02.04.2025, 15:28 Uhr
«Die Korrektur bei US-Aktien schlägt auf den europäischen ETF-Markt durch. Grund sind ein Mix aus Makro- und Mikro-Faktoren. Europa ist aktuell der Markt der Stunde. Bei den USA sind Anleger sehr zurückhaltend»,...
Das chinesische Startup DeepSeek hat ein KI-Modell präsentiert, das mindestens so gut sein soll wie die Angebote der US-Techunternehmen, aber wesentlich günstiger. Techaktien – ausser Apple – korrigieren teils erheblich.
DeepSeek ist ein chinesisches KI-Startup, das sich auf die Entwicklung fortschrittlicher Sprachmodelle und künstliche Intelligenz spezialisiert hat. Seine KI-Lösung, vor Tagen vorgestellt, rüttelt die Techwelt auf. «Das KI-Modell R1 von Deepseek kann über eine App abgerufen werden und leistungsmässig mit etablierten KI-Sprachmodellen wie Chat-GPT oder Claude mithalten», schreibt die NZZ.
Die Zeitung zitiert den einflussreichen US-Tech-Investor Marc Andreessen, der auf der Plattform X die chinesische KI-Innovation einen der erstaunlichsten und beeindruckendsten Durchbrüche nannte, die er je gesehen habe. Dass Deepseek auf dem Open-Source-Prinzip basiere, also allen zugänglich ist, sei ein «Geschenk für die Welt».
Nutzer der chinesischen KI-Variante sollen begeistert sein. Das Modell R-1 wird als genauso leistungsfähig bezeichnet wie seine Pendants der US-Anbieter, aber nur ein Bruchteil von deren Modellen kosten.
Amerika Platzhirsche befürchten, China könnte ihre Vormachtstellung, wenn nicht beenden, so doch ernsthaft bedrohen. «Grosse KI-Investitionen und hohe Bewertungen in den USA werden in Frage gestellt», schreibt die «Finanz und Wirtschaft».
Die US-Techbörse Nasdaq hatte schon vor dem Wochenende geschwächelt. Am Montag zu Handelsbeginn fiel der Nasdaq 100 um 2,5 Prozent auf 21’236. Unter die Räder – nach vorangegangener spektakulärer Kurshausse wohlverstanden – kamen vor allem die Aktien des KI-Vorzeigeunternehmens Nvidia sowie anderer KI-Chip-Hersteller.
Nvidia und Broadcom zählten mit Kursabschlägen von je fast 13 Prozent zu den grössten Verlierern im Nasdaq 100. Branchennachbarn wie Marvell Technology und Micron Technology erlitten ebenfalls klare Einbussen.
Ähnliches gilt für die in New York kotierten Titel von Chipausrüstern wie Arm Holdings, ASML und Applied Materials. Auch die Titel von Tech-Riesen wie Google-Mutter Alphabet (minus 3 Prozent) mussten Federn lassen.
Wie gross die Unsicherheit am Markt ist, zeigt sich am Volotalitätsindex. Dieser legte in den USA um mehr als ein Fünftel zu. Der Bitcoin als prominenteste Kryptowährung und eng korrelierend mit dem Tech-Sektor rutschte währenddem um knapp 5 Prozent unter die 100'000 Dollar-Marke (vgl. separaten Artikel auf investrends.ch).
Auch die Aktienkurse wichtiger Tech-Zulieferer in Europa wie ASML und Siemens Energy verloren teils im zweistelligen Prozentbereich.
In den App-Store-Downloads von Apple ist die KI-Software von DeepSeek bereits an die Spitze gelangt. Gleichwohl zählte die Apple-Aktien am Montag zu den Gewinnern und rückte rund ein Prozent vor. Dem ist anzufügen, dass Apple schon geraume Zeit schwächeln und mit den Highflyern des Sektors nicht mithalten konnten. Apple haben seit Jahresbeginn rund 9 Prozent an Wert verloren, während die anderen "Magnificent-seven" um 4 bis 12 Prozent weiter nach oben strebten.
Apple Zurückstehen könnte sich jetzt als Vorteil erweisen. Es gibt den begeisterten Stimmen zum Trotz auch Experten, die dem Vorstoss aus China kritisch gegenüberstehen und die jüngsten Entwicklungen nicht überbewerten wollen. Bahnbrechend Neues habe DeepSeek nicht geliefert, argumentieren sie.
Apple steckt in einer Konsolidierung, die anderen Papieren der Branche noch bevorstehen könnten. Ihre teils astronomisch hohe Bewertung ruft geradezu nach einer Korrektur, zumal das Gewinnwachstum der Big-Tech nachlässt.
Einen nächsten Anhaltspunkt über Stand und Ausblick werden die unmittelbar bevorstehenden Quartalsresultate liefern. Der Markt wird sein Augenmerk ausser auf die Zahlen auf die Aussagen der Managements zu KI, ihre Perspektiven, Entwicklungen und Investitionen richten. «Die Beantwortung dieser Fragen wird für den weiteren Kursverlauf der Technologieriesen verantwortlich sein», schreibt Bloomberg.
Die Ergebnispublikationen von «Big Tech» beginnt am Mittwoch mit Microsoft, Meta und Tesla. Apple folgt am Donnerstag, Alphabet und Amazon berichten in der kommenden Woche übers vergangene Quartal. Der Zahlenkranz von Nividia ist für den 26. Februar geplant.