30.03.2026, 09:26 Uhr
Vanguard zeigt mit einer neuen Simulation, dass selbst der sprichwörtliche «Pechvogelinvestor» mit einem globalen Aktienportfolio langfristig deutlich besser fährt als mit Bargeld auf dem Sparkonto.
Die Eskalation im Nahen Osten hat im März die Finanzmärkte aufgewühlt: Ein Ölpreisanstieg von 50 Prozent liess kurzzeitig das Gespenst der Stagflation aufsteigen. Die Anlagestrategen von Swisscanto halten das Szenario für übertrieben – und nutzen die Verwerfungen gezielt für Umschichtungen.
Was zunächst nach einem kurzen militärischen Eingriff aussah, weitete sich zu einem handfesten Engpass bei den Erdöl- und Erdgaslieferungen nach Asien und Europa aus. Der folgende Ölpreisschock liess die Finanzmärkte zeitweise ein Stagflationsszenario einpreisen: steigende Inflation, gezwungene Zinserhöhungen der Notenbanken, gebremste Konjunktur. Die Swisscanto-Strategen um Chefstratege Stefano Zoffoli widersprechen diesem Narrativ entschieden: Da die Teuerung im Wesentlichen auf höhere Energiepreise zurückzuführen sei und nicht auf breit angelegte Lohn- und Preisdynamiken wie 2022, sei eine Stagflation nicht gerechtfertigt. Ihr Hauptszenario: Aus wahltaktischen Gründen – der Kaufkraftverlust der US-Konsumenten belastet die Republikaner vor den Zwischenwahlen im November – sei eine baldige Deeskalation im Nahen Osten das wahrscheinlichste Ergebnis.
Die auffälligsten Marktverzerrungen sehen die Strategen bei den Anleihen. Wurden im Februar noch Zinssenkungen der US-Fed erwartet, preist der Markt inzwischen Erhöhungen ein – eine Kehrtwende, die Swisscanto für überzogen hält. Entsprechend erhöht die Gesellschaft die Duration bei globalen Staatsanleihen. Allein ein Rückgang der US-Renditen auf das Niveau von Anfang März würde bei einer 20-jährigen Anleihe Gewinne von rund 5 Prozent auslösen. Gleichzeitig wird die Position in australischen Staatsanleihen geschlossen, nachdem der australische Dollar gegenüber dem Franken um rund 8 Prozent zulegte.
Trotz eines Minus von rund 8 Prozent beim globalen Aktienmarkt seit dem Höchststand Ende Februar bleibt Swisscanto bei Aktien übergewichtet. Die nachlassende Euphorie, kombiniert mit weiter wachsenden Unternehmensgewinnen, stütze diese Haltung. Regional werden jedoch Anpassungen vorgenommen: US-Aktien werden reduziert, da sich neben dem Energiepreisschock auch Risse am Arbeitsmarkt und im Private-Credit-Bereich zeigen. Schwellenländer-Positionen werden ebenfalls gestutzt, weil Anleger bei den grossen KI-Firmen zu ambitionierte Erwartungen einpreisten. Aufgestockt wird hingegen der Schweizer Aktienmarkt: Die Abstrafung des defensiven Marktes im März sei durch die Probleme bei Grosskonzernen und zyklischen Titeln nicht vollständig erklärbar – und das Aufholpotenzial entsprechend attraktiv.
Im Währungsbereich wird der US-Dollar zugunsten des Japanischen Yen reduziert. Der JPY bewegt sich nahe seinem historischen Tiefstand von 160 JPY/USD aus dem Jahr 2024; eine dreijährige Inflationsrate von 3 Prozent und US-Druck wegen des japanischen Handelsüberschusses sprechen für eine Aufwertung. Bei den alternativen Anlagen bleibt Gold nach der Kurskorrektur übergewichtet. Bewährt haben sich im turbulenten März Insurance-Linked Bonds, die erfolgreich zur Diversifikation beitrugen.