26.02.2026, 08:49 Uhr
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat ihren Leitzins zuletzt im Juni 2025 bewegt – eine Senkung auf null Prozent. Seither herrscht Stillstand. Laut der aktuellen Zinsprognose von Raiffeisen Schweiz sieht die SNB...
Meta will laut verschiedenen Medienberichten im zweiten Halbjahr 2026 Dollar-Stablecoins in Facebook, Instagram und WhatsApp integrieren. Statt eines eigenen Tokens setzt Meta auf regulierte Partner – und könnte damit drei Milliarden Nutzer an tokenisiertes Geld heranführen.
Die Nachricht klingt wie ein Déjà-vu – und ist doch grundlegend anders. Meta, der Konzern hinter Facebook, Instagram und WhatsApp, bereitet offenbar eine Integration von Stablecoin-Zahlungen in seine Apps vor. Berichten zufolge hat das Unternehmen bereits Ausschreibungen an Infrastrukturpartner verschickt; als Favorit gilt das Duo Stripe und dessen Tochter Bridge, die im Februar 2026 eine nationale Trust-Bank-Charter der US-Aufsichtsbehörde OCC erhalten hat.
Meta will im Vergleich zum gescheiterten Libra-Projekt diesmal keinen eigenen Token ausgeben. Stattdessen sollen regulierte, bereits existierende Dollar-Stablecoins eines lizenzierten Partners zum Einsatz kommen. Der Infrastrukturpartner übernimmt Emission, Compliance und Abwicklung – Meta konzentriert sich auf Wallet, Benutzeroberfläche und die Distribution in seinen Plattformen.
Im Fokus stehen zunächst konkrete, eng umrissene Anwendungsfälle: günstigere und schnellere Auszahlungen an Content Creator sowie grenzüberschreitende Zahlungen, insbesondere bei kleineren Beträgen um 100 Dollar, die heute durch Überweisungs- und Wechselkursgebühren stark belastet sind. Ein typischer Ablauf könnte künftig so aussehen: Ein Creator in Brasilien erhält ein Honorar in einem Dollar-Stablecoin direkt in eine Meta-Wallet – und tauscht es vor Ort in die lokale Währung, ohne klassische Korrespondenzbank-Ketten.
Das geplante Zeitfenster für den Start: die zweite Jahreshälfte 2026. Die Grundlagen dafür wurden schrittweise gelegt. 2024 übernahm Stripe das Stablecoin-Infrastrukturunternehmen Bridge, 2025 liefen Gespräche über die technische Integration, und Anfang 2026 erhielt Bridge die regulatorische Genehmigung als nationale Treuhandgesellschaft.
Die Erinnerung an Libra, später umbenannt in Diem, sitzt bei Regulierern und in der Öffentlichkeit tief. Das Projekt war als eine Art privates Globalgeld mit einem Korb aus verschiedenen Vermögenswerten konzipiert worden – und scheiterte am massiven Widerstand von Aufsichtsbehörden weltweit, die es als potenzielles Systemrisiko einstuften.
Der neue Ansatz ist bewusst bescheidener: Meta ordnet sich in das entstehende US-Rahmenwerk für Zahlungs-Stablecoins ein, etwa den Genius-Act von 2025, der einen bundesweiten regulatorischen Rahmen schafft. Die aufsichtsintensiven Funktionen werden an einen spezialisierten, lizenzierten Finanzpartner verlagert. Ein «Arm’s-Length»-Ansatz, der den direkten regulatorischen Druck auf Meta selbst minimieren soll.
Ignacio Aguirre, Chief Marketing Officer beim Krypto-Handelsplatz Bitget, sieht in den Plänen einen möglichen Wendepunkt für die gesamte Branche. Der Signaleffekt sei enorm: Wenn eine globale Technologieplattform dieser Grössenordnung unter konformen Strukturen erneut auf Blockchain-basierte Zahlungen setze, zeige dies ein neues Vertrauen in die Krypto-Infrastruktur.
Die möglichen Auswirkungen auf den Markt sind erheblich. Mehr als drei Milliarden Menschen könnten erstmals einen nahezu unsichtbar integrierten Zugang zu tokenisiertem Geld erhalten – ohne bewusst «in die Kryptowelt einsteigen» zu müssen. Aus Sicht der Marktstruktur dürfte dies die Liquiditätsrotation in Stablecoins und verwandten Ökosystemen deutlich erhöhen, On-Chain-Abwicklungsebenen stärken und die Kapitaleffizienz beschleunigen.
Zugleich könnte der Schritt von Meta den Wettbewerbsdruck auf andere Plattformen erhöhen. Konkurrenten wie X oder Telegram dürften nachziehen – was Stablecoins als De-facto-Standard für digitale Dollar-Zahlungen weiter etablieren würde. Auch Banken und klassische Zahlungsdienstleister erhalten ein Signal, dass die Infrastruktur reif für den Massenmarkt ist.
Unklar bleibt indes vieles: welcher Stablecoin konkret zum Einsatz kommt (USDC gilt als wahrscheinlichster Kandidat), ob Transaktionen on-chain sichtbar oder vollständig abstrahiert werden und wie die KYC- und Geldwäschepräventionsanforderungen in Schwellenländern umgesetzt werden sollen. Auch die Abhängigkeit von einem einzigen Infrastrukturpartner und die Konzentration von Zahlungsdaten bei Meta dürften neue Diskussionen über Wettbewerb, Datenschutz und Systemrelevanz auslösen.
Eines aber ist bereits jetzt klar: Sollte Meta die Pläne tatsächlich umsetzen, wäre es der bislang grösste Versuch, Stablecoins aus der Krypto-Nische in den digitalen Alltag von Milliarden Menschen zu bringen – nicht als Revolution, sondern als stille Integration in bestehende Geldflüsse.