsweise bescheiden: Mehr als 80 Prozent der Investoren zielen auf das 1,5 bis 1,75-fache des eingesetzten Kapitals, was dem kuerzeren Anlagehorizont und der breiteren Diversifikation entspricht.
Bei Multi-Asset-GP-Transaktionen liegt die Messlatte höher. Mehr als zwei Drittel der Investoren peilen hier das Zweifache oder mehr an. Den ehrgeizigsten Appetit zeigen Investoren bei sogenannten Single-Asset-GP-Transaktionen, bei denen ein Fondsmanager sein bestes Einzelunternehmen in ein Fortsetzungsvehikel transferiert: Neun von zehn Investoren in diesem Segment visieren das Zweifache oder mehr an, fast ein Viertel sogar das Zwei-komma-fuenf-fache.
Das Risiko ist dabei klar eingepreist. Wer alles auf eine Karte setzt, will dafür auch entsprechend belohnt werden.
Wo fliesst das Kapital hin? Die Antwort ist wenig überraschend, aber aufschlussreich. 86 Prozent der Befragten bevorzugen die USA, 74 Prozent Europa. Kanada folgt mit 50 Prozent auf Rang drei. Asien spielt mit nur 17 Prozent eine untergeordnete Rolle, der Rest der Welt kommt auf null.
Das zeigt, wie eng der Sekundärmarkt trotz seiner Grösse geographisch konzentriert ist. Und es zeigt das Wachstumspotenzial, das in Asien, Lateinamerika und dem Nahen Osten noch brach liegt.
Bei den Strategien dominiert eindeutig der klassische Buyout: 86 Prozent der Investoren setzen hier ihren Fokus. Growth-Strategien folgen mit 47 Prozent, Fondsbeteiligungen und Co-Investments mit rund einem Viertel. Bemerkenswert ist, dass insgesamt 42 Prozent der Investoren identifizierbare Einzelanlagen bevorzugen, anstatt wie bisher üblich in blinde Pools zu investieren.
Branchenmässig liegen Business Services (74 Prozent), Technologie (71 Prozent) und Gesundheitswesen (69 Prozent) vorne. Zyklische Sektoren wie Konsumgüter und Energie sind weniger gefragt.
Kein Thema wird im Sekundärmarkt so hitzig diskutiert wie die sogenannten GP-gefuehrten Transaktionen, bei denen ein Fondsmanager Unternehmen aus einem auslaufenden Fonds in ein neues Vehikel ueberfuehrt. Kritiker sprechen von Interessenkonflikten und Selbstbedienung. Die Umfrage zeichnet ein differenziertes Bild.
Die überwiegende Mehrheit, 85 Prozent, sieht die Qualität dieser Deals als stabil oder leicht verbessert an, obwohl das Volumen in diesem Segment 2025 um rund 50 Prozent zugelegt hat. 69 Prozent sehen keine Veränderung der Qualität, 16 Prozent sogar eine leichte Verbesserung. Nur 2 Prozent sprechen von einer signifikanten Verschlechterung.
Auch die Frage nach den Motiven wird ueberwiegend positiv beantwortet: 74 Prozent der Befragten sagen, GP-gefuehrte Transaktionen werden «meistens» oder «fast immer» aus den richtigen Gruenden durchgefuehrt, nämlich um Kapital zurueckzufuehren und weiteres Wachstum zu finanzieren. Ein Viertel sieht das nur «etwa halb der Zeit» als gegeben an.
Entscheidend für den Erfolg solcher Deals ist die Beziehung zwischen Manager und Investor. Neun von zehn aktiven Sekundärmarktinvestoren sagen, dass sie bei gleichen Rendite- und Risikofaktoren eher in GP-Transaktionen investieren, wenn sie den Manager persönlich kennen. Und mehr als die Hälfte nimmt nur an Deals teil, bei denen der Manager selbst erheblich mehr als 5 Prozent des Gesamtdealvolumens einbringt. Ein Drittel setzt sogar eine Eigenbeteiligung von 10 Prozent oder mehr voraus.
Angesichts der Debatten um globale Handelskonflikte und Zölle ist ein Ergebnis besonders bemerkenswert: Zwei von drei Investoren sehen in Zollkriegen keinerlei Auswirkungen auf den Sekundärmarkt. Unter der Minderheit, die einen Einfluss erkennt, herrscht Uneinigkeit darüber, ob dieser eher volumensteigernd oder volumenbremsend wirkt. In einem sind sich aber alle einig: Kein einziger aktiver Sekundärmarktinvestor glaubt, dass Zoelle die durchschnittlichen Preise in die Hoehe treiben.
Der Sekundärmarkt ist erwachsen geworden. Was einst als Nischengeschäft fuer notleidende Fondsanteile begann, ist heute ein globales, vielschichtiges Segment mit eigenen Regeln, eigener Preislogik und wachsendem Selbstbewusstsein. Die Zahlen aus der Houlihan-Lokey-Umfrage zeigen: Die Branche wächst nicht trotz eines schwierigen Umfelds, sondern in Teilen genau deswegen.
Die grossen offenen Fragen bleiben. Was passiert, wenn die Exitmärkte wieder anspringen und Fusionen, Übernahmen und Börsengänge zurückkehren? Dann könnte ein zentraler Wachstumstreiber wegfallen. Und wie entwickelt sich die Qualität der GP-geführten Deals, wenn immer mehr Manager diesen Weg gehen?
Für 2026 überwiegt der Optimismus. Aber wie jeder reife Markt weiss: Rekorde sind dazu da, irgendwann gebrochen zu werden.