23.01.2026, 13:57 Uhr
Die Abhängigkeit von russischem Gas ist gesunken, doch neue Risiken entstehen – von amerikanischem LNG bis zu chinesischen Lieferketten. Was das für Energieinvestoren bedeutet, erklärt Dr. Oec. Publ. Jakob Schaad...
Der Vermögensverwalter J.P. Morgan Asset Management skizziert Szenarien, die an den Anleihenmärkten für Bewegung sorgen könnten – von einer flachen US-Zinskurve unter drei Prozent bis zu Rekordtiefs bei Hochzins-Spreads.
Die Anleihenmärkte könnten 2026 vor unerwarteten Entwicklungen stehen. Bob Michele, Anleihenchef bei J.P. Morgan Asset Management, hat mit seinem Team fünf Überraschungsszenarien identifiziert, deren Eintrittswahrscheinlichkeit bei mindestens eins zu drei liegt – die aber in der aktuellen Marktpreisbildung kaum berücksichtigt seien.
«Die Dynamik an den Anleihemärkten wird 2026 von Faktoren bestimmt, die weit über das Basisszenario hinausgehen», so Michele. Er sieht ein Umfeld, in dem US-Finanzpolitik und technisches Kaufinteresse zu Extremwerten führen könnten.
Das erste Szenario betrifft die US-Zinskurve: Diese könnte bis zur zehnjährigen Laufzeit komplett abflachen und unter die Drei-Prozent-Marke fallen. Voraussetzung wäre, dass die Fed die Zinsen in Richtung eines neutralen Niveaus von 2,5 bis 3,0 Prozent senkt, während die Inflation durch das Auslaufen von Zolleffekten weiter zurückgeht. Zusätzliche Nachfrage nach kurzlaufenden Staatsanleihen könnte von der wachsenden Bedeutung von Dollar-Stablecoins ausgehen.
Beim Goldpreis hält Michele einen Anstieg auf bis zu 5.000 Dollar je Unze für möglich. Das Edelmetall biete weiterhin eine gute Absicherung gegen Extremrisiken. Historisch tendiere Gold nach Beginn von Fed-Lockerungszyklen zur Rallye: In den vergangenen zehn Zinssenkungszyklen sei der Preis in 80 Prozent der Fälle innerhalb von sechs Monaten gestiegen, im Schnitt um elf Prozent.
Am US-Hochzinsmarkt könnten die Spreads laut Michele auf ein neues Rekordtief fallen. Das bisherige Allzeittief lag 2007 bei 233 Basispunkten. Die Kreditmärkte dürften die negativen Effekte von Zöllen hinter sich lassen, während starke technische Faktoren stützen: Die Fälligkeiten seien weit über 2026 hinaus verlängert worden, die Ausfallraten blieben niedrig.
Auch beim Dollar sieht der J.P.-Morgan-Experte Potenzial nach oben. Ein neues Zyklushoch beim Dollar-Index erscheine möglich, nachdem sich die befürchtete Abkehr vom Dollar nicht bewahrheitet habe. Die US-Kapitalmärkte blieben die liquidesten der Welt.
Schliesslich prognostiziert Michele eine Verdreifachung des Anteils von Schwellenländer-Staatsanleihen, die mit negativem Spread gegenüber US-Treasuries handeln. Kandidaten seien vor allem Emittenten aus dem Nahen Osten, gestützt durch starke Fundamentaldaten dank Öleinnahmen.
Ein Blick zurück auf 2025 zeigt, dass das Team mit einigen Prognosen richtig lag: Schwellenländeranleihen erzielten zweistellige Renditen, Hochzinsanleihen schlugen Investment-Grade-Papiere zum fünften Mal in Folge. Bei anderen Szenarien räumt Michele ein: «Die Begründungen waren korrekt, die Prognosen aber vielleicht etwas zu ambitioniert.»