Arbeitslosigkeit in der Corona-Krise: Programm aus den 1930ern als Lösung?

Kristina Hooper, Chief Global Market Strategist bei Invesco
Kristina Hooper, Chief Global Market Strategist bei Invesco

Durch die Lockdowns zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie haben Regierungen überall auf der Welt mit einem dramatischen Anstieg der Arbeitslosigkeit zu kämpfen. Vor diesem Hintergrund könnte die während der Grossen Depression in den 1930er Jahren in den USA eingerichtete Work Projects Administration ein Modell für 2020 und darüber hinaus sein, meint Kristina Hooper von Invesco.

01.06.2020, 11:24 Uhr

Redaktion: rem

Als Reaktion auf die Coronavirus-Pandemie haben die Notenbanken vieler Industrieländer die Geldschleusen geöffnet, um ihre jeweiligen Volkswirtschaften zu stützen. "Ihre akkommodierende Politik wird aber kaum nennenswert dazu beitragen, die Arbeitslosigkeit zu senken", meint Kristina Hooper, Chief Global Market Strategist bei Invesco. In der Vergangenheit hätten sich fiskalpolitische Massnahmen hier als wirkungsvoller erwiesen, da sie direkter wirkten als die Geldpolitik. "Fiskalpolitische Stimulusmassnahmen, durch die Unternehmen auch in der Krise zahlungsfähig bleiben und so ihre Mitarbeiter weiter beschäftigen können, sind sicherlich am effektivsten“, sagt sie. "Für diejenigen, die ihren Arbeitsplatz aber bereits verloren haben, kann ein Modell wie das der Work Projects Administration die beste Lösung sein, zumal der Bedarf für Massnahmen zur Verbesserung und Modernisierung von Infrastruktur in einigen entwickelten Staaten – einschliesslich der USA – gross ist.“

Langfristig positive Wirkung

Die Work Projects Administration (WPA) habe die Arbeitslosen zwar nur temporär beschäftigt – ihre Arbeitsbeschaffungsmassnahmen hätten aber eine langfristig positive Wirkung erzielt und zur Schaffung neuer, dauerhafter Arbeitsplätze geführt. Wie Hooper erläutert, schufen die enormen, mithilfe der WPA-Arbeiter durchgeführten Infrastrukturmassnahmen ein optimales Umfeld für ein bedeutendes Wachstum der US-amerikanischen Wirtschaft in den folgenden Jahrzehnten – und somit für einen zusätzlichen Beschäftigungsaufbau. "Infrastrukturausgaben sind die staatliche Form von Anlageinvestitionen und ermöglichen ein stärkeres Wachstum in der Zukunft“, so Hooper.

Neben neuen Strassen und Strassenausbesserungen, neuen Brücken, neuen Schulen und anderen öffentlichen Gebäuden sowie vielen Tausend Kilometern an Wasser- und Abwasserleitungen ermöglichte die WPA Projekte wie den LaGuardia Airport in New York, das Griffith Observatory in Los Angeles und den Midway Airport in Chicago. Die WPA beschäftigte aber auch Künstler, Schriftsteller, Historiker und Archäologen, die wichtige geschichtswissenschaftliche und archäologische Projekte durchführten. Zu den weiteren bedeutenden WPA-Massnahmen für das Allgemeinwohl gehörten die Katastrophen- und Wiederaufbauhilfe, wobei die rasche Entsendung geschulter WPA-Arbeiter in von Naturkatastrophen heimgesuchte Gebiete dazu beitrug, Leben zu retten und Schäden zu minimieren.

"Im aktuellen Umfeld, in dem Regierungen in aller Welt an ihrer weiteren fiskalpolitischen Reaktion auf diese Krise arbeiten, könnte sich ein Blick auf diese Fallstudie zur fiskalpolitisch gesteuerten Senkung der Arbeitslosigkeit lohnen“, so die Chefstrategin von Invesco. "Staatliche Ausgabenprogramme, durch die direkt Arbeitsplätze geschaffen werden, sollten die Arbeitslosigkeit besonders deutlich senken können. Die Beschäftigung von Arbeitslosen in staatlichen Infrastrukturprojekten ist dafür ein gutes Beispiel.“

WPA: Deutliche Senkung der Arbeitslosenrate

Die WPA wurde 1935 gegründet, als sich die USA mitten in der Grossen Depression befanden und die Arbeitslosenrate bei über 20% lag. In den acht Jahren ihres Bestehens beschäftigte die WPA mehr als 8 Mio. Menschen. Bis 1941 ging die Arbeitslosenrate auf 9,9% zurück. Arbeitslose konnten sich einfach bei der WPA bewerben und wurden dann gemäss ihrer Qualifikation in geeigneten Projekten eingesetzt. Nach Abschluss eines Projektes wurden sie zumeist direkt einem anderen Projekt zugewiesen. Unter den Arbeitslosen waren viele Fachkräfte unterschiedlicher Ausrichtung und gelernte Handwerker, die für eine Vielzahl von Projekten im ganzen Land eingesetzt werden konnten.

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