Nordea: «Multi-Asset-Korrelationskrise macht differenzierten Ansatz nötig»

Asbjørn Trolle Hansen, Head of Multi Assets bei Nordea Asset Management. (Bild pd)
Asbjørn Trolle Hansen, Head of Multi Assets bei Nordea Asset Management. (Bild pd)

Die traditionelle Diversifizierung von Anlageklassen stösst an ihre Grenzen. Asbjørn Trolle Hansen von Nordea Asset Management rät deshalb zu einem verstärkten Fokus auf alternative Risikoprämien.

24.05.2023, 15:51 Uhr
Notenbanken

Redaktion: sw

Seit der Finanzkrise Ende der Nullerjahre haben Anlegerinnen und Anleger mehrere Phasen schwerer Marktturbulenzen erlebt – insbesondere die Eurokrise, das «Taper Tantrum» und die Anfangsstadien der Covid-19-Pandemie. «Glücklicherweise erwiesen sich die heftigen Rückgänge jedes Mal als vorübergehend, und der Aufwärtstrend bei Aktien und Anleihen setzte schliesslich wieder ein», schreibt Asbjørn Trolle Hansen, Head of Multi Assets bei Nordea Asset Management.

Da sich zahlreiche Anlageklassen seit 2009 im Gleichschritt positiv entwickelten, erfüllten die meisten Multi-Asset-Ansätze – einschliesslich des traditionellen 60/40-Portfolios – weitgehend die langfristigen Renditeziele der Anleger. Aufgrund des weitgehend optimistischen Umfelds in den 2010er-Jahren wurde zudem die Portfoliodiversifizierung, eines der Hauptmerkmale einer Multi-Asset-Lösung nur selten auf die Probe gestellt.

Traditionelle Diversifikation reicht nicht mehr aus

«Als jedoch im vergangenen Jahr aggressive Zentralbankmassnahmen zur Eindämmung der Inflation die Märkte durchschüttelten, erwiesen sich die traditionellen Diversifizierungsmethoden bedauerlicherweise als mangelhaft», kommentiert Trolle Hansen. «Historisch gesehen waren festverzinsliche Wertpapiere das von Anlegern bevorzugte Instrument, um Abwärtsbewegungen am Aktienmarkt abzumildern. Doch viele Anlegerinnen und Anleger konnten sich nicht mehr auf sie stützen, als Aktien und Anleihen während des grössten Teils des Jahres 2022 gleichzeitig aggressiv abverkauft wurden.» Bis zum Jahresende hatten Anleihen das schlimmste Jahr in der Geschichte erlebt, während auch die meisten grossen Aktienmärkte weiterhin deutlich im Minus lagen.

Diese Korrelation der Anlageklassen verdeutlicht für den Experten, dass die traditionelle Diversifikation schon seit Längerem nicht mehr in gewohntem Masse vor Marktverwerfungen schützen könne.

Trolle Hansen untersucht deshalb Faktoren wie Bewertung, Qualität und Momentum mit dem übergeordneten Ziel, ein hohes Mass an Diversifizierung aufrechtzuerhalten und gleichzeitig von Markttrends und Marktineffizienzen zu profitieren. Dabei wendet er einen «fundamentalen und zukunftsorientierten Ansatz an, um die Attraktivität verschiedener Risikoprämien im Hinblick auf ihr Risiko-Rendite-Profil sowie die Korrelationsvorteile, die sie im gesamten Portfoliokontext bieten können, zu bewerten».

«Wir sind davon überzeugt, dass Mehrwert geschaffen werden kann, je nachdem, wie unkorrelierte Risikoprämien innerhalb des Gesamtportfolios analysiert und ausgewählt werden. Als Alternative zu klassischen Staatsanleihen haben wir in den letzten Jahren beispielsweise Bereiche wie währungsbezogene Risikoprämien genutzt. Attraktiv bewertete Währungen können angenehm defensive Eigenschaften bieten – das einfachste Beispiel ist der japanische Yen gegenüber dem Euro», erklärt Trolle Hansen.

Fokus auf alternative Risikoprämien

Daher glaubt er, dass Anlegerinnen und Anleger sowohl von zyklischen als auch antizyklischen Renditetreibern aus einem breiten, diversifizierten Satz von rund 30 Risikoprämien profitieren können. Diese sollten nicht nur über verschiedene Anlageklassen verteilt sein, sondern auch über mehrere Strategietypen. Es sei entscheidend, dass sich die unkorrelierten Renditetreiber gegenseitig ergänzten und in den meisten Marktumgebungen einen Mehrwert für Anlegerinnen und Anleger bieten können.

Während «Risk on»-Anlagen stark in das laufende Jahr starteten, dürfte die absehbare Zukunft von Phasen erhöhter Turbulenzen geprägt sein. Denn die Zentralbanken würden weiterhin die Zinsen anheben, um die Inflation abzukühlen, und auch der verheerende Krieg in der Ukraine tobe weiter.

«Deshalb sind nicht nur ein solides Risikomanagement zu Beginn des Anlageallokationsprozesses, sondern auch ein hoher Fokus auf Liquidität von grösster Bedeutung», sagt Trolle Hansen. Seiner Ansicht nach werden Risikoprämien, die nur aus dem traditionellen Anlagebereich stammen, nicht ausreichen, um das immer komplexer werdende Marktumfeld zu meistern. Daher sollten Anlegerinnen und Anleger sich stärker auf alternative Risikoprämien konzentrieren, um die Portfolios zu diversifizieren, ohne Renditeeinbussen hinnehmen zu müssen.

Die Stabilität werde wieder ins Rampenlicht rücken. Daher ist er besonders optimistisch in Bezug auf stabile, risikoarme Aktien, die auch in Zeiten erhöhter Volatilität wie auch in Phasen mit hoher Inflation eine gute Rendite bringen können. «Stabile, qualitativ hochwertige und attraktiv bewertete Unternehmen sind naturgemäss weitaus besser in der Lage, sich in diesem anhaltend schwierigen wirtschaftlichen Umfeld zurechtzufinden. Darüber hinaus suchen wir nach Unternehmen mit Preissetzungsmacht, die in der Lage sind, inflationsbedingte Preissteigerungen weiterzugeben. Aus unserer Sicht ist dies nicht nur im aktuellen Umfeld eine wertvolle Eigenschaft, sondern auch ein äusserst attraktiver Baustein für Portfolios in den kommenden Monaten und Jahren», schreibt er abschliessend.

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