27.03.2026, 10:25 Uhr
Der Bankrat der Zürcher Kantonalbank hat Scott Rüdlinger Zoller zum neuen Leiter der Geschäftseinheit Products & Services ernannt. Der Mathematiker und CFA-Charterholder tritt die Nachfolge von Daniel Previdoli an,...
Die Eskalation im Nahen Osten hat im März die Finanzmärkte aufgewühlt: Ein Ölpreisanstieg von 50 Prozent liess kurzzeitig das Gespenst der Stagflation aufsteigen. Die Anlagestrategen von Swisscanto halten das Szenario für übertrieben – und nutzen die Verwerfungen gezielt für Umschichtungen.
Was zunächst nach einem kurzen militärischen Eingriff aussah, weitete sich zu einem handfesten Engpass bei den Erdöl- und Erdgaslieferungen nach Asien und Europa aus. Der folgende Ölpreisschock liess die Finanzmärkte zeitweise ein Stagflationsszenario einpreisen: steigende Inflation, gezwungene Zinserhöhungen der Notenbanken, gebremste Konjunktur. Die Swisscanto-Strategen um Chefstratege Stefano Zoffoli widersprechen diesem Narrativ entschieden: Da die Teuerung im Wesentlichen auf höhere Energiepreise zurückzuführen sei und nicht auf breit angelegte Lohn- und Preisdynamiken wie 2022, sei eine Stagflation nicht gerechtfertigt. Ihr Hauptszenario: Aus wahltaktischen Gründen – der Kaufkraftverlust der US-Konsumenten belastet die Republikaner vor den Zwischenwahlen im November – sei eine baldige Deeskalation im Nahen Osten das wahrscheinlichste Ergebnis.
Die auffälligsten Marktverzerrungen sehen die Strategen bei den Anleihen. Wurden im Februar noch Zinssenkungen der US-Fed erwartet, preist der Markt inzwischen Erhöhungen ein – eine Kehrtwende, die Swisscanto für überzogen hält. Entsprechend erhöht die Gesellschaft die Duration bei globalen Staatsanleihen. Allein ein Rückgang der US-Renditen auf das Niveau von Anfang März würde bei einer 20-jährigen Anleihe Gewinne von rund 5 Prozent auslösen. Gleichzeitig wird die Position in australischen Staatsanleihen geschlossen, nachdem der australische Dollar gegenüber dem Franken um rund 8 Prozent zulegte.
Trotz eines Minus von rund 8 Prozent beim globalen Aktienmarkt seit dem Höchststand Ende Februar bleibt Swisscanto bei Aktien übergewichtet. Die nachlassende Euphorie, kombiniert mit weiter wachsenden Unternehmensgewinnen, stütze diese Haltung. Regional werden jedoch Anpassungen vorgenommen: US-Aktien werden reduziert, da sich neben dem Energiepreisschock auch Risse am Arbeitsmarkt und im Private-Credit-Bereich zeigen. Schwellenländer-Positionen werden ebenfalls gestutzt, weil Anleger bei den grossen KI-Firmen zu ambitionierte Erwartungen einpreisten. Aufgestockt wird hingegen der Schweizer Aktienmarkt: Die Abstrafung des defensiven Marktes im März sei durch die Probleme bei Grosskonzernen und zyklischen Titeln nicht vollständig erklärbar – und das Aufholpotenzial entsprechend attraktiv.
Im Währungsbereich wird der US-Dollar zugunsten des Japanischen Yen reduziert. Der JPY bewegt sich nahe seinem historischen Tiefstand von 160 JPY/USD aus dem Jahr 2024; eine dreijährige Inflationsrate von 3 Prozent und US-Druck wegen des japanischen Handelsüberschusses sprechen für eine Aufwertung. Bei den alternativen Anlagen bleibt Gold nach der Kurskorrektur übergewichtet. Bewährt haben sich im turbulenten März Insurance-Linked Bonds, die erfolgreich zur Diversifikation beitrugen.