Schweizer Uhrenexporte schrumpfen – doch die Börse setzt bereits auf die Wende

Uhrenhersteller melden eine stärkere Nachfrage aus den USA. Im Bild: Patek Philippe-Laden in New York (Bild: Adobe Stock)
Uhrenhersteller melden eine stärkere Nachfrage aus den USA. Im Bild: Patek Philippe-Laden in New York (Bild: Adobe Stock)

Seit Jahresbeginn 2026 zeigen die Börsenkurse, dass Investoren im Luxussektor selektiv geworden sind. Schweizer Uhrenwerte sind davon direkt betroffen.

29.01.2026, 08:42 Uhr
Konjunktur

Redaktion: AWP / asc

Die Schweizer Uhrenhersteller haben im vergangenen Jahr etwas weniger Zeitmesser ins Ausland exportiert. Besonders stark brachen die Ausfuhren nach China und Hongkong ein, während die Verkäufe in die USA weitgehend stabil blieben.

Insgesamt exportierte die Schweizer Uhrenindustrie 2025 Uhren im Wert von 25,6 Milliarden Franken, wie das Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG) und der Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie (FH) mitteilten. Damit sank das Exportvolumen um 1,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, nachdem die Branche bereits 2024 nach dem Rekordjahr 2023 einen Rückgang von 2,8 Prozent hinnehmen musste.

«Das Geschäftsjahr 2025 war von grosser Unsicherheit und anspruchsvolleren Marktbedingungen geprägt», heisst es beim Uhrenverband FH. Innert zwei Jahren seien die Exporte nach China um mehr als ein Drittel eingebrochen, gleichzeitig erreichten Goldpreis und Schweizer Franken Rekordwerte und trieben die Produktionskosten sowie die Verkaufspreise in die Höhe.

Zum Jahresende zeigte sich ein Gegentrend: Im Dezember legten die Exporte gegenüber dem Vorjahresmonat um 3,3 Prozent auf 2,10 Milliarden Franken zu. Während die Ausfuhren nach China (-6,8 Prozent) und Hongkong (-8,0 Prozent) weiter zurückgingen, stiegen jene in den mittlerweile wichtigsten Einzelmarkt USA um 19,2 Prozent.

Für das laufende Jahr 2026 erwartet der Verband bestenfalls eine stabile Entwicklung in einem von anhaltender Verunsicherung geprägten Umfeld. Zollsorgen mit Blick auf die USA seien nicht ausgeräumt, und für den chinesischen Markt zeichne sich keine schnelle Erholung ab.

Aktuelle Börsenentwicklungen seit Anfang 2026

Seit Jahresbeginn haben sich die Kurse der grossen börsenkotierten Uhrenwerte unterschiedlich entwickelt. Die Swatch-Group-Aktie liegt auf Sicht der vergangenen drei Monate deutlich im Plus, nachdem sie sich von Kursen um die 140 Franken auf Spitzenniveaus von rund 180 Franken vorgearbeitet hat. Richemont notiert nach einem starken Jahr 2025 ebenfalls erhöht und weist über zwölf Monate einen Kursanstieg von mehr als 20 Prozent aus.

Gleichzeitig steht der gesamte Luxussektor unter Beobachtung. Nach den jüngsten Zahlen von LVMH, die zwar die Erwartungen leicht übertrafen, aber keine klare Wachstumsdynamik zeigten, gerieten die Aktien grosser Luxuskonzerne unter Druck; LVMH verlor zeitweise rund 7 bis 8 Prozent, andere Titel im Segment gaben ebenfalls nach. Analysten gehen davon aus, dass 2026 ein Jahr der Normalisierung wird, mit verlangsamtem Wachstum und hoher Differenzierung zwischen Marken, die preissetzungsmächtig bleiben, und jenen, die stärker von der schwächeren Nachfrage in China abhängig sind.

Vor diesem Hintergrund stellt sich für Investoren die Frage, wie sie das verhaltene Exportwachstum, die China-Schwäche und die jüngste Börsenerholung gewichten sollen: Ist der jüngste Kursanstieg bei Uhrenwerten bereits vorweggenommene Hoffnung auf eine Stabilisierung, oder überzeichnet der Markt die Robustheit des Luxussegments in einem Umfeld hoher Zinsen, starker Währungen und verunsicherter Konsumenten?

Alle Artikel anzeigen

Diese Website verwendet Cookies, um Ihnen eine bestmögliche Nutzung zu ermöglichen. Mit der Annahme der Cookies bestätigen Sie, dass Sie ein professioneller Anleger mit Sitz in der Schweiz sind.> Datenschutzerklärung