30.03.2026, 09:26 Uhr
Vanguard zeigt mit einer neuen Simulation, dass selbst der sprichwörtliche «Pechvogelinvestor» mit einem globalen Aktienportfolio langfristig deutlich besser fährt als mit Bargeld auf dem Sparkonto.
Vor etwas weniger als einem 1 Jahr legte ACATIS Investment den ACATIS Euro High Yield auf (21.05.2025), einen Rentenfonds, der überwiegend in hochverzinsliche, auf Euro lautende Anleihen investiert. Der Fonds verfolgt eine Value-Strategie, wobei der Fokus auf der Identifikation unterbewerteter Anleihen durch fundamentale Analyse liegt. Wie die Qualität des Geschäftsmodells, die Managementkompetenz und die langfristige Bilanzstärke bewertet werden erklärt Fondsmanager Tobias Engl im Interview.
Herr Engl, welches waren Ihre Top-Käufe und -Verkäufe seit Anfang 2026?
Bei den Käufen fallen vor allem zwei Positionen ins Auge: der polnische Paketdienstleister InPost und PeopleCert, ein britischer Spezialist für die Bewertung und Zertifizierung beruflicher Fähigkeiten. An Verkäufen gibt es aus dem Januar nichts Nennenswertes zu berichten. Wir haben unsere Neuerwerbungen finanziert, indem wir Cash abgebaut haben.
Was heisst das für die Cash-Quote des ACATIS Value Event Fonds?
Die liegt aktuell bei neun Prozent. Zudem haben wir noch zwischen sechs und sieben Prozent in Kurzläufern, die wir jederzeit liquidieren können. Insgesamt stehen uns also rund 15 Prozent des Fondsvolumens zur Verfügung, falls sich kurzfristig Kaufchancen auftun.
Warum war InPost eine Kaufgelegenheit?
Die Anleihe hatten wir schon länger auf der Watchlist. Bei einem Kurs von 100,5 Prozent und einem Zinskupon von vier Prozent war uns die Rendite angesichts eines BB+-Ratings jedoch nicht attraktiv genug. Am 6. Januar kam dann ein Übernahmeangebot, das den Kurs auf 96 Prozent drückte. Das war für uns der Moment, zuzugreifen.
Der Kurs der Anleihe ist gefallen, während die Aktie einen Sprung um mehr als 20 Prozent nach oben machte?
Auf der Anleiheseite muss man manches anders betrachten als am Aktienmarkt, denn für die Bonds ist kein Abfindungsangebot zu erwarten. Im Gegenteil: Die Sorge war, dass der 4,5 Milliarden Euro teure Deal durch zusätzliche Schulden finanziert werden könnte, die das Unternehmen belasten.
Und diese Sorge war unbegründet?
Nicht ganz. Hinter dem Angebot steht eine Investorengruppe um die Private-Equity-Gesellschaft Advent International. Advent war bereits vor dem Börsengang Eigentümerin von InPost und hatte dem Unternehmen seinerzeit kräftig Schulden aufgebürdet. Nach dem Börsengang blieb Advent weiter beteiligt, aber der Aktienkurs entwickelte sich nicht wie erhofft. Das Unternehmen konnte jedoch Schulden abbauen, die Bilanz ist mittlerweile solide. Inzwischen steht fest, dass der Deal nicht komplett auf Pump finanziert wird. Der Kurs der Anleihe hat sich bereits auf 98 Prozent erholt.
Werden Sie verkaufen, wenn er wieder Richtung 100 Prozent steigt?
Nicht unbedingt. Bei einer Laufzeit bis 2031 haben wir auf unseren Einstiegskurs eine Renditeerwartung von fünf Prozent pro Jahr. Im ersten Jahr könnte die Rendite sogar neun Prozent betragen, wenn sich die Übernahmesituation als wenig besorgniserregend darstellt und der Anleihepreis sich zügig erholt. Als Anleiheinvestoren haben wir den Luxus, zu wissen, was uns in fünf Jahren erwartet – zumindest so lange, dass das Unternehmen fundamental gesund bleibt. Deshalb sind wir erstmal abwartend, wie sich die Situation auflöst.
PeopleCert sieht im Vergleich mit einem B+-Rating etwas schwächer aus. Warum haben Sie hier zugegriffen?
Der Kurs war im Zuge des Einbruchs der Software-Aktien mit unter Druck geraten. Wir hatten bereits eine kleinere Position im Portfolio und haben die Schwäche zum Nachkaufen genutzt. Natürlich haben wir mit dem Management gesprochen, das uns überzeugen konnte, dass Künstliche Intelligenz eher eine Ergänzung des Geschäftsmodells ist als eine Bedrohung.
Wie sieht das Geschäftsmodell aus?
Ursprünglich in Griechenland gegründet, ist das heute in London ansässige Unternehmen globaler Marktführer für die Bewertung und Zertifizierung beruflicher Fähigkeiten. Hier geht es vor allem um Projekt- und Servicemanagement. Die von
PeopleCert entwickelte ITIL-Zertifizierung fördert zum Beispiel ein einheitliches Verständnis von IT-Prozessen, indem die Terminologie standardisiert wird. Die Tochter LanguageCert arbeitet weltweit mit Einwanderungsstellen und Regierungsbehörden zusammen, um Sprachkenntnisse zu testen. Durch die Übernahme des Ausbildungs- und Zertifizierungsgeschäfts von City & Guilds im vergangenen Jahr hat das Unternehmen seine Aktivitäten vom White- in den Blue-Collar-Bereich – kurz gesagt: alles, was mit Handwerk zu tun hat – ausgeweitet.
Wie ist hier Ihre Renditeerwartung?
Der Zinskupon von 5,5 Prozent spricht für sich. Beim aktuellen Kurs von etwa 98 Prozent errechnet sich eine jährliche Verzinsung von knapp sechs Prozent.