Nordea: Wie der Irankrieg Europas Energiewende beschleunigt

Hilde Jenssen, Head of Fundamental Equities und Co-Portfoliomanagerin der Nordea Empower Europe Strategie (Bild: Nordea)
Hilde Jenssen, Head of Fundamental Equities und Co-Portfoliomanagerin der Nordea Empower Europe Strategie (Bild: Nordea)

Der Konflikt im Nahen Osten verändert die europäische Energiepolitik – nicht durch eine akute Versorgungskrise, sondern durch einen wachsenden Druck zur Unabhängigkeit. Profiteure sind vor allem Unternehmen der Stromnetzinfrastruktur, schreibt die Nordea-Spezialistin Hilde Jenssen.

26.03.2026, 12:25 Uhr

Redaktion: asc

Der Krieg gegen den Iran hinterlässt seine Spuren weit über die Region hinaus. In Europa wirkt er als stiller Beschleuniger einer Transformation, die ohnehin längst in Gang ist: der Abkehr von fossilen Energieimporten und dem Aufbau einer eigenständigen, elektrifizierten Energieversorgung, schreibt Hilde Jenssen, Head of Fundamental Equities und Co-Portfoliomanagerin der Nordea Empower Europe Strategie in einer Analyse.

Dabei sei es weniger eine akute Gasmangellage, die Europa antreibt, als eine anhaltende geopolitische Risikoprämie, so Jenssen weiter. Ölpreise, Transportwege und die Instabilität im Nahen Osten erinnern den Kontinent regelmässig daran, wie verwundbar er geblieben ist - trotz allem. Denn Europa bezieht nach wie vor einen erheblichen Teil seines Erdgases aus Regionen, über die es keine politische Kontrolle hat.

300 Milliarden Euro für die Unabhängigkeit

Die Antwort der Europäischen Union heisst REPowerEU. Mit einem Investitionsvolumen von rund 300 Milliarden Euro zielt das Programm darauf ab, Importabhängigkeiten strukturell zu brechen - durch den Ausbau erneuerbarer Energien, Speicherlösungen, Effizienzmassnahmen und vor allem: durch die Modernisierung der Stromnetze.

Genau hier liegt der eigentliche Engpass. Transformatoren, Hochspannungskabel, digitale Steuerungssysteme - die physische Infrastruktur des Stroms ist das Nadelöhr der Energiewende. Ohne leistungsfähige Netze können weder Windparks noch Solaranlagen ihr Potenzial entfalten. Gleichzeitig wächst die Nachfrage rasant: Rechenzentren, Elektromobilität und die Reindustrialisierung Europas verlangen nach immer mehr gesicherter Kapazität, kommt die Nordea-Spezialistin zum Schluss.

Elektrifizierung als Investitionsthema

Für Anleger verschiebt sich damit der Fokus. Weg von volatilen Rohstoffpreisen, hin zu regulierten Infrastrukturen mit langfristig gesicherten Ertragsströmen. Wärmepumpen, Gebäudeeffizienz und intelligente Verbrauchssteuerung ergänzen das Bild: Sie senken den Gasverbrauch und machen das Gesamtsystem stabiler - ein doppelter Gewinn aus energiepolitischer wie wirtschaftlicher Sicht.

Was sich abzeichnet, ist ein Investitionszyklus, der nicht von Quartalskonjunktur oder Rohstoffhausse abhängt, sondern von einem strukturellen Umbau, der politisch gewollt, regulatorisch abgesichert und geopolitisch zwingend geworden ist.

Der Krieg im Iran liefert dazu keinen Startschuss - aber er drückt unübersehbar aufs Gaspedal.

Alle Artikel anzeigen

Diese Website verwendet Cookies, um Ihnen eine bestmögliche Nutzung zu ermöglichen. Mit der Annahme der Cookies bestätigen Sie, dass Sie ein professioneller Anleger mit Sitz in der Schweiz sind.> Datenschutzerklärung