26.03.2026, 12:25 Uhr
Der Konflikt im Nahen Osten verändert die europäische Energiepolitik – nicht durch eine akute Versorgungskrise, sondern durch einen wachsenden Druck zur Unabhängigkeit. Profiteure sind vor allem Unternehmen der...
Der Anlagefonds des HBL Asset Managements gewinnt 2026 zum zweiten Mal in Folge den LSEG Lipper Fund Award im Bereich Frankenobligationen. Im Dreijahresvergleich schneidet der Fonds unter 39 Vergleichsfonds am besten ab. Reto Huenerwadel, Leiter HBL Asset Management, und Co-Fondsmanager Holger Seger nehmen Stellung und sprechen über die aktuelle Zinssituation, die Rolle von Obligationen im Portfolio – und warum aktives Management gerade im Markt für Frankenobligationen entscheidend ist.
Herr Huenerwadel, Herr Seger, herzliche Gratulation zum Gewinn des Lipper-Awards. Was bedeutet diese Auszeichnung für Sie?
Huenerwadel: Vielen Dank. Natürlich freut uns die Auszeichnung sehr – insbesondere, weil sie das Resultat langjähriger Arbeit ist und damit nur über die Zeitdauer von mehreren Jahren vergeben wird. Unser Fonds investiert ausschliesslich in Obligationen in Schweizer Franken, eine Anlageklasse, die oft unterschätzt wird. Gerade in einem Umfeld mit hoher Unsicherheit zeigt sich aber, wie wichtig stabile und gut gesteuerte Fixed-Income-Bausteine im Portfolio sind – selbst bei einem Leitzins von 0 Prozent. Dass wir über ein, drei und fünf Jahre hinweg ganz vorne liegen, bestätigt unseren Ansatz: Auch in diesem Markt lässt sich mit aktivem Management Mehrwert erzielen.
Wieso ist der aktive Managementansatz bei Obligationen so entscheidend?
Seger: Besonders aktiv auf dem Obligationenmarkt sind diejenigen, die viele Schulden aufbauen. Das sind dann auch die Obligationen, die in passiv gemanagten Exchange Traded Funds stark gewichtet sind. Aber welche Institute machen viele Schulden? Oft jene, die ein wenig laxer mit ihrer Bilanz umgehen. Darum muss man ganz genau hinschauen, wo man das Geld alloziert. Wir sind deshalb der Überzeugung, dass gerade im Obligationenbereich ein aktives Management einen Unterschied macht.
Wenn wir vom Umfeld sprechen: Was treibt aktuell die Notenbanken – und damit auch die Zinsen?
Huenerwadel: Die Inflation hat sich deutlich beruhigt, das gibt den Notenbanken grundsätzlich Spielraum für tiefere Zinsen. Gleichzeitig bleibt die konjunkturelle Dynamik – in Europa aber auch insbesondere in der Schweiz – eher schwach. Neu hinzu kommt aber ein Faktor, der zuletzt wieder an Bedeutung gewonnen hat: die geopolitische Unsicherheit. Der Konflikt im Nahen Osten und steigende Energiepreise erhöhen auch die Volatilität dieser Anlageklasse. Die Notenbanken müssen aktuell also sehr fein austarieren zwischen Inflationsrisiken, Wachstumssorgen und externen Schocks. Die Notenbanken haben gewissermassen auch die konjunkturellen Rahmenbedingungen im Hinterkopf – auch wenn das bei der SNB weniger explizit ist als etwa bei der Fed, die explizit ein duales Mandat hat.
Und die was tut die Schweizerische Nationalbank (SNB)?
Huenerwadel: Die SNB befindet sich in einer speziellen Situation. Der Leitzins liegt bei 0 Prozent und dürfte aus unserer Sicht auch für den Rest des Jahres dortbleiben. Der Fokus hat sich verschoben: weg von der klassischen Zinspolitik, hin zum Wechselkurs. Der starke Franken ist aktuell das dominierende Thema. In unsicheren Phasen wird die Schweiz als sicherer Hafen gesucht – das führt beim CHF zu Aufwertungsdruck. Das schadet den Exporteuren, dem Tourismus, der gesamten Aussenwirtschaft. Die SNB reagiert darauf zunehmend über den Devisenmarkt und weniger über den Zins. Man sieht also: Geldpolitik ist heute deutlich mehrdimensionaler als noch vor einigen Jahren.
Ist weiterer Spielraum nach unten vorhanden? Drohen wieder Negativzinsen?
Seger: Die Hürde dafür ist hoch, aber sie ist nicht verschwunden. Negativzinsen sind kein Wunschinstrument – die Nebenwirkungen sind bekannt: Banken geben die Kosten weiter, Sparer werden bestraft, das Suchverhalten nach Rendite erzeugt Risiken im System. Aber wenn sich das Umfeld deutlich eintrübt, etwa durch eine stärkere konjunkturelle Abkühlung oder eine erneute starke Frankenaufwertung, wird diese Diskussion schnell wieder aufkommen. Die SNB wird diesen Weg nur beschreiten, wenn sie keine andere Wahl hat.
Reden wir über die konkrete Auswirkung auf Haushalte. Wer eine Festhypothek abgeschlossen hat – bemerkt der die Zinswende überhaupt?
Huenerwadel: Das ist ein Punkt, der in der öffentlichen Debatte oft weniger Beachtung findet. Wer 2022 oder 2023 eine zehnjährige Festhypothek zu zwei, zweieinhalb oder drei Prozent abgeschlossen hat, zahlt diese Konditionen bis zum Ende der Laufzeit – unabhängig davon, was die SNB in der Zwischenzeit entschieden hat. Die Zinswende hilft diesen Haushalten kurzfristig nicht. Anders sieht es bei variablen Hypotheken oder bei Neuabschlüssen aus: Dort sieht man die Entlastung. Aber der grosse Bestand läuft noch auf alten Konditionen. Der volle Effekt der Zinssenkungen auf den Immobilienmarkt wird sich erst über Jahre entfalten.
Was bedeutet das für die Immobilienpreise in der Schweiz?
Huenerwadel: Die Schweizer Immobilienpreise haben sich bemerkenswert robust gezeigt. Der Grund ist simpel: Das Angebot ist knapp, die Nachfrage bleibt hoch, nicht zuletzt von institutionellen Investoren, die mangels attraktiver Alternativen im Markt engagiert bleiben. Ein deutlicher Preisverfall war nie unser Basisszenario. Aber: Eine gewisse Korrektur in exponierten Segmenten – teure Eigentumswohnungen oder bei spekulativen Projekten – ist nicht ausgeschlossen. Dies insbesondere für den Fall, dass sich die wirtschaftliche Lage weiter eintrübt. Was mich mehr beschäftigt, ist die Erschwinglichkeit. Sinkende Zinsen allein lösen das strukturelle Problem nicht: Wohnraum bleibt für viele Haushalte unerschwinglich teuer.
Die Inflation ist gesunken – aber ist sie wirklich besiegt?
Seger: «Besiegt» ist ein grosses Wort. Wir sehen aktuell eine Stabilisierung auf tiefem Niveau, was positiv ist. Aber die Risiken bleiben. Energiepreise können durch geopolitische Ereignisse schnell wieder steigen. Gleichzeitig sehen wir in vielen Ländern steigende Löhne, was mittelfristig Druck auf die Preise ausüben kann. Und nicht zuletzt nimmt die Handelspolitik wieder an Bedeutung zu – Stichwort Zölle und Protektionismus. Für eine offene Volkswirtschaft wie die Schweiz ist das nicht trivial.
Wie beurteilen Sie die Lage in den USA – und welche Rückwirkungen hat das auf Europa?
Seger: Die USA bleiben für die Weltwirtschaft aber auch für die Finanzmärkte der Taktgeber. Der Arbeitsmarkt ist robust, die Wirtschaft erstaunlich widerstandsfähig. Das gibt der US-Notenbank weniger Druck, schnell und stark zu lockern. . Das bedeutet: Die Zinsdifferenz zwischen den USA und Europa bleibt bestehen, der Dollar bleibt stark, der Euro und der Franken stehen unter Druck. Wenn die USA weniger senken als erwartet, schränkt das auch den Handlungsspielraum von EZB und SNB ein.
Was sind aus Ihrer Sicht die grössten Risiken für die zweite Jahreshälfte 2026
Huenerwadel: Ich sehe drei Hauptrisiken. Die erste ist politischer Natur: Handelskonflikte und Zölle, vor allem zwischen den USA und Europa respektive Asien, können Lieferketten erneut destabilisieren und die Inflation zurückbringen. Die Zweite ist zyklischer Natur: Eine Rezession in Deutschland – dem industriellen Herzstück Europas – würde die gesamte Eurozone belasten und die EZB zu noch aggressiveren Senkungen zwingen, was wiederum den Euro schwächt. Die dritte ist systemischer Natur: Immobilienmärkte in einzelnen Ländern – ich denke an bestimmte Regionen in Deutschland, an Schweden, an Teile des angelsächsischen Raums – haben das höhere Zinsniveau noch nicht vollständig verarbeitet. Dort könnte es zu verzögerten Korrekturen kommen, die auf Bankbilanzen drücken. Wir weisen aber immer auch explizit darauf hin, dass es nicht nur negative Risiken gibt. Es besteht immer auch die Möglichkeit, dass die Wirtschaft besser als erwartet läuft und in der Konsequenz auch die Inflation stärker steigt, als die aktuell erwartet wird.
Ein letztes Wort: Optimismus oder Vorsicht – wohin tendieren Sie persönlich
Huenerwadel: Langfristig bin ich klar optimistisch. Die Schweiz ist stabil, gut aufgestellt und bleibt attraktiv. Kurzfristig ist jedoch Disziplin gefragt. Wer in diesem Umfeld glaubt, die Zinsbewegungen exakt prognostizieren zu können, dürfte enttäuscht werden. Entscheidend ist ein robuster Anlageprozess – und genau darauf setzen wir bei unseren Anlagen. Speziell im Obligationenbereich ist der Erfolg selten spektakulär, aber fast immer das Resultat von konsequenter, sauberer Arbeit und in diesem Sinne in einem gewissen Masse berechenbarer.