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Bodenbildung in den Schwellenländern?

Mikio Kumada, Global Strategist von LGT Capital Management.
Mikio Kumada, Global Strategist von LGT Capital Management.

Die Performance der Schwellenländerbörsen hat sich in diesem Jahr verbessert. Doch ist ihre relative Schwäche gegenüber den Industrieländern damit wirklich zu Ende? Vor allzu negativen Einschätzungen der „Emerging Markets“ möchte LGT aus langfristiger Sicht gewiss Abstand nehmen. Dennoch dürfte bei EM-Aktien bis auf weiteres weiterhin eine gewisse Vorsicht angesagt sein. Lesen Sie hierzu den Marktkommentar von Mikio Kumada, Global Strategist von LGT Capital Management.

05.06.2014, 10:45 Uhr

Redaktion: dab

Die Aktienkurse an den Börsen der meisten „Emerging Markets“ (EM) tendieren wieder mehrheitlich fester. Im relativen Trendbild scheint sich der Aktienindex „MSCI Emerging Market“ gegenüber dem „MSCI World“ (Industrieländer) seit einem Fünfjahrestief im März allmählich zu stabilisieren, was möglicherweise eine Bodenbildung ankündigt.

EM-Börsen wieder mehrheitlich im Plus
Von den 23 grössten EM-Barometern weisen zudem immerhin 19 eine positive Performance seit Anfang Jahr aus, nach „nur“ 14 im letzten Jahr und so viele wie zuletzt 2011, als die Anlageexperten mehrheitlich noch optimistische Einschätzungen für die EM zu hegen schienen. Letzteres ist mitterweise eher selten geworden, was wiederum Hoffnungen nährt, dass der Konsens in diesem Bereich inzwischen übertrieben negativ ist, was für eine Trendwende spräche. Ein genauerer Blick auf die verschiedenen Marktindizes sowie die mikro- und makroökonomischen Entwicklungen mahnen jedoch noch weiter zu einer gewissen Vorsicht.

Abflachung des relativen Abwärtstrends
Betrachten wir zunächst die relativen Preistrends: Wenn wir die EM auf Indexbasis mit den Industrieländern vergleichen, so sehen wir in der Tat eine Abflachung des mittelfristigen Abwärtstrends seit März (Siehe Chart im PDF, Seite 2). So gesehen scheint der EM-Abwärtstrend tatsächlich „gestoppt“. Doch leider basiert diese Erholung ausschliesslich auf der Schwäche Japans seit Anfang Jahr. Dies ist aus folgenden Gründen wichtig: Erstens ist die Schwäche Japans in diesem Jahr möglichweise irreführend, weil sie primär eine temporäre „konsolidierende“ Gegenbewegung auf die extreme Stärke des Vorjahres sein könnte (so zählt Japans Börse seit Mitte Mai wieder zu den Top-Performern). Zweitens macht Japan nur rund 8% des „MSCI World“ aus. Im Vergleich dazu macht Europa ca. 28% des Weltindex aus, die USA rund 55% - und gegenüber diesen Märkten tendiert der EM-Index immer noch südwärts, wie der Chart zeigt. Die EM-Stabilisierung fusst daher noch auf einem schmalen Fundament. Dazu kommt, dass auch innerhalb des EM-Universums die diesjährige Rallye primär von kleineren Märkten getragen wird. Die grossen Märkte (China, Russland, Brasilien) haben an diesem Aufschwung bisher nicht so stark partizipiert.

Eine „Kapitulation“ der Konsenserwartungen könnte helfen
Auch aus fundamentaler Mikrosicht kann die EM-Stabilisierung relativiert werden. Am 14. Mai zeigten wir im LGT Beacon auf, wie stark die Unternehmensprofitabilität in den Schwellenländern und Asien-Pazifik ex. Japan im letzten Geschäftsquartal überschätzt wurde. Anhand der nun zu 98% abgeschlossenen Berichtssaison sind die Gewinne je Aktie in den genannten Regionen um 29% bzw. 37% tiefer als vom Konsens erwartet ausgefallen. Zwar überschätzt der Konsens diese Märkte schon seit Jahren, doch so deutlich „daneben“ lag er in den letzten Jahren noch nicht. Damit könnte es sein, dass der Konsens demnächst endlich „kapituliert“ und die Erwartungen gegenüber den EM/Asien demnächst so stark reduziert, dass auch diese Märkte beginnen können, lau-positiv zu überraschen. Doch hierbei handelt es sich um ein spekulatives, konträres Wendesignal. Klar ist bisher nur: Die alten Industrieländer bieten mehrheitlich nach wie vor „bessere“ und höherem Masse vorausschaubare Unternehmensleistungen.

Frühindikatoren brandmarken die EM als Schlusslichter
Ein recht klares Bild bietet auch die Makroebene: Die in den letzten Tagen publizierten Einkaufsmanagerindizes von Markit verwiesen erneut auf eine weiter rückläufige Aktivität in der verarbeitenden Industrie in fast allen grossen Schwellenländern - auch wenn diese Rückgänge weniger intensiv als noch vor wenigen Monaten auffielen. Das fasst das aktuelle Gesamtbild eigentlich auch ganz gut zusammen: Der Ausblick für EM-Aktien hat sich in der Tat etwas aufgehellt - für eine nennenswerte Erhöhung unserer taktischen Engagements in diesen Märkten reicht es zumindest bis dato aber noch nicht ganz.

Fundament der bisherigen EM-Erholungen sehr eng
Der erste Chart (Siehe PDF Seite 2) zeigt die relativen 20-wöchigen Durchschnittskurse der relevanten MSCI-Aktienindizes in den jeweiligen Lokalwährungen. Aus dieser Perspektive hat sich der „MSCI Emerging Markets“ gegenüber dem „MSCI World“ seit März tendenziell stabilisiert (vgl. graue Linie). Allerdings: Im Weltindex sind die USA zu 55%, Europa zu 28% und Japan zu 7.8% vertreten. Wenn wir die Trends gegenüber diesen drei Gegenparteien aufschlüsseln, sehen wir, dass diese „Erholung“ ausschliesslich gegenüber Japan stattfand und damit nicht besonders breit abgestützt ist. Gegenüber den USA und Europa ist der Abwärtstrend der EM noch intakt geblieben (Siehe Chart im PDF, Seite 3, mit wöchentlichen Schlusskursen und 30-wöchigen-Durchschnittswerten). Dazu kommt, dass die EM-Stärke in diesem Jahr stark von vielen kleineren Schwellenländern getrieben war. Unter den grösseren Märkten (China, Russland, Brasilien, Korea) hat nur Indien den globalen Durschnitt schlagen können (Siehe Tabelle im PDF, Seite 3).

Schwellenländer: Nach wie vor konjunkturell vergleichsweise schwach
Im Laufe der letzten Tage wurden die Mai-Ergebnisse der Markit-HSBC-Einkaufsmanagerumfragen (für die verarbeitende Industrie) publiziert. Die Umfragen stellen weiterhin nur in 6 von 22 Ländern eine Konjunkturflaute in Aussicht (Indexwerte unter 50). Unter diesen 6 Ländern stellen allerdings gleich vier grosse Schwellenländer (Südkorea, China, Russland, Brasilien) die Schlusslichter dar. In Japan verweist die Umfrage marginal auf eine rückläufige industrielle Aktivität in den kommenden Monaten. Allerdings könnte sich dies als eine temporäre Zwischenphase herausstellen: Das Signal folgt nämlich auf einen im internationalen Vergleich sehr positive Entwicklung in den vorangegangenen sechs Monaten. Im Unterschied dazu signalisieren die Umfragen in den meisten grossen Schwellenländern seit einiger Zeit stimmig eine anhaltende, wenn auch neuerdings etwas abgeschwächte Abkühlung.

Lesen Sie hier den vollständigen Kommentar von Mikio Kumada, Global Strategist von LGT Capital Management.

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