30.03.2026, 08:59 Uhr
Was als breiter Technologieboom begann, ist zu einer Debatte über Bewertungen, Beschäftigung und gesellschaftliche Ordnung geworden. Frédéric Leroux, Head of Cross Asset bei Carmignac, analysiert, warum Anleger...
Der Anstieg der Energiepreise folgt einem bekannten Drehbuch. Carmignac-Stratege Kevin Thozet warnt: Was als Inflationsschock beginnt, kann sich in eine Wachstumskrise verwandeln, wobei die entscheidende Variable die Zeit ist.
Der Ausbruch des Nahost-Konflikts hat an den Finanzmärkten reflexartig ausgelöst, was Angebotsschocks immer auslösen: Renditen steigen, Aktien fallen. Die Mechanik ist vertraut. Höhere Energiepreise treiben die Inflationserwartungen, zwingen die Märkte, die Geldpolitik restriktiver einzupreisen, und belasten vor allem energieimportierende Volkswirtschaften doppelt – sowohl Aktien- als auch Anleihekurse geraten unter Druck.
Doch Kevin Thozet, Mitglied des Investment Committee bei Carmignac, richtet den Blick auf die eigentlich entscheidende Frage: nicht das Ausmass des Ölpreisanstiegs, sondern seine Dauer.
Die historische Analyse der vergangenen 70 Jahre – von Jom Kippur 1973 über die iranische Revolution 1979 bis zum ersten Golfkrieg 1990 – zeigt ein wiederkehrendes Muster. In den ersten vier Wochen nach einem Angebotsschock reagieren Aktienmärkte uneinheitlich. Ab Woche fünf bis acht zeigen sich erste Risse, das Abwärtsrisiko steigt merklich. In der eigentlichen Gefahrenzone, Woche neun bis dreizehn, werden Rückgänge häufiger und anhaltender.
Die Logik dahinter: Was zunächst als Inflationssignal interpretiert wird – und damit sogar als Zeichen nominalen Wachstums –, wirkt mit wachsender Dauer wie eine Steuer auf die Realwirtschaft. Margen erodieren, Realeinkommen schrumpfen, die Finanzierungsbedingungen verschärfen sich. Selbst die Zinsen folgen dieser Verzögerungslogik: Kurzfristige Renditen steigen zuerst. Hält der Schock an, wechselt die dominierende Markterzählung von Inflation zu Wachstumssorgen – und das kurze Ende beginnt nachzugeben.
Mit dem Konflikt in seiner fünften Woche und Ölpreisen nahe ihren Höchstständen befinden sich die Märkte nach Einschätzung von Thozet noch in Phase eins: Renditen tendieren aufwärts, nähern sich aber möglicherweise ihrem Gipfel. US-Aktien, die sich bislang vergleichsweise resilient gezeigt hatten, beginnen deutlich nachzugeben.
Ein struktureller Dämpfer mildert die Brisanz etwas: Heutige Volkswirtschaften sind weit weniger energieintensiv als jene der 1970er Jahre. Effizienzgewinne und die Verschiebung hin zu Dienstleistungen haben die Sensitivität gegenüber Energieschocks reduziert. Aufgehoben ist sie damit nicht.
Eine rasche Deeskalation bleibt für Thozet ein plausibles Szenario – seine Wahrscheinlichkeit lässt sich jedoch kaum beziffern. Das Fazit des Carmignac-Strategen ist nüchtern: Die Märkte haben die Wachstumszerstörungsphase noch nicht erreicht. Aber mit jedem weiteren Tag rückt dieses Risiko näher. Bei Ölangebotsschocks, so Thozet, ist Zeit der eigentliche Auslöser.