Low-Volatility-Ansatz für Aktien: Alphapotenzial mit reduziertem Verlustrisiko

Thorsten Paarmann und Michael Fraikin, Fondsmanager des Invesco Pan European Structured Equity Fund
Thorsten Paarmann und Michael Fraikin, Fondsmanager des Invesco Pan European Structured Equity Fund

Invesco ist in der Schweiz auf Wachstumskurs. Eine wichtige Rolle in der Produktstrategie des US Asset Managers spielen Low Volatility-Ansätze. Wie sie funktionieren und welchen Nutzen Anleger daraus ziehen können, erläutert im Gespräch mit fondstrends Thorsten Paarmann und Michael Fraikin, Fondsmanager des Invesco Pan European Structured Equity Fund.

03.02.2014, 09:06 Uhr

Welches Anlageziel verfolgt der Invesco Pan European Structured Equity Fund?
Thorsten Paarmann (TP): Das Anlageziel des Fonds ist langfristiges Kapitalwachstum durch Investments in ein Portfolio von europäischen Aktien. Der Fonds zielt darauf ab, über einen kompletten Marktzyklus von drei bis fünf Jahren Mehrerträge gegenüber seinem Referenzindex, dem MSCI Europe (NR), so wie seiner Vergleichsgruppe (MStar Europe Large- Cap Blend Equity) zu erwirtschaften. Unabhängig von der Gewichtung der einzelnen Aktien im Referenzindex konzentrieren wir uns auf unsere besten Ideen. Dadurch kann der Fonds im Hinblick auf die Branchen bzw. Länderallokation sehr aktive Positionen Im Vergleichzum Index eingehen und hat nicht den gleichen Large-/Mega-Cap-Fokus wie der Referenzindex.

Können Sie die Investmentstrategie des Fonds kurz erläutern?
Michael Fraikin (MF): Aus einem Anlageuniversum, das knapp 1000 Aktien umfasst, identifizieren wir anhand quantitativer Filter die Aktien mit dem besten Risiko-Rendite-Profil. Wir analysieren die fundamentale Attraktivität der Aktien im Verhältnis zu ihrer Volatilität, wobei unser Schwerpunkt auf stabileren Unternehmen mit starken Fundamentaldaten liegt. Die Idee hinter der Volatilitätskontrolle ist, dass die Renditen stabilerer Aktien in der historischen Betrachtung generell vergleichbar mit denen von Aktien mit einer hohen Volatilität sind, allerdings bei einer geringeren Verlustwahrscheinlichkeit. Die Portfoliotheorie von Markowitz, wonach höhere Renditen das Eingehen höherer Risiken erfordern, erscheint überholt. Seit Einführung unseres Aktienauswahlmodells (Abb. 10) in den USA im Jahr 1983 haben wir das Modell kontinuierlich verfeinert. Somit können Investoren heute von einer Erfolgsgeschichte von fast 30 Jahren profitieren.

Wo liegen die wichtigsten Unterschiede Ihres quantitativen Ansatzes im Vergleich zu dem eines „traditionellen“ Managers?
TP: Wir konstruieren unsere Portfolios anhand systematischer Analysen der wichtigsten Erfolgsfaktoren der einzelnen Aktien. Viele traditionelle Manager nutzen zunächst Bewertungsfilter, um die Zahl der Aktien zu reduzieren, die dann einer detaillierteren Analyse unterzogen werden. Unser Ansatz ist grundsätzlich der gleiche, allerdings filtern wir das Anlageuniversum anhand vieler zusätzlicher fundamentaler als auch verhaltenspsychologischer Merkmale mit erwiesenem Mehrwert für die Wertentwicklung, wie zum Beispiel die Ertragsentwicklung, die Kursdynamik und die Orientierung der Unternehmensführung an den Interessen der Aktionäre. Anders ausgedrückt analysieren wir nicht nur Fundamentaldaten (wie Bewertung und Ertragswachstum), sondern haben auch gelernt, das Anlegerverhalten in unterschiedlichen Situationen einzuschätzen. Dieser Ansatz ist schlüssig, weil Anleger nicht so rational handeln, wie uns die Fachbücher glauben machen wollen. Viele Anlageentscheidungen unterliegen emotionalen Einflüssen. Ein Beispiel: Natürlich wollen Anleger mit ihren Investments Gewinne erzielen. Aber: In der Hoffnung auf eine Kurserholung halten sie tendenziell zu lange an Verlustbringern fest und neigen andererseits dazu, sich gut entwickelnde Aktienpositionen zu früh zu veräußern. Ein weiterer verhaltenspsychologischer Fallstrick ist ein überzogenes Vertrauen in die eigene Fähigkeit, attraktive Anlagechancen zu identifizieren. Die Beweggründe hinter den Anlageentscheidungen der Investoren zu verstehen hilft uns, irrationales Verhalten anderer Marktteilnehmer auszunutzen. Ein weiterer Vorteil des quantitativen Managements besteht darin, dass man die eigenen Filter auf eine weitaus größere Zahl von potenziellen Anlagekandidaten anwenden kann – ohne von eigenen Emotionen abgelenkt oder von einer kleinen Zahl von Experten abhängig zu sein.

Was sind die wichtigsten Performancetreiber des Fonds?

MF: Die Portfolioperformance basiert auf zwei zentralen Faktoren: der Aktienselektion und der Volatilitätskontrolle. Einerseits suchen wir für unser Portfolio Aktien mit einem über dem Marktdurchschnitt liegenden Wertzuwachspotenzial. Andererseits begrenzen wird die Portfoliovolatilität, um für eine höhere Wertstabilität zu sorgen und Verluste zu vermeiden. In Summe ergibt sich daraus eine Strategie, die über rollierende 3- Jahresperioden historisch in 97,5% der Fälle eine Outperformance erzielen konnte.

Für wen eignet sich der Fonds?
TP: Der Fonds eignet sich für Aktienanleger, die Stärker an der absoluten Rendite als an der Orientierung an einem Index interessiert sind, einen mittleren bis langfristigen Anlagehorizont haben und am Wertzuwachspotenzial der europäischen Unternehmen partizipieren wollen. Durch die Begrenzung der Volatilität des Fonds und die gleichzeitige Auswahl der fundamental attraktivsten Aktien aus einem breiten Anlageuniversum kann sich ein sehr attraktives Performancemuster ergeben. Es begrenzt die Verluste in fallenden Märkten und bietet attraktives Alpha-Potenzial. Zudem kann ein Investment in einen Fonds mit einer bislang einzigartigen Anlagestrategie zur Diversifikation beitragen. Darüber hinaus bietet der Fonds eine Dividendenrendite im Einklang mit dem MSCI Europa.

Warum ist eine Aktienstrategie mit dem Fokus auf niedrige Volatilität derzeit attraktiv?
MF: Wir sind positiv gestimmt für den Aktienmarkt und sehen einen positiven Trend in der Entwicklung des Makroumfeldes. Allerdings halten wir die Marktbewertung inzwischen nicht mehr für günstig. Wir sind überrascht, wie stark die Märkte in den vergangenen Monaten die bestehenden Risiken zunehmend ausgeblendet haben. Wir erwarten zwischenzeitliche Rückschläge auf dem langen Weg der Haushaltskonsolidierung in Europa und den USA. Stützend für den Aktienmarkt dürfte der Anlagenotstand werden, der sich aus der begrenzten Attraktivität von Anleihen ergibt. Ein Umfeld, in dem aktiv gemanagte, niedrig volatile Aktienportfolios eine intelligente Möglichkeit bieten, am Aufwärtspotenzial von Aktien teilzuhaben und gleichzeitig Rückschlagrisiken zu begrenzen.


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Autoren: Thorsten Paarmann und Michael Fraikin, Fondsmanager des Invesco Pan European Structured Equity Fund

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