16.10.2026, 08:12 Uhr
Die Aktienindizes notieren nahe ihren Rekordhochs. Jeff Blazek, Co-Chief Investment Officer Multi-Asset Strategies bei Neuberger, sieht den Markt trotzdem in einer anderen Phase: Weil immer mehr Aktien und Anleihen...
Der überraschend starke Auftritt von Flávio Bolsonaro im ersten Wahlgang hat Brasiliens Märkte in Bewegung gebracht. Für Xavier Hovasse von Carmignac könnte die Neubewertung brasilianischer Anlagen erst am Anfang stehen.
Flávio Bolsonaro hat im ersten Wahlgang 47,0 Prozent der Stimmen geholt, Amtsinhaber Lula 45,1 Prozent. Das ist mehr, als viele erwartet hatten. An den Märkten hat sich damit die Erwartung deutlich gefestigt, dass Brasilien vor der Stichwahl vom 25. Oktober auf eine marktfreundlichere Politik zusteuert.
Die Finanzmärkte haben sich über alle Anlageklassen hinweg darauf eingestellt. Am deutlichsten zeigt sich das bei den brasilianischen Lokalwährungszinsen. Die langfristigen Renditen sind stark gefallen, weil die Märkte mehr Haushaltsdisziplin, eine tiefere Risikoprämie und letztlich tiefere Zinsen einpreisen.
Wichtig ist auch der Kongress. Das Bolsonaro-Lager hat seine Stellung im Parlament ausgebaut. Eine künftige Regierung hätte damit eine stärkere institutionelle Basis, um ihre Wirtschaftsagenda und Reformen umzusetzen.
Der Umschwung hängt aber nicht nur an einem möglichen Sieg Bolsonaros. Nach dem ersten Wahlgang brachte Lula den Zentrumspolitiker Geraldo Alckmin als möglichen Finanzminister ins Spiel. Das zeigt, wie stark die neue Zusammensetzung des Kongresses die wirtschaftspolitische Debatte prägt. Wer auch immer die Präsidentschaft gewinnt: Das politische Kräfteverhältnis spricht nun für mehr Haushaltsdisziplin und eine konservativere Wirtschaftspolitik.
Entschieden ist die Wahl noch nicht, und bis zur Stichwahl bleibt Unsicherheit. Prognosemärkte geben Bolsonaro derzeit aber eine Siegeschance von mehr als 80 Prozent. Die Anleger beginnen deshalb bereits, einen möglichen Kurswechsel in der grössten Volkswirtschaft Südamerikas einzupreisen.
Nach dem ersten Wahlgang fielen die Renditen am langen Ende deutlich, der brasilianische Real legte spürbar zu und die Aktien erholten sich um 10 Prozent.
Die Investmentgeschichte dürfte aber erst beginnen. Falls sich das politische und fiskalische Umfeld tatsächlich verbessert, sehen wir bei brasilianischen Anlagen noch erhebliches Aufwärtspotenzial.
Brasilien bietet einige der höchsten Realzinsen weltweit, während die Inflation vergleichsweise gut im Griff ist. Ein glaubwürdigerer Haushaltspfad würde das ohnehin attraktive Umfeld zusätzlich stützen:
Brasilien steht nicht allein. Das Land könnte das jüngste Kapitel einer Entwicklung werden, die sich in Lateinamerika seit rund drei Jahren abzeichnet: die Rückkehr zu mehr Haushaltsdisziplin und einer marktfreundlicheren Politik.
Für Anleger in Schwellenländern ergeben sich aus hohen Realrenditen, besseren Fundamentaldaten und einem möglichen Politikwechsel Chancen, die weit über eine einzelne Wahl hinausgehen.