Carmignac: Die Schwellenländermärkte erwachen

Nach einer starken Performance im vergangenen Jahr sieht Carmignac weiterhin Chancen in den Schwellenländern (Bild: Adobe Stock)
Nach einer starken Performance im vergangenen Jahr sieht Carmignac weiterhin Chancen in den Schwellenländern (Bild: Adobe Stock)

Schwellenländer hatten jahrelang einen schlechten Ruf. 2025 haben sie massiv zugelegt und sich dadurch den Ruf ein Stück weit zurückgeholt. Ob das hält – darüber lässt sich streiten. Für die Analysten von Carmignac ist klar: Das Momentum ist nach wie vor vorhanden, fundamentale Gründe sprechen dafür. Aber eine passive Strategie wäre nicht angebracht.

13.03.2026, 15:01 Uhr

Redaktion: asc

Man muss das kurz sacken lassen: Schwellenländer, also die Märkte, über die in der Finanzpresse meistens dann berichtet wird, wenn irgendwo etwas brennt, haben 2025 die USA outperformt. Es war die stärkste Jahresperformance seit 2017.

Was steckt dahinter? Zunächst eine Binsenwahrheit: Der schwächere Dollar hat geholfen. Das ist das übliche erste Argument, und es stimmt. Hinzu kommen laut einer Analyse von Carmignac bessere Fundamentaldaten in vielen Ländern – weniger Schulden, eine strengere Haushaltspolitik und viel reifere Notenbanken als noch vor zehn Jahren. Und dann ist da noch etwas, das man vor ein paar Jahren so nicht auf dem Schirm hatte: Die Lieferketten rund um künstliche Intelligenz verlaufen durch Asien. Nicht trotz der geopolitischen Spannung. Sondern irgendwie mittendrin.

Ein weiterer Grund: Emerging-Markets-Aktien werden immer noch mit rund 40 Prozent Abschlag gegenüber US-Aktien gehandelt. Und dies, obwohl die Gewinnaussichten in vielen Schwellenländern besser sind. Das ist entweder ein echtes Schnäppchen oder ein Zeichen dafür, dass der Markt etwas weiss, was die Optimisten nicht sehen wollen. Wahrscheinlich ein bisschen von beidem.

Nicht alle Schwellenländer entwickeln sich gleich

Was sind eigentlich Schwellenländer? Nun, es gibt diese Gewohnheit in der Finanzbranche, Schwellenländer als eine Art homogene Masse zu behandeln. Zur Menge werden Länder hinzugezählt, die auf der «Schwelle» zu einem «entwickelten» Land oder einer entwickelten Volkswirtschaft sind. Die Zahl der Länder hat sich seit dem Auftreten des Begriffs in den Siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts gewandelt.

«Schwellenländer laufen» oder «Schwellenländer fallen» heisst es jedoch noch immer, als ob Vietnam, Brasilien und Saudi-Arabien dasselbe wären. Das war schon immer falsch. Aber inzwischen, wo die Divergenz zwischen den einzelnen Ländern und Sektoren grösser geworden ist, wird es langsam auch praktisch relevant.

Was die Analysten von Carmignac daraus ableiten: 2026 wird kein Jahr für passives Exposure. Wer also einfach den Schwellenländer-Index kauft, in der Hoffnung, dass die bisherige Entwicklung weitergeht, bekommt auch den Durchschnitt. Und der Durchschnitt ist eben Durchschnitt. Die These, für die sich Carmignac 2025 viel mehr einsetzt, ist, dass die Streuung zunimmt – dass also gute Unternehmen mit echter Preissetzungsmacht und soliden Bilanzen stärker outperformen als in einem einfachen Aufschwungsjahr. Alpha statt Beta, wie das in der Branche heisst.

Ob das stimmt, wird man in zwölf Monaten wissen. Was man jetzt schon sagen kann: Die strukturellen Veränderungen, auf die hier verwiesen wird – bessere Unternehmensführung in Südkorea, mehr Finanzdisziplin in China, KI-Integration in der Industrie – die gibt es wirklich. Die sind nicht herbeigeschrieben. Sie brauchen bloss Zeit, bis sie in Kursen ankommen. Und Zeit ist das, woran es in der Finanzbranche chronisch mangelt.

Sicher ist: Schwellenländer sind zurück im Gespräch. Das ist schon mal was. Ob sie dieses Mal länger bleiben – das ist die eigentliche Frage.

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