J.P. Morgan Asset Management: Der Dollar als sicherer Hafen – ein Auslaufmodell?

Der US-Dollar war jahrelang der Fels in der Brandung für internationale Anleger. Doch sein Status als sicherer Hafen bekommt zunehmend Risse. Für Tilmann Galler, globaler Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management, stellt sich die Frage: Wie viel Amerika verträgt das Portfolio künftig noch?

02.02.2026, 09:27 Uhr

Redaktion: asc

Die Dominanz amerikanischer Vermögenswerte hat in den vergangenen Jahren zu einer schleichenden Dollarisierung vieler Portfolios geführt. «Der USD-Anteil in einem klassischen globalen 60:40-Portfolio stieg von 41 Prozent Anfang 2011 auf 57 Prozent Ende Oktober 2025», stellt Tilmann Galler, globaler Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management, fest. Trotz der diesjährigen Abwertung bleibe der Greenback teuer: «Wir schätzen, dass der US-Dollar immer noch 7 Prozent über dem fairen langfristigen Wert liegt.»

Wenn der Dollar fällt, fallen auch US-Aktien

Die Geschichte seit dem Ende des Bretton-Woods-Systems zeigt laut Galler einen klaren Zusammenhang: In Phasen eines starken Dollars übertrafen US-Aktien den Rest der Welt, in Schwächephasen war es umgekehrt. «Eine zukünftig stärkere Berücksichtigung der Aktienmärkte ausserhalb der USA ist deshalb attraktiv, sollte sich die Abwärtsbewegung des Greenbacks fortsetzen», folgert der Stratege.

Wie stark Währungseffekte die Rendite beeinflussen, zeigte das Jahr 2025 eindrücklich: Der S&P 500 legte in Lokalwährung bis Ende November um 18 Prozent zu – für nicht abgesicherte Euro-Anleger blieben davon nur 5 Prozent übrig.

Absicherung? Nur bedingt sinnvoll

Ein vollständiger Rückzug aus dem Dollar erscheint Galler gleichwohl übertrieben. Die langfristigen Prognosen von J.P. Morgan Asset Management sehen den fairen Euro-Dollar-Kurs bei 1,26 bis 2038 – das entspricht einem jährlichen Währungsverlust von lediglich 0,6 Prozent. «Dem stehen die aktuell hohen kurzfristigen jährlichen Absicherungskosten von 1,8 Prozent gegenüber», gibt Galler zu bedenken. Bei einem geordneten Dollarrückgang lohne sich diese Versicherungsprämie kaum. Selbst zehnjährige US-Staatsanleihen mit 4,2 Prozent Rendite blieben in diesem Szenario attraktiver als Bundesanleihen mit 2,9 Prozent. Anders sähe es bei einem ungeordneten Absturz des Dollars aus. «Die Hinzunahme von währungsgesicherten Strategien kann dieses Restrisiko mindern», so Galler.

Der sichere Hafen bröckelt

Besonders beunruhigend findet der Kapitalmarktstratege eine andere Entwicklung: Der Dollar verliert seine Schutzfunktion. In den vergangenen zehn Jahren war die Korrelation zwischen Dollar und US-Aktien fast durchgehend negativ – stieg die Angst, stieg auch der Dollar. Das bot Anlegern einen natürlichen Puffer.
Dieser sichere Hafen-Status scheine jedoch nicht mehr so solide zu sein, warnt Galler. 2025 habe sich das Bild gewandelt: «Protektionistische Handelspolitik, Verschuldungspolitik und Druck auf die Notenbank haben das Vertrauen der Märkte in die Weltreservewährung erschüttert.» Die Korrelation zwischen Dollar und US-Aktienmarkt sei deutlich gestiegen. Wenn sich die US-Politik weiterhin als inflationär und destabilisierend erweist, dürfte der Dollar zukünftig seine positiven Diversifikationseffekte verlieren.

Für Anleger hiesse das: Nur eine breite internationale Diversifizierung kombiniert mit selektiven Absicherungsstrategien könne die Risiken sowohl eines geordneten als auch eines abrupten Dollarrückgangs abfedern.

Tilmann Galler, globaler Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management
Tilmann Galler, globaler Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management

«Dem stehen die aktuell hohen kurzfristigen jährlichen Absicherungskosten von 1,8 Prozent gegenüber», gibt Galler zu bedenken. Bei einem geordneten Dollarrückgang lohne sich diese Versicherungsprämie kaum. Selbst zehnjährige US-Staatsanleihen mit 4,2 Prozent Rendite blieben in diesem Szenario attraktiver als Bundesanleihen mit 2,9 Prozent. Anders sähe es bei einem ungeordneten Absturz des Dollars aus. «Die Hinzunahme von währungsgesicherten Strategien kann dieses Restrisiko mindern», so Galler.
Besonders beunruhigend findet der Kapitalmarktstratege eine andere Entwicklung: Der Dollar verliert seine Schutzfunktion. In den vergangenen zehn Jahren war die Korrelation zwischen Dollar und US-Aktien fast durchgehend negativ – stieg die Angst, stieg auch der Dollar. Das bot Anlegern einen natürlichen Puffer.

Dieser sichere Hafen-Status scheine jedoch nicht mehr so solide zu sein, warnt Galler. 2025 habe sich das Bild gewandelt: «Protektionistische Handelspolitik, Verschuldungspolitik und Druck auf die Notenbank haben das Vertrauen der Märkte in die Weltreservewährung erschüttert.» Die Korrelation zwischen Dollar und US-Aktienmarkt sei deutlich gestiegen. Wenn sich die US-Politik weiterhin als inflationär und destabilisierend erweist, dürfte der Dollar zukünftig seine positiven Diversifikationseffekte verlieren.

Für Anleger heisst das laut Galler: Nur eine breite internationale Diversifizierung kombiniert mit selektiven Absicherungsstrategien könne die Risiken sowohl eines geordneten als auch eines abrupten Dollarrückgangs abfedern.

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